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Oscar-Preisträgerin Halle Berry ertrug die Drei-Stunden-Show ungerührt, Markus Lanz (links) wurde von Atze Schröder unterstützt – der Cindy aus Marzahn vertrat.

Oscar-Preisträgerin Halle Berry ertrug die Drei-Stunden-Show ungerührt, Markus Lanz (links) wurde von Atze Schröder unterstützt – der Cindy aus Marzahn vertrat.© ZDF

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"Wetten, dass..?"

Lanz schön peinlich: "Wow! Wow! Wuhuu!"

Erst einmal darf ein anderer ran. Robbie Williams stimmt „Let Me Entertain You“ an, dann präsentiert er den Gastgeber Markus Lanz, der sich ans Klavier schwingt und mit dem Briten losmacht. Um anschließend herrlich naiv vom Applaus des Publikums in Bremen überwältigt nur noch „Wow! Wow! Wuhuuu! Eyyy!“ herauszubekommen. Ja, es ist noch aufregend für den Lanz.

Bremen. Die Gäste an diesem Sonnabend sind hochkarätig. Die Oscar-Gewinner Halle Berry und Tom Hanks bewerben ihren neuen Film „Cloud Atlas“. Beth Ditto und ihre Band Gossip die neue Single „Move In The Right Direction“, Jutta Speidel hat einen neuen Film, Barbara Schöneberger immerhin bald ein neues Kind. Dazwischen: Lanz. Stets bemüht, die große Runde irgendwie zu moderieren.

Die Promi-Auswahl und die Wetten retten Lanz. Wenn sich ein 13-Jähriger einen Pömpel auf den Bauch drückt, um damit ein Auto zu ziehen, hat das den Absurditätsfaktor, der die Wundertüte „Wetten, dass..?“ unterhaltsam macht. Oder wenn ein Kandidat Geiger David Garrett fast das Gesicht zertrümmert, als er Decken mit einem Jojo vom Tisch zieht.

Trotzdem läuft die Sendung nicht rund, und das Problem heißt Lanz. Er verzettelt sich, er wirkt steif und bemüht. Er versucht, Hanks und Berry Rainer Brüderle zu erklären, um dann zu merken, dass das Unsinn ist. Es ist zum Fremdschämen, wenn er bei der „Lanz Challenge“ sackhüpft und seinen Promi-Gästen Masken aufsetzt, um sie als Parcours aus Bremer Stadtmusikanten aufzustellen.

„Wenn das nicht Hochqualitätsfernsehen ist“, lästerte Hanks gestern im Radiosender RBB-Radio Berlin. Er sei immer noch irritiert, obwohl Hanks nicht zum ersten Mal Wettpate war: „Ich habe die Show damals nicht verstanden, und ich verstehe sie heute noch weniger.“ Zumal es auch an der Übersetzung haperte. „Ich war völlig durcheinander“.

In den USA, sagte Hanks, wäre jeder Verantwortliche einer solchen vierstündigen Fernsehshow „am nächsten Tag gefeuert“ worden. Nie zuvor habe er sich gewünscht, dass etwas schneller vorbei gehe als der US-Wahlkampf.

Wenigstens er blieb souverän: Atze Schröder als Ko-Moderator vertrat Cindy aus Marzahn, die offenbar wirklich die Co-Moderatorin machen soll. Offiziell fehlte sie wegen Rückenproblemen. „Bild am Sonntag“ will jedoch wissen, dass RTL den Auftritt verboten hat - zeitgleich lief auf dem Privatsender nämlich Cindys eigene Show. Immerhin: 10,74 Millionen Zuschauern schalteten ein, knapp drei Millionen weniger als bei der sicher von Neugierde befeuerten Premiere. Gottschalk hatte die Zehn-Millionen-Marke seit 2008 nur viermal durchbrochen.