Navigation:

ZU GAST IN HANNOVER: Für zwei Lesungen ist Max Tidof (Mitte) aus München gekommen. Wolfram Hänel und Ulrike Gerold haben den Schauspieler in ihr Haus in Bothfeld
eingeladen.© Frank Wilde

|
Porträt

Max Tidof: Ein Schauspieler zu Gast bei Freunden

Statt den Gast im Hotel unterzubringen, hat das hannoversche Autorenpaar Wolfram Hänel (59) und Ulrike Gerold (59) den erfolgreichen Schauspieler Max Tidof (55) eingeladen, im ehemaligen Kinderzimmer in Bothfeld zu schlafen. Das tat Tidof gern - und las an den Abenden auf Festivals aus dem neuen Thriller der beiden vor.

Hannover. Es geht ganz gemütlich zu in der guten Stube des Schriftstellerpaares Wolfram Hänel (59) und Ulrike Gerold (59) in Bothfeld. Schauspieler Max Tidof (55) aus München ist zu Besuch, es wird nonstop Kaffee getrunken, die Zigaretten glimmen pausenlos. Es wird geredet und gelacht, hin und wieder auch mal nachdenklich geschwiegen. Die Hunde dösen einträchtig vor sich hin - Hänels Border-Collie in der Küche, Tidofs Husky im Wohnzimmer. Die Sonne scheint vom Garten durchs große Fenster in den Raum, strahlt imposante Bücherwände an. Man könnte meinen, diese drei Menschen sind seit Jahren eng vertraut. Doch ganz so ist es nicht: „Ja, wir haben tatsächlich das Gefühl, uns Jahrzehnte zu kennen, aber in Wirklichkeit ist Max das erste Mal bei uns“, sagt Hänel. Und der lacht, nickt und fügt ein Mark-Twain-Zitat an: „Die Zeit rast, lass uns jetzt schon alte Freunde sein.“

Tatsächlich kennengelernt haben die Hannoveraner Max Tidof und seine Frau Lisa Seitz vor acht Jahren in München - über einen Ex-Hannoveraner. Der Regisseur Wilfrid Grote (75), ein enger Freund Hänels, ist direkter Nachbar der Tidofs in München. Und als jetzt Hänels neuester Freda-Wolff-Thriller „Töte ihn, dann darf sie leben“ (Aufbau-Verlag, 14,99 Euro) auf Krimifestivals im Norden vorgestellt werden sollte, hat Hänel den Münchener gefragt, ob er das übernehmen wolle. Tidof sagte - Freundschaft hin oder her - erst zu, nachdem er das Buch gelesen hatte: „Ich lese nur Bücher, die ich selbst gut finde“, sagt er und grinst, „und dieses ist gut.“ Lesungen sind für Tidof eine besondere Herausforderung, denn der Schauspieler liest nicht einfach Absätze vor: „Bei mir ist das ein arbeitsreicher Prozess: Ich versuche, dem Buch eine kompakte Geschichte zu entlocken, mit eigenem Spannungsbogen. Dafür kopiere ich interessante Szenen aus dem Buch, lege sie auf dem Boden um mich herum, sortiere sie zu meiner Geschichte“, erzählt er und wirft einen verschmitzten Blick zu Hänel: „Zum Glück sehen die Autoren ja nicht, wie ich ihr Buch dabei zerpflücke.“

Wenn Max Tidof spricht, füllt seine tiefe, warme Stimme den Raum, Tidof gilt als einer der vielseitigsten deutschen Schauspieler. Starallüren aber hat er nicht, er wirkt eher wie jemand, mit dem man die Nacht bei gutem Wein im Zigarettennebel durchdiskutieren kann. Die älteren Fans sehen in ihm immer noch vor allem den Comedian Harmonist, aber auch Kinder gehören zu Tidofs Fangemeinde: „Durch den Pferdefilm „Ostwind 2“ haben sich ganz neue Perspektiven entwickelt: „Auf der Straße drehen sich Teenager nach mir um“, schmunzelt er. In dem Kinofilm spielt er den Bösewicht Leopold Sasse.

Obwohl Tidof jetzt vier Tage im ehemaligen Kinderzimmer der Hänels zwischen Pferdeplakaten und -büchern geschlafen hat - ansonsten hat er nicht viel von der Stadt gesehen. „Keine Zeit“, sagt der Schauspieler, „wir genießen die Tage hier, schlafen aus, reden miteinander, und an den Abenden sind wir ja auf den Lesungen.“ Aber beim nächsten Besuch will er sich Hannover anschauen, verspricht er brav: „Ich habe von den beiden einen neuen Stadtführer bekommen, den werde ich in aller Ruhe studieren.“ Und nächstes Mal mit einem konkreten Sightseeing-Plan kommen. Immer gerne!

NPVISITENKARTE

Max Tidof

Geboren am 8. März 1960 in Polch, Rheinland-Pfalz. Nachdem er in der elften 
Klasse die Schule entnervt abgebrochen hatte, ging Tidof 1979 nach München und startete ohne jede Ausbildung seine Karriere als Schauspieler. Seine erste Rolle war „Der kleine Prinz“, in dem er alle Planetenbewohner spielte. 1981 bekam er seine erste TV-Rolle in Klaus Emmerichs Film „Rote Erde“. Die erste große Kinorolle war 1994 der Film „Abgeschminkt“; weitere große Erfolge: „Comedian Harmonists“ aus dem Jahr 1997 und aktuell „Ostwind 2“. Seit 1996 ist er mit Lisa Seitz, die auch seine Managerin ist, verheiratet.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige

Bild des Tages