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Lisa Fitz hasst Waffen aus tiefstem Herzen.

Lisa Fitz hasst Waffen aus tiefstem Herzen.
 © DEICHLICHT

Interview

Lisa Fitz: Waffen? „Hasse ich aus tiefstem Herzen“

Sie ist wohl das spitzzüngigste Wesen, das das deutschsprachige Kabarett zu bieten hat: Lisa Fitz (65) sagt, was sie denkt, sie liebt es zu streiten. Die NP sprach mit ihr über Politisches, ihr Programm und Persönliches.

Hannover.  

Frau Fitz, Sie haben an einer Gegen-Demo zur Münchner Sicherheitskonferenz wahrgenommen. Warum?

Ich bin manchmal selbst ganz erschrocken (lacht). Seit meinem 16. Lebensjahr bin ich überzeugte Pazifistin. Ich streite gern. Und ich hasse aus tiefstem Herzen alles, was mit Waffen zu tun hat – auch unseren Handel damit. Eigentlich hatte ich gar nicht richtig Zeit für die Kundgebung, am Tag davor und danach standen Gastspiele an. Meine Rede dort war ziemlich scharf und hat für Buhei gesorgt, der es bis nach Russland geschafft hat.

Was haben Sie Krachendes von sich gegeben?

Etwa, dass der IS eine Ausgeburt der USA ist. Und das ist nicht nur meine Meinung, es ist dreifach recherchiert und mehrfach belegt. Ich finde es wichtig, die Dinge beim Namen zu nennen. Das gilt auch für die Medien: Es braucht Menschen, die Mut haben, investigativ und gegen den Mainstream zu denken, zu schreiben und zu sprechen.

Setzen sich Menschen zu wenig mit den Belangen der Welt auseinander?

Bei dem, was man den ganzen Tag so um die Ohren bekommt, kann man ja auch oft nur die Krise kriegen. Manchmal ist es tatsächlich besser, „Ice Age“, Teil eins bis vier zu schauen, um Ab¬stand zu bekommen. Viele Menschen fragen sich in diesen Zeiten vielleicht: Was kann ich Wurm denn bewegen? Aber das stimmt nicht so ganz. Man darf es nicht auf die nächsten zwei Jahre ansetzen, sondern muss auch die Entwicklung der nächsten 20, 30, ja sogar 1200 Jahre in Betracht ziehen. In Zeiten der Inquisition hätte man mich als Hexe verbrannt. Heute nicht mehr. Das ist doch ein Fortschritt.

Kann Kabarett helfen?

Ja, natürlich. Es stärkt den Rücken. Im Gegensatz zum Internet: Da tummelt sich alles, jeder ist Experte, von ganz rechts bis ganz links. Es gibt eben auch viele Menschen, die sich nicht mit gesellschaftlichen und politischen Dingen befassen möchten. Frauen gehen shoppen, Männer gucken Fußball. Und für die Damen gilt: Wer nur „Frau mit Herz“ liest, bleibt Frau ohne Hirn. Klar denkt jeder, er hätte eine eigene Meinung, nur woher, wird oft vergessen.

Ihnen wird nachgesagt, Ihre politischen Ansätze seien revolutionär.

Das wäre mir neu. Gemessen woran (lacht)? Einige von uns wollen eben nicht nur systemimmanente Hofnarren sein. Leider macht der großartige Georg Schramm nicht mehr so viel, und Volker Pispers will auch kürzertreten. Sagen sie jedenfalls ...

Müsste es also noch mehr Leute von Ihrem Schlag geben?

Ich freue mich über jeden Kollegen, der Mut hat und frech ist. Vor allem über jede Kollegin: Wenn mehr Frauen darunter wären, die politisches Kabarett machen, nicht nur Comedy und über Cellulite und Männer reden. Wir sind doch die Einzigen, die absolute Meinungsfreiheit haben, das will genutzt werden. Kabarett muss in die Tiefe gehen, es geht darum, das Hirn zu kneten!

Ihr Bühnenprogramm heißt ja „Weltmeisterinnen“.

Darin geht es um fünf Figuren, alles Weltmeisterinnen, die ihre Sicht der Dinge auf ihre Weise beschreiben. Den Anfang macht Hilde, die Unterste in der Nahrungskette. Dann ist da die Journalistin Inge von Stein, ein rothaariges, gescheites Luder. Es folgen die russische Agentin Olga Geheimniskowa, die sich Gedanken um globale Geostrategien macht, und Gerda Wimmer, CSU-Abgeordnete. Zum Schluss kommt Lisa Fitz (lacht). Man wird alles verstehen können, auch im Hochdeutsch sprechenden Hannover!

Kennen Sie unsere Stadt?

An Hannover komme ich immer wieder mal vorbei. Gerhard Schröder kommt doch aus Hannover, oder? Ich habe ihn neulich 45 Minuten auf Phoenix gesehen: Es war so wohltuend, dass jemand so klar und deutlich seine Meinung sagt, selbst wenn man als Zuhörer vielleicht eine andere hat. Jedenfalls waren es keine hohlen Polit-Phrasen.

Ich kann nicht anders, muss Sie einfach fragen: Sind Sie mit Florian David Fitz verwandt?

(Lacht) Er ist mein Cousin zweiten Grades, unsere Väter sind Cousins, die Großväter Brüder. Wir stehen in gutem Kontakt, er ist ein sehr zuverlässiger Mensch. Nur muss er aufpassen, dass er sich nicht überarbeitet. Aus der Familie gehört er jedenfalls zu den drei, vier Leuten, die mir am liebsten sind. Er hat einen guten Humor, auch einen bösen.

Ach, erzählen Sie einfach weiter.

Mein Sohn Nepo und ich waren 1998 mit Florian David im Wohnmobil in den USA unterwegs, sind die Westküste entlanggegurkt. Das war toll, er hat für uns gekocht.

Lisa Fitz spielt ihr Programm „Weltmeisterinnen“ am 25. März um 20 Uhr im Pavillon. Tickets kosten zwischen 20,70 und 27,30 Euro.

Von Mirjana Cvjetkovic

Hannover