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Mensch-Hannover Martin Lacey: Für den Zirkus kämpft er wie ein Löwe
Menschen Mensch-Hannover Martin Lacey: Für den Zirkus kämpft er wie ein Löwe
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19:29 05.09.2018
Martin Lacey liebt Raubtiere. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Es ist ja schon ein bisschen so, als würde ein Elternteil mit seinen Kindern schimpfen: „Hey, ihr! Spielt bitte friedlich miteinander“, ruft Martin Lacey junior (41). „Und du da drüben, was gibt es so laut zu brüllen?“ Wir befinden nur gar nicht in einem Kinderzimmer: Der Tiertrainer (den Begriff Dompteur mag er weniger), richtet seine Worte an seine Löwen – und die toben tatsächlich etwas wild (Weibchen) umher und machen mit dem Gebrüll (Männchen) ganz schön Krach auf dem Schützenplatz.

Von Natur aus Artist

Dort gastiert derzeit der „größte Circus der Welt“, nämlich Krone. Da steht der 41-Jährige zweimal am Tag mit seiner Raubtiernummer in der Manege, außerdem tritt der Engländer mit Tsavo auf: „Er ist von Natur aus Artist“, erklärt Lacey lachend, „er kommt rein und zeigt einfach, wie cool er ist. Ein supernettes Tier.“ Eines, das 45 Jahre alt ist und dreieinhalb Tonnen wiegt! Lacey ruft seinen „Big Boy“ ein paar mal, ehe das Nashorn sich bequemt aus seinem Stall ins Freigehege zu spazieren – „er frühstückt eben erst noch zu Ende.“

Seit 2008 ist der Nashornbulle in Obhut von Krone, er wurde übernommen, nachdem Zirkus Barum seinen Betrieb eingestellt hatte. „Kein Zoo, kein Tierpark wollte das Tier haben. Tsavo wäre eingeschläfert worden. Es geht ihm gut bei uns“, betont Lacey und streichelt über die dicke Haut des Tieres. „In der freien Wildbahn werden zwei Tiere täglich umgebracht! Ein Kilo Nashorn-Mehl ist wertvoller als Gold“, erzählt mit grimmiger Stimme. „Es wird als Mittel gegen Impotenz genutzt“, schimpft er und tippt sich an die Stirn.

In jedem der Worte schwingt Empörung mit. Ein Gefühl, das Lacey nur zu gut kennt – es schwappt ihm nämlich auch regelmäßig in ganz unterschiedlicher Vehemenz entgegen. „Von Tierschützern, wie sie sich nennen“, sagt er. „Wir bekommen Morddrohungen, werden als Nazis beschimpft, die vergast gehören, man droht uns an, unsere Kinder zu verprügeln“, berichtet der 41-Jährige. „Dabei bin ich der Erste, der will, dass es den Tieren gut geht“, versichert er.

"Transparenz ist uns wichtig"

Schon vor Jahren hat Lacey die Flucht nach vorne angetreten: Auf der Zirkus-Homepage findet sich eine 16-seitige Erklärung, die die Richtlinien des hauseigenen Tierschutzes darstellt. Der 41-Jährige hat den „Lacey Fund“ gegründet, einen Verein, der für die Haltungsverbesserung von Tieren kämpft, er gibt wissenschaftliche Studien in Auftrag, die das Wohl der Tiere belegen. Außerdem kann der Zirkus auch außerhalb der Vorstellungen besucht werden – von zehn bis 18 Uhr, außer an spielfreien Montagen (Eintritt: fünf Euro, Kinder zahlen drei). „Transparenz ist uns wichtig“, betont Lacey, „also soll jeder Interessierte vorbeikommen und hinter die Kulissen blicken können.

Falschinformationen im Internet

Das hat beim NP-Besuch übrigens auch Heiko Schwarzfeld getan. Krone hatte ihn eingeladen – und der Tierheim-Chef „wollte sich auch selbst ein Bild machen, ehe ich mich dazu äußere“. Angeregt unterhielt er sich mit Lacey, ließ sich vom Tierschutzbeauftragten des Zirkus’, Frank Keller, die Unterkünfte und Lebensumstände der gut 100 Zirkustiere (Hengste, Elefanten, ein Nashorn, Löwen, Tiger, Lamas, Esel und Papageien) zeigen. „Ich habe einen vollkommen anderen Eindruck bekommen, als ich vorher im Kopf hatte“, so Schwarzfeld. Schuld daran seien auch Falschinformationen, die im Netz kursieren, so Lacey. Schwarzfeld habe jedenfalls keine dem Klischee entsprechende Bilder gesehnen, nennt Krone in dem Gespräch „Vorzeigebeispiel“. Nervt es Lacey, immer wieder auf solche Themen angesprochen zu werden? „Es ist sehr emotional für mich“, gibt er zu. „Das ist so, als wenn eine Mutter angefeindet wird, schlecht zu ihrem Kind zu sein.“

Und das sei er nicht: Mehre Pfleger kümmern sich um die Tiere, er selbst ist nie weit: „Zum Mittagessen gehe ich höchsten in die Markthalle.“ Dorthin begleitet ihn auch mal seine Ehefrau und Zirkusdirektorin Jana Mandana Lacey-Krone (39). Sie arbeitet mit Pferden und kommt leger im Einhornpullover während des NP-Gesprächs vorbei: „Martin mag Pferde auch“, sagt sie lachend“, nur mögen sie es nicht, wenn er nach Löwe riecht.“

Kurz bevor sich Lacey dann wieder seiner Lebensaufgabe und Herzensangelegenheit widmet, seinen Tieren, sagt er noch: „Wir kämpfen den gleich Kampf: Wir wollen, dass es den Tieren gut geht. Schwarze Schafe gibt es leider in jeder Branche.“

„Circus Krone“ gastiert noch bis 12. September auf dem Schützenplatz. Tickets kost en 19 bis 42, ermäßigt 16 bis 37 Euro. Mehr Infos zu den Vorstellungen und zum Zirkus unter www.circus-krone.com

Von Mirjana Cvjetkovic

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