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DA IST DAS DING: Stolz zeigt Christian Fleps den nagelneuen Silberling mit zwölf Songs im Marquess-Stil. Auch die Band-Kollegen Dominik Decker und Sascha
Pierro (links) sind stolz.© Frank Wilde

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Interview

Marquess feiern zehnten Bandgeburtstag

Sonne und Seele - klingt wie das Rezept für den Sommerhit 2016. Marquess feiern zehnten Bandgeburtstag und schenken sich mit „Sol y Soul“ (erscheint heute!) selber ein Album mit zwölf Motown-Hits im spanischen Gewand. Sascha Pierro (44), Christian Fleps (44) und Dominik Decker (47) bleiben ihrem Stil treu: „Wir sind die Sonnenjungs.“

Beim letzten Album „Favoritas“ haben sie spanische und lateinamerikanische Klassiker aufgenommen, jetzt kommen Motown-Hits wie „Stop! In the Name of Love“ von den Supremes und „My Girl“ von den Temptations im Marquess-Stil daher. Heißt: spanische Texte, luftig-lockerer Sound. „Wir haben diesmal um die Ecke gedacht“, erklärt Christian Fleps (44), „die Idee zu diesem Album liegt nicht auf der Hand.“

Eine Idee, die ihnen ein gewaltiges Stück Arbeit bescherte: Denn die Texte mussten komplett neu übersetzt werden - und den legendären Originalen gerecht werden. „Wir brauchten ja die Freigabe von Musikverlagen, Ex-Frauen, Erbengemeinschaften“, zählt Sänger Sascha Pierro (44) auf. „Das war nervenaufreibend. Spannung bis zum Schluss“, fügt Gitarrist Dominik Decker (47) hinzu.

40 Titel standen auf der Liste, zwölf haben es auf das Album geschafft. Darunter die spanische Version von Stevie Wonders (66) „I Just Called to Say I Love you“. Decker war anfangs skeptisch: „Als Jugendlicher habe ich den Song gehasst. Aber jetzt hat er eine andere Form von Feuer und Dramatik.“

Die Band feiert zehnten Geburtstag - und klingt immer noch wie am ersten Tag. „Marquess war eine Idee, der sind wir treu geblieben. Wir sind nun mal die Sonnenjungs“, sagt Pierro. „Der Grundsound lässt sich nicht verhindern“, pflichtet Decker bei und muss schmunzeln, „das purzelt so aus uns heraus. Das Album war quasi unser Geburtstagsgeschenk an uns selber.“

Und es trifft einen Nerv. Seit der erfolgreichen Vox-Show „Sing meinen Song“ sei das Publikum neugierig auf Cover-Versionen und Neuinterpretationen. „Die Leute haben ein offenes Ohr für so etwas“, glaubt Pierro.

Ob sich auch diesmal wieder die Sprachpolizisten melden, die an Aussprache und Grammatik der Texte mäkeln? Pierro sieht das gelassen: „Spanisch ist eine Weltsprache, es gibt so viele regionale Besonderheiten, unterschiedliche Akzente. Wir vermischen das alles.“ Und zur Sicherheit hat bei „Sol y Soul“ mit Ricardo Grijalva ein Muttersprachler geholfen.

Zehn Jahre Marquess - das muss man über die Hannover-Band mit dem Sommer-Sound wissen

Die Zahlen: Bisher haben Marquess etwa 1,2 Millionen Tonträger verkauft, erst vergangene Woche kam eine Platin-Auszeichnung für das zweite Album „Frenetica“ (2007) dazu, vier Scheiben erreichten Gold-Status. Der Hit „Vayamos Compañeros“ hielt sich 40 Wochen in den Charts, die Band war zweimal für den Echo nominiert.

Die Anfänge: „El Temperamento“ war eigentlich ein Werbesong für den Flughafen – in vier Sprachen. In der rein spanischen Version wurde das Lied ein Sommerhit.

Die Aufgabenteilung: Begonnen hatten sie als Quartett, der Ausstieg von Marco Heggen (44) liegt fünf Jahre zurück. Im Jubiläumsjahr hat sich eine feste Aufgabenteilung eingependelt: Fleps ist Produzent und Sprachrohr, Gitarrist Dominik Decker hat das größte organisatorische Talent, Pierro ist als Sänger das Aushängeschild. Aber: „Ich bin nicht Marquess“, stellt er klar, „uns gibt es nur als Dreierpack.“ Plus Band.

Der Look: Es hat Jahre gedauert, den „Marquess-Style“ zu finden. „Auf den alten Alben sahen wir oft aus wie Papageien, fühlten uns verkleidet“, sagt Pierro mit verzweifeltem Augenaufschlag. Bis er sich von einem alten Foto von Terence Hill (77) und Bud Spencer (86) inspirieren und einen Anzug aus den 40er Jahren umschneidern ließ. Hosenträger, Westen, lässige Hemden und Schiebermützen tragen sie seit „Favoritas“.

Die Fotos: „Wir sind ja nicht so die Poser“, gibt Fleps zu. Deshalb inszeniert seit zwei Alben Pierro die Fotos. Der Sänger?hat schon früh Erfahrung gesammelt, 2005 hat er die Bilder zum Tokio-Hotel-Debüt „Schrei“ gemacht.

Die Hobbys: „Sascha macht die beste Pizza“, schwärmen die Bandkollegen. Der Halbitaliener fragt bei Restaurantbesuchen in Italien schon mal in der Küche nach der besten Mehlsorte. Christian Fleps ist Tomatenexperte, er zieht im Gewächshaus in seinem Garten in Ricklingen alte Sorten.

Die Verwandtschaft: Dominik Decker ist der ältere Bruder von Christian Decker (44), der bei Fury in the Slaughterhouse Bass spielt – und auf dem neuen Marquess-Album Bass und Saxofon. Konkurrenz gab es nie, „mittlerweile sind wir fast Nachbarn“. Liegt die Karriere in den Genen? „Unsere Eltern haben uns zwar zum Klavierunterricht geschickt, wir kommen aber nicht aus einer Musiker-Familie.“

Die Sprache: Wer kann nach zehn Jahren mit spanischen Texten die Sprache am besten? „Sascha!“, versichern Fleps und Decker, die im Urlaub aber „zurechtkommen“. Pierro hängt sich voll rein, macht immer wieder Kurse – und wird von der italienischen Verwandtschaft angemeckert, wenn er spanische Vokabeln einstreut.

Die Konzerte: Noch steht Hannover nicht auf dem „Sol y?Soul“-Live-Plan – „aber da kommt noch was“. Hier machen Marquess lieber „besondere“ Konzerte wie Auftritte mit Bigband oder Streichorchester. Das größte Publikum hatten sie mit 100?000 Menschen Silvester am Brandenburger Tor und 2007 bei „Live Earth“, als weltweit übertragen wurde. Die Zukunft: „Sol y Soul“ ist das zweite Album mit Cover-Versionen. Sie versprechen: „Als Nächstes machen wir wieder eigene Songs, das brennt uns unter den Nägeln.“


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