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AM 2. JANUAR GEHTS LOS: Dann eröffnen Wiebke und Johannes Thomsen den Kulturkiosk „Lodderbast“ an der Berliner Allee 56.

AM 2. JANUAR GEHTS LOS: Dann eröffnen Wiebke und Johannes Thomsen den Kulturkiosk „Lodderbast“ an der Berliner Allee 56.
© Frank Wilde

Eröffnung

„Lodderbast“ ist Kino, Kiosk und Kommunikation

Sie wollen der „Antiflix“ sein, der aufmüpfige „Cinemoritz“, ein kurioses „Monoplex“: Wiebke (35) und Johannes Thomsen (36) eröffnen am 2. Januar Hannovers kleinstes Kino in der Südstadt. „Lodderbast“ hat nur 20 Sitzplätze, aber ein großes Konzept – eine Mischung aus Kiosk, Trash und Art-House-Kino! Die NP sprach mit den Machern über bunte Tüten, selbstgeschmierte Stullen und kulturellen Diskurs.

Hannover. Sie haben die Tapeten von der Wand gepult, „ekliges Plastiklaminat“ entfernt und so den Terrazzo-Fußboden freigelegt, den Tresen gezimmert – und jeden einzelnen Programmzettel mit ihrem Logo handgestempelt: Noch ist der „Kulturkiosk“ von Wiebke (35) und Johannes Thomsen (36) ein bisschen Baustelle, bis zur Eröffnung sind ja noch zwei Wochen. Aber der Mini-Laden an der Berliner Allee ist auch zu diesem Zeitpunkt alles andere als „Lodderbast“.

„Lodderbast“ ist Calenberger Platt

Was bedeutet das seltsame Wort, dass auf den Flyern ganz stylisch „LDRBST“ (mit umgedrehtem „D“) gedruckt wird? „Das ist Calenberger Platt“, erklärt Johannes Thomsen mit einem Schmunzeln. „Meine Oma hat das immer gesagt. Gemeint ist eine unordentliche Person. Ein kleiner Junge, dem das Hemd aus der Hose rutscht und der dreckige Fingernägel hat.“ Er beteuert: „Das ist aber liebevoll gemeint.“

Guckt man sich das Konzept des „Kiosks mit Filmvorführung“ an, passt der Begriff ganz gut. Bunte Tüten und oscargekrönte Filme wie „Birdman“, selbstgeschmierte Stullen und ein umstrittener Erotik-Thriller wie „A Thought of Ecstasy“, den Regisseur und Hauptdarsteller RP Kahl (47) am 30. Januar persönlich vorstellt. Popcorn, aber keine Zigaretten. 50er-Jahre Cocktail-Sessel und Bier aus der Flasche. Unisex-Toilette und Zitronenlimonade nach Geheimrezept. „Wir sind nicht Fisch, nicht Fleisch. Wir sind nicht perfekt“, betont Wiebke Thomsen. Mit Mainstream hat das Paar nichts am Hut, die Thomsens suchen die Kontroverse.

„Wir wollen kulturellen Diskurs“

„Ich bin Kulturenthusiast“, sagt der 36-Jährige, der Germanistik studiert hat, alte Schreibmaschinen sammelt und für Arte und den Bayerischen Rundfunk gearbeitet hat. Auf Partys nervt es ihn, „wenn Leute alle zwei Minuten auf ihr Smartphone starren“ – im „Lodderbast“ will er die Mobiltelefone nicht wirklich verbieten. Aber er wünscht sich, dass sich die Besucher konzentrieren – auf den Film und auf die Leute. „Wir wollen kulturellen Diskurs, sie sollen sich die Köpfe heißreden.“ Könnte gelingen mit Titeln die zwischen Anspruch und Trash pendeln.

Das „Lodderbast“ ist eine offiziell eingetragene, aber nur sechs Quadratmeter große Leinwand, das Mini-Kino hat 20 Plätze, Wiebke Thomsen ist die Frau vom Fach. Sie hat Kultur- und Filmwissenschaften und Philosophie studiert, war stellvertretende Leiterin des Kinos am Raschplatz, hat parallel eine Ausbildung im Filmtheatermanagement gemacht. „Ich war schon immer Cineastin“, erzählt sie. In der Leipziger Schaubühne habe sie Karten abgerissen, im Berliner Stadtteil Wedding hat sie ein Kiez-Programmkino auf die Beine gestellt.

Jeder Film-Monat hat Schwerpunkte

Die Idee zum Südstadt-Kino kam dem Paar, das seit drei Jahren zusammen und seit einem Jahr verheiratet ist, als sie sich abends am Küchentisch gegenseitig ihr Leid klagten. „Wir waren beruflich in Tretmühlen gelandet, wollten ausbrechen. Wir haben den Impuls, selber gestalten zu wollen.“ Das tun sie nun: Der Eröffnungsfilm „Birdman“ mit Michael Keaton (66) und Edward Norton (48) am 2. Januar steckt für beide voller persönlicher Erinnerungen. „Den haben wir bei einem unserer ersten Dates gesehen“, verrät die 35-Jährige. Außerdem sei er die perfekte Schnittmenge zwischen den beiden Themenschwerpunkten des Monats Januar (siehe unten).

In Hannovers kleinstem Kino könnte eine besondere eine Kultur-Keimzelle entstehen. Das würde zur Vision von Johannes Thomsen passen: „Ich will meiner Heimatstadt einen Stempel aufdrücken, das ist mein Motor“, schwärmt er. „Hannover ist nämlich die schönste Stadt der Welt.“

Das ist Hannovers kleinstes Kino:

Lodderbast“ (Berliner Allee 56) ist ab 2. Januar montags bis sonnabends ab 14 Uhr geöffnet. Die Filme – alle im Original mit Untertiteln – starten unter der Woche um 19 Uhr, sonnabends gibt es Vorführungen ab 14, 17 und 20 Uhr. Tickets kosten zehn, ermäßigt acht Euro. Es gibt auch Zehner-Karten (80 Euro) und Fünfer-Karten (45 Euro). Reservierungen unter Telefon 0170/238 28 28.

Themenschwerpunkt im Januar ist „Mensch und Tier“: Gezeigt wird unter anderem „Wild“, in dem Regisseurin Nicolette Krebitz ( 45) schildert, wie sich eine Frau in einen Wolf verliebt. Aber auch das trashige Spektakel „Sharknado“ und das poetische „Bella e Perduta“ über die Reise eines Büffelkalbes durch Italien. „Mexikaner in Hollywood“ ist der zweite Fokus: „Machete“ schwelgt in Sex, Gewalt und Klischees – und ist Kult unter Fans. „Birdman“-Regisseur Alejandro Iñárritu (54) ist einer der wenigen Mexikaner, die sich in Hollywood durchgesetzt haben. Das Programm finden Sie unter diesem Link: www.lodderbast.de

Von Andrea Tratner