Navigation:
EIN GUTES TEAM:„Meine Frau hat sich reingefuchst,alles geplant und Emotionen fürsHotel entwickelt“, sagt Martin über Renate Kind.

EIN GUTES TEAM: „Meine Frau hat sich reingefuchst, alles geplant und Emotionen fürs Hotel entwickelt“, sagt Martin über Renate Kind.© Rainer Droese

|
Menschen

Martin Kind: Eine Kneipe nach seinem Geschmack

Der Mann rastet einfach nicht, sondern macht und tut immer weiter: Nun hat Martin Kind (70) mit dem Kokenkrug auch eine Kneipe an seinem Hotel-Komplex Kokenhof in Großburgwedel eröffnet. Die NP hat sich das Herzstück vom Chef zeigen lassen.

Burgwedel. Eigentlich war die NP mit Martin Kind (70) verabredet, damit der Unternehmer seine neue Kneipe Kokenkrug in Großburgwedel präsentiert. „Ich zeige erst mal den Rest“, empfängt uns der gut gelaunte Mann am Eingang seines Kokenhofes gleich nebenan. Da hat er auch so einiges erneuert und erweitert. Kurzum: Es ist schick, sowohl der Business- und Buffetbereich als auch die Zimmer sind gelungen. „Oh, ich sehe gerade, hier fehlt noch ein Schreibtisch“, merkt Kind an und, zack, verschwindet die Notiz sofort in seinem Kopf. So kennt man ihn - er ist Geschäftsmann durch und durch, der Perfektionist überlässt nichts dem Zufall. Vor allem merkt er alles.

Hat er einen Lieblingsplatz? „Da bin ich eher emotionslos“, so der 70-Jährige. Der Stolz, den er beim Gang durch sein Hotel-Imperium an der A 7 trägt, ist aber deutlich spürbar. Dann zeigt er „das Herzstück“, wie Kind die Kneipe nennt. „Wenn man es nicht weiß, dann merkt man gar nicht, dass es neu ist“, freut sich der Geschäftsmann über die Aufmachung des Anbaus - der Fachwerk-Look des Kokenhofes wurde aufgenommen, stilsicher das Ganze.

„Rustikal, gemütlich, ungezwungen“, fasst er die Eigenschaften des Kokenkruges (mit Biergarten, gut 60 Außenplätze) zusammen, das passe auch zu ihm. „Es gab keine Eröffnung, wir haben einfach aufgemacht“, sagt der 96-Präsident. Auch das passt, an seinem Geburtstag fährt er ja auch lieber weg als zu feiern. Den ersten Abend, das war Sonnabend, ging es gleich rund: Gut 150 Gäste schauten vorbei, die letzten gingen erst weit nach Mitternacht, gegen drei Uhr, nach Hause.

Apropos rustikal: Wir essen gemeinsam zu Mittag - Kind wählt den Strammen Max (elf Euro), die NP eine Gulaschsuppe (6,90 Euro). Da Kind ja „eher wachstums- und leistungsorientiert denkt“, hat er jetzt eine Kneipe für diejenigen, „denen der Kokenhof zu vornehm oder zu teuer war“. Wobei: „Die Kokenhof-Gäste kommen auch rüber und essen Currywurst.“

Das Ambiente mag Kind, er hat sowieso schon immer lieber in der Kneipe als in Restaurants gegessen, „ich finde es entspannend“. Nicht so entspannend war der Krach der Arbeiter, die gestern die Hecken geschnitten haben - die schickte Kind mal eben in die Pause, damit weitere Gäste in Ruhe essen und trinken können. Auch das passt, der Chef klärt die Dinge persönlich. So war das auch in den 15 Monaten Bauzeit: „Entweder ich war da oder eigene Leute. Jedenfalls waren wir präsent, jeden Tag.“ So wurden Zeit und Investitions-summe eingehalten. Wie viel Geld hat er in die Hand genommen? „Och, das habe ich vergessen“, winkt Kind ab und lacht. Da rufen Gäste rüber: „Gratulation, ist schön geworden.“ Kind dankt und entgegnet in seiner unverkennbaren Art: „Ist es schön, wars teuer.“

Für das gemütliche Ambiente und die vielen kleinen Details (Windlichter, Weinfässer, Geschirr) hat er jemanden mit Geschmack rangelassen: seine Frau Renate: „Das ist ihr Kind, nicht meins.“ Aber das aufzuziehen war nicht immer einfach: „Er hatte nämlich bestimmte Vorstellungen“, verrät sie, „und ich habe immer nur gedacht - erfülle ich die?“ Die beiden lachen. Und dann entdeckt er, dass am Tage die Außenbeleuchtung angeschaltet ist. „Ich glaube, das war ich“, so der 70-Jährige. Die Gattin tippt aber, dass er das nicht war, sondern Elektriker die Nostalgie-Glühbirnen ausprobieren. Martin Kind geht an den Schalter, knipst das Licht aus und schiebt hinterher: „Und, wer hatte recht?“