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KREATIVES DUO: Mit Tine Acke (35) gibt Udo Lindenberg den Bildband heraus. Die Fotografin und der Sänger sind ein Paar.

KREATIVES DUO: Mit Tine Acke (35) gibt Udo Lindenberg den Bildband heraus. Die Fotografin und der Sänger sind ein Paar.© Daniel Reinhardt

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NP-Interview

Lindenberg: „Rocker kennen keine Rente“

Er ist ein Gesamtkunstwerk. Musiker, Maler, für viele Meister. Udo Lindenberg (66) bekommt jetzt ein weiteres Denkmal gesetzt. Fotografin und Partnerin Tine Acke hat seine Tour begleitet und den Bildband „Ich mach mein Ding“ produziert. Ein Gespräch mit dem Porträtierten.

Hamburg. Die vergangenen Jahre waren ein Lindenberg-Feuerwerk. Musical, CD, Tournee, alles erfolgreich. Hat Sie das überrascht?
Ich wusste auch nicht genau, was kommt, und war ziemlich platt. Da wundert sich ja sogar ein Außerirdischer wie E.T. auf seine alten Tage. Ein Hammer. Eins nach dem anderen hat funktioniert, Beruf Rekordbrecher. Ich freu mich jeden Tag wie ein Kleinkind. Das ist alles geil.

Gab es irgendwas, was Sie besonders stolz gemacht hat?
Musical kannte ich noch nicht. Ich bin früher schreiend aus Musicals und vom Operettengejaule weggerannt. Dann haben wir ein bisschen gecheckt, was die so machen in Vegas, in New York, in London, und gemerkt: Geht ja auch in gründlich. Das auf die Bühne zu bringen, war eine Art Rausch. Wir sind im dritten Jahr, weil das mehr ist als ein Theaterstück mit meinem Sound. Die Songs dokumentieren auch Zeitgeschehen. Deutsch-deutsche Geschichte und was der Schwachmat Honecker da gemacht hat und dann die Mauer weg und Freudengejohle. Die letzte Tour war auch eine Offenbarung, ein Meisterwerk. Und jetzt das geniale Buch mit den Fotos, die Fotobibel.

Ihre Freundin Tine Acke hat tausende Bilder dafür gemacht. Nervt das nicht irgendwann? Sind Sie bei den Fotos eitel?
Ich bin aus Schokolade drum rum, nur Schokoladenseiten, eine Schokoladenfabrik! Da habe ich totales Vertrauen. Tine kennt mich richtig gut. Sie rennt unauffällig drum rum und fotografiert die Cello-Frau aus dem Schatten raus. Ich bin da am Zwitschern und Rumrennen, das kriege ich gar nicht mit. Sie hat das auch selbst zusammengestellt und weiß, was ankommt. Und es ist supergeil geworden. Gehört in jeden deutschen Haushalt.

Wie haben Sie das Buch gefeiert?
Champagner drübergekippt und dann vom Buch abgetrunken. Das sind goldene Zeiten.

Also keine Rente? In der neuen Single „Das Leben“ singen Sie ja auch „Ey, Amigo, schau nach vorn“.
Rocker kennen keine Rente, und das Leben muss man jeden Tag mit beiden Händen greifen. Keine Durchhängerei erlaubt. Nicht mit dem Job und nicht mit dem Leben. Ich mach ein bisschen Entdeckungstour. Erst mal umschauen, mit Schiffen unterwegs sein. So wie James Cook - mal gucken, wo der Südkontinent ist. Und die Südsee. Ich will immer dahin, wo keiner war, mit Kumpels. Und mit neuen Freunden wie Clueso und Jan Delay. Ich bin da echt privilegiert und ein Glückspilz. Das würde ich jedem wünschen.

Sie haben jetzt auch eine Wohnung in Berlin am Potsdamer Platz zum Feiern mit „Freunden und Indianern“. Wie wird man Ihr Freund oder Indianer?
Das wird man nicht, das ist man schon. Aus irgendwelchen Gründen sind die Planeten nur bisher aneinander vorbeigerast. Ich habe einen echt ziemlich großen Freundeskreis, der ständig erweitert wird. Gibt auch immer eine kleine Fluktuation, aber die meisten sind immer da. Ich hab ja keine Familie im normalen Sinn, statt Familie habe ich meine Indianer. Ich mach Chilli con Carne, Chillen und Party, da oben in meinem Spaceship im Hochhaus in Berlin. Das ist gesetzesfreier Raum.

Aber Hamburg bleibt Panikzentrale?
Ich lebe in beiden Städten gern. Ich liebe Berlin wirklich sehr, und in Hamburg habe ich eine sehr gute Connection. Und die Reeperbahn. Das geht gut an da und Berlin gut ab.

Haben Sie in dem Buch Ihrer Freundin ein Lieblingsbild?
Ich finde die Entstehungsgeschichte von einem Foto geil. Da hing Tine an der Hallendecke und ich dachte, hoffentlich stürzt die da nicht runter. Sonst hätte ich meinen Hut abgenommen und sie aufgefangen. Auf dem Bild liegt der Kinderchor auf dem Laufsteg, und da ist Nebel, dazwischen dieser Sänger. Sieht alles sehr geheimnisvoll, fast unwirklich aus. Dann gibt es intimere Bilder, aber auch ganz andere mit der Panikfamilie. Darauf sieht man die Energie und auch die Harmonie bei uns. Da war alles tiefenentspannt auf der Tour, ich hatte auch keine dramaturgischen Schreianfälle und nichts. Ich bin ja von der geschmeidigen Sorte.

Und, Frau Acke und Sie? Inzwischen sprechen Sie offiziell von „Liebe“. Irgendwann doch noch Hochzeit?
Nee, das gibt es bei mir nicht. Ich brauche keine Beamten, die einen Stempel auf meine Feelings knallen. Wenn, dann wirds eine Vogelhochzeit in einem Baumhaus. Und so Zwerge gibt es auch nicht. Oder es gibt sie schon und es wird nicht bekanntgegeben. Aber meine Kinder hätten es auch oft schwer, weil dann alle wollen, dass die wie Papa werden. Es gibt so viele Kinder, die Hilfe brauchen, da kann man dann eine Patenschaft übernehmen. Das hat doch mehr Sinn.

„Ich mach mein Ding - der Bildband zur Tour“. Von Udo Lindenberg und Tine Acke. 308 Seiten, rund 500 farbige Abbildungen, 49,95 Euro. Schwarzkopf-& -Schwarzkopf-Verlag. Ab 15. Oktober erhältlich.


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