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© Florian Petrow

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Cross-Fit

„Maxi King“ will auf das Siegertreppchen

Er ist gerade mal 19 und mischt in der Spitze der europäischen Cross-Fit-Szene mit: Maximilan Henze tritt als „Maxi King“ Sonnabend beim „Cry me a River“-Wettkampf in Hannover an. Der Trendsport aus den USA - eine Mischung aus Turnen, Leichtathletik und Gewichtheben - liegt ihm.

Hannover. Sport ist nun mal harte Arbeit, das kann man an den Händen von Maximilian Henze (19) ablesen: Schwielen, Hornhaut, Risse, frisch verheilte Wunden. „Nach dem Wettkampf in Bratislava hatten alle im Finale blutige Hände“, erzählt der muskelbepackte Sportler. Für ihn ist das nichts Besonderes. „Wer Cross-Fit macht, lernt, an seine Grenzen zu gehen.“

Für die NP macht Henze „Butterfly Pull-ups“, geschmeidige Klimmzüge im hohen Tempo an der Reckstange. Er turnt an den Ringen, schwingt die 24 Kilo schwere „Kettle Bell“ - und kommt nur ein klitzekleines bisschen ins Schwitzen. 78 Kilo wiegt der 1,70 Meter große Athlet. Ein guter Teil davon dürfte Muskelmasse sein. „Bevor ich vor eineinhalb Jahren mit Cross-Fit angefangen habe, waren es 18 Kilo weniger“, sagt er und schmunzelt.

Dabei war Sport schon immer seine Leidenschaft. Mit fünf Jahren fängt Henze mit Fußball an, mit sieben Jahren kommt Handball dazu, später noch Tischtennis. „Drei Jahre lang hab ich alles gleichzeitig gemacht. Zum Glück passten die Trainingspläne zueinander.“ Handball weckt dann seinen Ehrgeiz, darauf konzentriert er sich. „Ich durfte mit 13 bei den Älteren mitmischen.“ Er spielte in der Jugendmannschaft der Burgdorfer „Recken“, später Bundesliga in der A-Jugend von Anderten. Welche Position? „Linksaußen, da kann man Kleine wie mich gut einsetzen.“

Henze ist damals in der Sportklasse an der Humboldtschule. „Ich war ein guter Sportler - und nebenbei Schüler“, gibt er zu. Mit dem Fachabi geht er ab vom Gymnasium. Und nimmt ein Jahr Auszeit, die er nur dem Sport widmet. „Meine Eltern unterstützen mich dabei“, sagt er und ist froh über deren Einstellung: Auch seine Schwester Katharina (21) durfte nach der Schule ein Jahr lang machen, „worauf sie Lust hatte“. Bei ihr war es „Work & Travel“ in Kanada, Maximilian Henze wollte trainieren. „Das ist Luxus“, freut er sich. Voraussetzung: Im Herbst muss er eine Ausbildung oder ein Studium anfangen.

Und die vielen Stunden harter Arbeit in der Cross-Fit-Box von Peter Schnabl (31) in Wülfel haben sich gelohnt. „Maxi King“ steht auf dem Shirt, das sich über Maximilian Henzes Oberkörper spannt. Und mit der Kinder-Süßigkeit aus dem Kühlregal hat der Spruch wahrlich nichts zu tun. „Er ist perfekt, er wird am Wochenende alle Konkurrenten abhängen“, prophezeit Schnabl. „Seit er Viviane hat, geht es wie eine Rakete nach oben.“

Viviane Kutter (29) ist Cross-Fit-Trainerin, Sport-Physiotherapeutin - und Henzes Freundin. Beim Training holt sie das Beste aus ihm heraus: Gewichtheben, eine der wichtigsten Cross-Fit-Disziplinen, war nie Henzes Spezialität. „Dafür bin ich zu klein, ich hab früher grad mal irgendwie 70 Kilo hochgekriegt“, gesteht er. Mit Kutters Hilfe schafft er jetzt 130 Kilo. „Wir haben viel an seiner Schulterstabilität gearbeitet“, verrät die Sport-Expertin. Sie kennt auch Henzes größte Stärke: „Er hat Biss. Und er bleibt bei einem Wettkampf ruhig und gelassen. Das nennt man mentale Stärke.“

Cross-Fit hat Henze im Dezember 2012 beim Stöbern auf Sportseiten im Internet entdeckt, wenige Monate später startete er das Training - „nur so zum Austoben“. Aber seine Trainer stellten fest, dass er Talent hat. Beziehungsweise viele Talente. „Der Sport ist eben sehr vielfältig“, schwärmt Henze. Bei seinem ersten Wettkampf, dem „German Throwdown“ im November 2014, kommt er auf Anhieb auf den 17. Platz. Beim „Central Europe Throwdown“ in Bratislava in der Slowakei wird er Zweiter, beim „Battle of Britain“ in Birmingham Dritter. Vor eineinhalb Wochen dann die Krönung: Henze gewinnt den „Adriatic Throwdown“ in Kroatien. „Endlich mal in der Mitte des Treppchens“, sagt er genießerisch.

Cross-Fit ist ein Trend-Sport, den viele noch nicht kennen. Seiner Oma musste Henze das Konzept auch erklären. „Und was sagt sie? Aha, du machst also Zirkeltraining.“ Stimmt ja auch irgendwie ...


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