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ENDLICH ZUFRIEDEN: Seit sich die Schauspielerin Madlen Kaniuth hat operieren lassen, lebt sie ein anderes, ein besseres Leben. Das kleine Foto zeigt sie aufeinem roten Teppich nach der OP. Foto: Melanie Nador

ENDLICH ZUFRIEDEN: Seit sich die Schauspielerin Madlen Kaniuth hat operieren lassen, lebt sie ein anderes, ein besseres Leben.

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NP-Interview

Madlen Kaniuth: "Ich möchte anderen Frauen helfen"

Seit 2006 spielt Madlen Kaniuth (40) in der RTL-Soap „Alles was zählt“ die rotgelockte Sekretärin Brigitte Schnell. Was die Zuschauer aber nie wirklich gesehen haben, ist die Erkrankung Kaniuths. Sie leidet am schmerzhaften Lipödem, ließ sich operieren. Am 9. Mai war sie als Botschafterin beim Lipödemtag des Vereins Lipödem Hilfe Deutschland in Hannover zu Gast und sprach über ihre Erfahrungen. Außerdem hat sie ein Buch zum Thema geschrieben.

Frau Kaniuth, waren Sie schon für den Sommer shoppen? Das muss Ihnen jetzt doch besonders viel Spaß machen!
Lustig, das werde ich zurzeit ganz viel gefragt (lacht). Nein, war ich nicht. In mir steckt immer noch die Angst, enttäuscht zu werden. Mein Problem war ja mehr als 20 Jahre lang, dass ich oben 36, 38 getragen habe und unten drei, vier Größen größer. Die Frage war immer: Was kaschiert am besten? Demnach war shoppen nie so meine Lieblingsbeschäftigung. Aber im Herbst fahre ich in die USA - und wenn mir da in einem Outlet etwas Schönes ins Auge springt, werde ich es kaufen.

Abgesehen von der körperlichen Veränderung - haben Sie sich als Person nach Ihrer Lipödem-OP verändert?
Definitiv! Das Körperliche wird immer so in den Vordergrund gestellt. Es ist aber nur ein Nebeneffekt, dass ich an den Beinen schlanker geworden bin. Mein Ziel war, die schmerzhafte Krankheit aus dem Körper zu bekommen und nicht, mich einer Schönheitsoperation zu unterziehen. Es ging mir nicht um tolle, feste Haut, sondern um ein schmerzfreies Leben. Ich bin freier und unbeschwerter geworden, muss meine Zeit jetzt nicht mehr mit Schmerzen verschwenden und nicht überlegen, was kaschiert, sondern was praktisch ist. Und wenn ich jetzt joggen gehe, laufe ich einfach los. Es geht alles viel leichter.

Was für ein Feedback gabs von der Außenwelt?
Ein Kollege meinte: ,Du strahlst ja so!’ Das habe ich öfter gehört. Meine Ausstrahlung hat sich verändert. Aber das ist eben so, wenn man innerlich zufrieden ist. Und das bin ich (lacht).

Wann und wie haben Sie eigentlich gemerkt, dass Sie „anders“ sind?
Schon mit elf, zwölf Jahren. Da habe ich Klamotten aus dem Vorjahr anprobiert und gemerkt, irgendetwas ist anders. Aber ich habe gedacht, du wirst fraulich und bist eben so gebaut. Diesen Spannungsschmerz in meinen Beinen konnte ich gar nicht einordnen, ich habe ja bis zum Schluss nicht vermutet, dass es eine Krankheit sein könnte!

Wie hart war es denn, als dickes Mädchen, später dann als dicke Frau abgestempelt zu werden, die einfach nur mal eine Diät machen sollte?
Ich wurde zum Teil als Lügnerin und undiszipliniert abgestempelt, das geht ganz schön an die Psyche. Ich habe angefangen, an mir zu zweifeln. Schuldgefühle machten sich breit. So bin ich in einen Diätkreislauf reingeraten, konnte aber aufgrund der Krankheit nie an den Beinen abnehmen.

Warum haben Sie sich entschieden, damit an die Öffentlichkeit zu gehen?
Ganz einfach: Ich will aufklären! Ich war geschockt, habe ja selbst nichts von einer Krankheit geahnt. Dabei habe ich mich immer und andauernd informiert. Ich will jungen Mädchen und Frauen helfen. Viele haben Schmerzen und wissen gar nicht, woher die kommen. Es dürfte in Deutschland vier Millionen Betroffene geben. Da ist doch erschreckend, dass man über die Krankheit so wenig weiß. Das muss sich unbedingt ändern.

Ihre drei Eingriffe haben 16.500 Euro gekostet. Wie lange haben Sie dafür gespart, worauf verzichtet?
Direkt gespart habe ich nicht, aber immer mal etwas von einer Steuerrückzahlung zurückgelegt. Ich habe mich beim Ausgehen eingeschränkt und versucht, sparsamer zu sein. Den Betrag musste ich aber nicht alleine wuppen, ich wurde unterstützt.

In Hannover werden Sie einen Tag bei der Fachtagung verbringen. Kennen Sie unsere Stadt denn?
Ich war noch nie in Hannover, habe aber nach meinem Einsatz für den Lipödem Hilfe Deutschland Verein noch etwas Zeit und werde mir wenigstens die Innenstadt ansehen. Aber als großer Fan des 1. FC Köln kann ich durchaus etwas mit Hannover anfangen!

Nämlich?
Wir haben bei einem Bundesliga-Hinrundenspiel gegen 96 echt unfair verloren (lacht).

„Dicke Beine trotz Diät: Mein Leben mit Lipödem“. mvg Verlag, 192 Seiten, 17,99 Euro.

www.madlenkaniuth.de


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