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Mensch-Hannover Miss mit Mission: Ioanna Palamarcuks
Menschen Mensch-Hannover Miss mit Mission: Ioanna Palamarcuks
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22:45 04.01.2018
Miss Hannover Ioanna Palamarcuk (Mitte) kooperiert mit der Deutschen Krebshilfe. Quelle: Behrens
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Hannover

„Das wird keine Lockenmähne mehr bis zum Wochenende“, scherzt die Schülerin über ihren nächsten Auftritt. Sonnabend ab 14 Uhr steht sie wieder auf dem Laufsteg in der Ernst-August-Galerie, diesmal geht es um den Titel der Miss Niedersachsen. Und Palamarcuk steht zu ihrem Look, mit dem sie im September bei der Miss-Hannover-Wahl den Sieg holte – und extrem polarisierte.

„Der Shitstorm war schlimm“, sagt sie rückblickend. Als „Chemo-Frise“ wurde der radikale Millimeterschnitt beschimpft. „Manche hielten mich für krebskrank – und unterstellten, dass die Jury ja nur aus Mitleid für mich gestimmt habe.“ Häme und Spott trafen die damals 16-Jährige, die versuchte, die fiesen Sprüche an sich abprallen zu  lassen.

Was aber gar nicht so einfach ist, wenn in der eigenen Familie zwei liebe Menschen an Krebs gestorben sind: „Meine Tante war wie eine zweite Mutter für mich – sie starb an Leberkrebs, mein Onkel fünf Jahre davor an Lungenkrebs.“ Bei ihm habe sie miterlebt, welche Folgen eine Chemo-Behandlung hat: „Ich habe gesehen, wie er ganze Haarbüschel verloren hat.“

Die Erinnerung ist schmerzhaft – und doch ein Ansporn für die junge Miss: „Der Spott über meine Frisur hat mich besonders verletzt, weil er ja auch Menschen trifft, die wirklich krank sind.“ Mit ihnen solidarisiert sich die 17-Jährige, die jahrelang auf nationalem Parkett in Latein-Wettbewerben antrat und seit etwa einem Jahr ihr Herz an den Hip-Hop verloren hat: Beim deutschen Vorentscheid des Wettbewerbs „Hip-Hop International“ am 24. und 25. März in Hannover (die Sieger fahren zum Finale nach Phoenix, USA) sammelt sie Spenden für die Deutsche Kinderkrebsstiftung.

Olando Amoo (39), seit fünf Jahren Direktor der Veranstaltung und Palamarcuks Tanzlehrer (und auch Mentor), hat die Aktion eingefädelt: „Als die Stiftungsleute von Ioannas Geschichte hörten, fanden sie ihr Engagement toll.“ Krebskranken Kindern könne das Mut machen: „Eine Miss, deren Haare aussehen wie ihre, steht im Rampenlicht – und ist schön.“

Vom Startgeld der etwa 800 Tänzer geht ein Euro an die Stiftung, Palamarcuk will auch selber mit der Spendendose bei den Besuchern klappern – und Kontakt mit der Kinderklinik auf der Bult und der MHH aufnehmen: „Vielleicht können wir ja auch Kinder zur Show einladen?“ Sie selbst ist fasziniert von der Stimmung bei solchen Events, 2017 war sie mit Amoos Truppe beim Finale in Las Vegas: „9000 Tänzer aus 53 Ländern. Hip-Hop steht für Toleranz, hier gibt es keine Hautfarbe, kein Alter, keine Religion – und keine Frisur.“

Wobei die Palamarcuks Alleinstellungsmerkmal bei der Miss-Wahl am Sonnabend sein könnte: „Sie ist eine auffällige Kandidatin“, findet ihr Tanzlehrer. „Ich werde häufig erkannt“, gibt auch die 17-Jährige zu. „Da kommen oft Komplimente aus dem Nichts“, freut sie sich. Es gibt zum Glück auch noch mehr als Spott und Häme.

Andrea Tratner

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