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DAS MÄDCHEN AUS HANNOVER: Lena Meyer-Landrut schreibt jetzt selber Songs, ganz ohne Mentor Stefan Raab ging es aber doch nicht.

DAS MÄDCHEN AUS HANNOVER:
Lena Meyer-Landrut schreibt jetzt
selber Songs, ganz ohne Men
tor Stefan Raab ging es aber
doch nicht.

Musik

Lena ist mit neuem Album zurück

Kometenhafter Aufstieg, Sieg des Eurovision Song Contests. Alles nochmal, dann plötzlich wurde es still um sie. Lena Meyer-Landrut (21) war nicht mehr Liebling der Nation. Mit ihrem dritten Album „Stardust“ fängt sie nochmal von vorn an.Ein Interview mit der Sängerin und eine Plattenkritik über ihr neues Album.

Berlin. Es gibt Songs, die von Ihrem Freund handeln. Der war früher Staatsgeheimnis. Wie kommt der Sinneswandel?

Es ist für mich einfacher zu sagen, ,Ja, ich habe einen Freund, es ist alles cool, es geht mir gut’, anstatt aus allem ein großes Geheimnis zu machen. Wenn ich alles top secret mache und keiner etwas wissen darf, ist das Interesse noch viel größer. Es gilt ja auch immer noch, dass ich niemals ein Kamerateam zu mir nach Hause lassen oder Inhalte aus der Beziehung öffentlich machen würde. Oder wer mein Freund überhaupt ist. Oder was wir machen. Ich verrate mit meinen Songs ja nicht zu viel über die Privatperson, die ,mein Freund’ ist.

Sie haben sehr viel selbst geschrieben. Wie kam das?

Ich habe es ausprobiert, um mal zu schauen, wie es läuft. Und eigentlich lief es gut. „ASAP“ war der erste Song. Den habe ich mit Miss Li zusammen geschrieben, und es war deswegen recht einfach. Wir hatten eine gute Basis, eine freundschaftliche Verbindung. Es war nicht verkrampft.

Texten Sie auf Deutsch oder Englisch?

Manchmal hat man schon eine Melodie im Kopf, dann ist es einfacher, sich auf Deutsch etwas zu überlegen und dann zu übersetzen. Manchmal hat man schon ein paar Zeilen im Kopf, die man gerne verwenden möchte. Als ich mit Johnny von Snow Patrol zusammensaß, haben wir eh die ganze Zeit auf Englisch gesprochen, da kam es gar nicht in Frage, auf Deutsch zu überlegen. Man kann den Prozess bei mir nicht verallgemeinern. Ich schreibe auch nicht immer zuerst Texte, die ich dann ,melodiöse’, sondern es kommt einfach.

In „Mr. Arrow Key“ geht es um die Suche nach jemandem, der Ihnen sagt, was Sie tun sollen. Haben Sie das gefunden, Ihren Freund zum Beispiel?

Eigentlich soll es gar kein Mensch sein. Die Idee war, dass es da etwas gibt, was mir in verschiedenen Situationen den Weg weist. Das ist etwas, was ich mir wünschen würde, was es aber nicht gibt. Etwas, das nur für mich da ist.

Im Internet regen sich viele auf. Weil Sie mal unhöflich zu Frank Elstner waren, und zu Rapper Casper. „Schnippische Schabracke“ steht da zum Beispiel. Trifft Sie das?

Für alles, was man tut, bekommt man gute und schlechte Reaktionen. Diese Anfangssituation war einfach eine Ausnahme - dass alle mich gut fanden. Das passiert sonst nie. Jeder Künstler, der in der Öffentlichkeit steht, hat Leute, die ihn doof finden, die ihn cool finden, deren Job es sogar ist, ihn nicht zu verstehen. Man darf sich davon einfach nicht zu sehr beeinflussen lassen. Ich finde auch, dass Frank Elstner ein total toller Mann ist, ich war an dem Tag abgekämpft. Klar sollte man sich einem Menschen gegenüber mehr zusammenreißen, der eine Respektsperson für einen ist. Ich hatte einfach keinen guten Tag. Auch mit Casper. Wir haben uns später bei einem Konzert zufällig getroffen und Zeit verbracht. Ich bin zu wenig zickig oder arrogant, als dass ich mir Kritik nicht zu Herzen nehmen kann.

Wären Sie manchmal gern unbekannt?

Ich feiere nicht viel und bin auch sonst ganz anständig. Ich häng jetzt nicht kiffend im Park rum, das mache ich nicht. Also brauche ich da keine Angst vor Geschichten zu haben. Und wenn ich normal unterwegs bin, dann sprechen mich eben Leute an, manche wollen Fotos machen. Das gehört dazu. Manchmal ist es anstrengend, wenn ich mit Freunden oder meiner Mutter unterwegs bin und man einen entspannten Tag haben will. Man fühlt sich irgendwie gestört, denkt, ,Ey, wir essen doch gerade’. Aber in der nächsten Sekunde denke ich dann: ,Halt! Da findet dich jemand gut, das ist gerade ein Kompliment’. Letztlich freue ich mich, über jeden, der zu mir kommt. Es ist schwierig, immer für alle Leute die lustige, schimmernde Lena zu sein. Ich finde, dass man mir das nicht so übel nehmen sollte, wenn ich mal nicht so geil drauf bin.

In der Pressemitteilung zu „Stardust“ ist von Ihrem ersten eigenen Album die Rede. Bedeuten Ihnen die ersten beiden damit nichts mehr?

Nein, auf gar keinen Fall, nein, nein, nein. Ich hätte nichts machen müssen, es war alles perfekt, wie es war, ich hätte das allein niiiemals so geschafft. Das mit Universal, Brainpool, Stefan Raab war perfekt, weil mir auch viel Entscheidungen - zu meinen Gunsten - abgenommen wurden. Ich war so unerfahren und so frisch dabei. Ich habe zwei Jahre mitgemacht. Jetzt war ich an dem Punkt, es selbst ausprobieren zu wollen: das Cover ausgesucht und mitgestaltet, Texte geschrieben, produziert, alles. Das ist viel Arbeit gewesen. Aber gut.

Stefan Raab fehlt beim neuen Album. Sind Sie noch in Kontakt?

Bevor das ganze Gedöns losgegangen ist, habe ich mich mit ihm getroffen, ihm das alles vorgespielt. Das war mir auch wichtig. Niemand muss sich Sorgen machen, wir sind immer noch ein Paar (lacht).

Mit Ihrem persönlichen Input - haben Sie mehr Angst vor einem Flop?

Ja. Ich glaube, das liegt aber auch daran, dass ich so viel Zeit dafür aufgewendet habe und merkte, wie aufwendig und wie kraftintensiv so eine Produktion ist. Und wie schwierig es ist, erfolgreich zu sein. Vorher konnte ich das gar nicht richtig fassen, es ist einfach passiert. Man war Nummer eins, ich habe Preise ohne Ende gekriegt, die Platten haben sich verkauft. Ich wusste, das ist nicht selbstverständlich, aber ich konnte es nicht so schätzen, wie ich es jetzt kann. Wenn ich mir heute die Preise angucke, dann denke ich: ,Boah, krass, ne?’. Ich glaube, wenn ich jetzt einen Echo bekäme, ich würde einmal komplett ausrasten, in Ohnmacht fallen, einen Tobsuchtsanfall bekommen, Hyperventilation und alles gleichzeitig. Weil ich merke, dass der Erfolg normalerweise nicht so einfach kommt.

Und, Hannover? Noch Gefühle für die Heimat?

Ich vermisse Hannover. Ich bin zwar nicht mehr so oft da, das hat aber nichts mit der Stadt zu tun. Ich wohne jetzt in Köln, fühle mich da wohl und habe da eine Wohnung. In Hannover besuche ich meine Mutter, aber sonst bin ich inzwischen eher selten da. Ich finde, Hannover ist eine der schönsten Städte überhaupt, ich... (Managerin lacht kurz) Nein, wirklich! Ich liebe Hannover. Was lachste denn? Ich fühle mich in Köln sehr wohl. Aber Hannover ist die Perle.

Vom Satelliten zum Sternenstaub: Lenas schlitternder Pop-Swing ist wieder da

Lena singt vom Sternenstaub (das taten vor ihr schon Nat King Cole und Joni Mitchell), singt davon, von der Klippe zu springen, nach dem Mond zu greifen, jeden Tag auszuleben. Jippiiie! Das schwierige dritte Album namens „Stardust“ (Universal) ist der Eurovisionssiegerin federleicht geraten, ist eins von Vorwärtsdrang, Freiheit und Lebensfreude. Lena schmeißt eine Runde Songs (an neun des Dutzends hat sie mitgeschrieben), die eins gemeinsam haben. Nach zwei, drei Hördurchgängen können sie sogar die Spatzen vom Dach pfeifen.

Also alles neu? Im Gegenteil: Lena liefert unter Produzenten wie Swen Meyer (Tomte, Kettcar), was die Fans vermisst haben. Nach der Eröffnung mit „Stardust“, einer Pop- Hymne, die an die kinderliedhaften Klangkathedralen von Enya erinnert, ist er mit „Mr. Arrow Key“ in Varianten wieder da, der muntere, trunkene, schlitternde Lena-Swing, in dessen erste Ausprägung „Satellite“ sich Millionen europaweit verliebten. Mit Bläsern, trautem Glockenspiel und funkelnder Gitarre werden wir da eingelullt, beim folgenden „Pink Elephant“ gibts Fingerschnippen, trockenen Bass und die exaltierte Kate-Nash-Gedächtnis-Stimme, danach „Neon“ mit Cello, Akustikgitarre und wavigem Zungenschlag und gegen Ende den mit Schwedens Miss Li komponierten und gesungenen Twist „ASAP“. Unterbrochen wird die flotte Lena-Sause nur gelegentlich von Balladen. Die sind dann auch echt pittoresk, wie das britpoppige „Day to Stay“ beweist (Lenas Französisch erinnert an das Paul McCartneys bei „Michelle“). Kein Raab mehr, keine Fittiche, Lena ist Nestflüchterin, popflügge geworden. Passt gut. Denn wir Hörer haben inzwischen genug vom Genug-von-Lena-Haben.