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Mensch-Hannover Menschen in Hannover machen sich für kleinen Arvid stark
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11:31 14.03.2018
Ein Herz für Arvid:(von links) Rolf Eisenmenger, Arvid und seine Mama Julia Pfetzing, Sven Blankenberg und Künstlerin Erika Gottschlich bei „Lo & Go“  Quelle: Cvjetkovic
Hannover

 Er ist ein aufgeweckter Junge, lacht viel. Er ist an seiner Umwelt interessiert, hat spürbar den Schalk im Nacken. Was Arvid Hintze (3) dann doch von den anderen Jungs in seinem Alter unterscheidet, macht un­fassbar traurig – er ist schwer behindert, leidet an einer Zerebralparese. Während der Geburt hatte sich unter anderem die Nabelschnur dreimal um seinen Hals gewickelt, Sauerstoffmangel verursachte die Hirnschäden.

Viele Menschen sind in den vergangenen Wochen auf das Schicksal von Arvid aufmerksam geworden – unter anderem Rolf Eisenmenger (63): „Mich berührt seine Geschichte sehr“, sagt der Herrenausstatter, „und ich habe mich gefragt, wie man ihm und seiner Familie helfen kann.“ Eine Idee hatte er zügig, Eisenmenger versteigerte einfach einen Gutschein im Wert von 1000 Euro für seinen Laden „Lo & Go“. Den Zuschlag hat schließlich Matthias Brodowy (45) bekommen: „Zum einen bin ich großer Eisenmenger-Fan, weil er definitiv der geschmackvollste Ausstatter weltweit ist“, erklärt der Kabarettist lachend, „au­ßerdem finde ich es wichtig zu helfen, wenn man kann.“ 800 Euro sind auf diese Weise schon mal zusammengekommen, Brodowy wird da­rüber hinaus eines seiner Bücher versteigern und den Erlös ebenfalls Arvid zugutekommen lassen.

Brodowy spendet für kranken Jungen

Die Unterstützung kann dessen Familie gut gebrauchen: Der Dreijährige be­kommt eine sogenannte hyperbare Sauerstofftherapie, die mit einem Spezialgerät angewandt wird. „Ich habe die Hoffnung, dass es eine Besserung bewirken kann“, sagt die Mutter des Jungen, Julia Pfetzing (39). Die 39-Jährige hat bereits Fortschritte bei Arvid ausmachen können, zum Beispiel kann er bestimmte Dinge, die er haben möchte, besser mit den Augen ansteuern.

Bisher hat Pfetzing ihr Kind immer nach Laatzen zu einem Arzt gefahren (die vierköpfige Familie lebt in Neustadt am Rübenberge), der über ein Spezialgerät verfügt. Pro Sitzung waren 50 Euro fällig, schnell summierte sich die Rechnung auf 400 Euro im Monat. Nun haben Pfetzing und Arvids Vater Danielo Hintze selbst so ein Gerät zu Hause stehen. Die Fahrtzeit von locker 45 Minuten zur Be­handlung nach Laatzen fällt somit weg, „außerdem wollen wir die Fortschritte dokumentieren und für Studien zur Verfügung stellen“. Kostenpunkt für die technische Ausrüstung: 20 000 Euro.

Familie setzt Hoffnung in Sauerstofftherapie

Von der Anteilnahme an ihrem Schicksal ist die Friseurmeisterin, die derzeit ihren Beruf nicht ausüben kann, überwältigt: „Die Nächstenliebe, die wir erfahren, ist wirklich unfassbar.“ Tränen schießen in ihre Augen: „Ich bin für jedes bisschen dankbar. Und für Arvid freue ich mich, dass er die Chance bekommt, womöglich ein bisschen normal leben zu können.“

Dafür setzen sich auch Hannovers wohl umtriebigster Personaltrainer Sven Blankenberg (36) und Künstlerin Erika Gottschlich (49) ein. Letztere kam zu einem Treffen mit Arvid und seinen Fürsprechern extra aus Mönchengladbach nach Hannover in Eisenmengers Geschäft „Lo & Go“. „Als ich von Arvids Geschichte ge­hört habe, musste ich einfach was tun“, berichtete die Künstlerin. Sie malte ein Bild, das für 777 Euro versteigert wurde, den Erlös spendete sie für den Dreijährigen. Sportfreak Blankenberg, selbst Vater einer zweijährigen Tochter, versteigerte ein Fitnessprogramm (Erlös 450 Euro) und organisierte einen einwöchigen Erholungsurlaub für die Familie.

„Es macht mich glücklich, dass ich an das Gute im Menschen glauben kann“, so Julia Pfetzing. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Wer Arvid helfen möchte, kann dies tun. Einfach unter  https://www.gofundme.com/arvid-is-looking-for-150000-people

Von Mirjana Cvjetkovic

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