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Menschen

Lara Lato: Musik gibt den Ton an

Es ist etwas ungewöhnlich, wie Sängerin Laura Diederich (23) zur Musik kam. Mit zwölf Jahren hatte sie eine Stimmbandentzündung. Was für die meisten Musiker das Aus bedeutet, markierte für die heute 23-Jährige den Beginn einer Leidenschaft.

Hannover. „Meine Logopädin meinte, dass ich es doch mal mit Singen versuchen sollte. Musikalisch war ich damals schon, ich konnte bereits Klavier spielen.“

Heute hat sich die Hannoveranerin sogar einen Künstlernamen zugelegt: Lara Lato. An das junge Mädchen, das Wettbewerbe gewann und 2012 seine erste Platte mit englischsprachigen Liedern herausbrachte, erinnert nicht mehr viel. „Der neue Name ist auch ein Neuanfang.“ Sie hat das Platten-Label gewechselt und macht alles anders – mit neuem Namen, mit neuer Sprache. „Bei der Produktion der letzten Platte war ich nicht bei allem dabei. Jetzt will ich jeden einzelnen Schritt miterleben“, sagt sie.

Sechs Männer unterstützen Laura Lato bei ihrem Traum von der Musikkarriere – an Schlagzeug, Gitarre, Bass, Klavier und in der Produktion. Seit knapp einem Jahr arbeitet sie am neuen, deutschsprachigen Album. Etwas beängstigend, findet die Musikerin. „Wenn du in deiner Muttersprache singst, dann verstehen dich eben die Leute auch. Aber ich genieße das, meine Musik berührt die Menschen. Und ich merke, dass ich mit der eigenen Sprache mehr Freiheiten habe.“ Dennoch: „Trotzdem fühle ich mich beim Singen auf Deutsch nackig. Man gibt sein Inneres preis.“

Etwas nackig fühlte sie sich auch im vergangenen Sommer bei der Wahl zur Miss Neue Presse beim NP-Rendezvous im Stadtpark. „Im Badenanzug über die Bühne zu laufen, das war sehr komisch“, erinnert sie sich, „ganz besonders, wenn alle anderen Mädchen so viel dünner sind als man selbst. Aber es hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben.“ Sie wurde Dritte bei der Wahl: „Das war eine riesige An­erkennung. Das stärkt mich bis heute.“

Der Wechsel vom Ge­burtsnamen zum Künstlernamen war für die Sängerin ein langer Prozess. Jetzt ist sie aber glücklich über die Wahl. „Mein richtiger Name ist zu sperrig, und andauernd schreiben Leute ihn falsch“, scherzt sie, „Lato bedeutet auf Polnisch Sommer – der Nachname meiner Oma.“ Persönlich ist nicht nur der Name, sondern sind auch die Songs auf dem Album, das im September erscheinen soll. „Als die Produzenten und das Team feststanden, haben wir einen Probesong aufgenommen. Es war unglaublich, denn auch der wird auf dem Album sein. Daran merkt man, dass es einfach passt“, hat sie festgestellt. Die Songs schreibt sie mal alleine, mal im Team: „Das ist ein Prozess. Wir wollen klassische Pop-Musik machen, internationalen Sound mit deutschem Text. Meine Musik ist ehrlich und emotional, aber ich will keine typische Singer-Songwriterin sein.“

Selbst ist die Sängerin: Lato organisiert sich ohne Management. Sie plant Auftritte und betreibt Promotion und ihre sozialen Netzwerke. Ein Vollzeitjob, von dem sie noch nicht leben kann. „Meine Familie steht total hinter mir. Das ist mir sehr wichtig“, so die 23-Jährige. Auch ihr Team steht zu ihr. „Reiner Kallas Hubert ist gerade als Schlagzeuger mit Mark Forster (33) auf Tour. „Er hat aber seine freien Tage genutzt, um für mein Album die Drums einzuspielen – fantastisch.“

Das schönste Ereignis wird aber noch kommen: der Musikvideo-Dreh für die erste Single, die im Mai erscheinen wird – eine Art Familienprojekt: „Ich fliege für den Dreh im März nach San Francisco. Dort wohnt meine Schwester, die professionelle Hochzeitsfilme macht und vor Jahren ausgewandert ist. Jetzt drehen wir gemeinsam mein Musikvideo.“ Vanessa (34) und ihre kleine Schwester haben sich seit mehr als zwei Jahren nicht gesehen – es wird also auch eine private Reise. Das Lied für das Video ist noch nicht entscheiden – in jedem Song steckt Herzblut von Laura Lato. Die Entscheidung fällt schwer. Selbstzweifel hat die junge Frau aber immer mal wieder. Sie musste schon einige Rückschläge einstecken, nicht gehaltene Versprechen erleben. „Manchmal frage ich mich: Bin ich wirklich gut genug? Und das, obwohl ich Musik liebe“, gesteht sie. Dafür hat sie sich starke Vorbilder gesucht: „Beyoncé ist die Königin der starken Frauen.“ Aber auch Lorde (21), Lana del Rey (32) und Lady Gaga (31) bewundert sie. Sängerinnen, die groß und stark sind. „Ich bin aber nicht der typische Fan, der vor einer Konzerthalle zeltet oder für ein Autogramm ansteht.“ Wer weiß: Vielleicht stehen ja schon bald Fans bei Laura Lato Schlange, um ein Autogramm zu bekommen.

Karina Hörmann