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ER KENNT DIE STERNEKÜCHE: Karsten Fricke hat in Häusern mit Michelin-Auszeichnungen gearbeitet.

ER KENNT DIE STERNEKÜCHE: Karsten Fricke hat in Häusern mit Michelin-Auszeichnungen gearbeitet.
© Florian Petrow

Top-Koch

Küchenchef im Landtag: Karsten Fricke übernimmt „Zeit für...“

Neue Zeiten im „Zeit für ...“, dem Restaurant am Landtag: Karsten Fricke (30), der zuvor im Drei-Sterne-Restaurant „La Vie“ in Osnabrück kochte, ist seit dieser Woche Küchenchef. Er übernahm von Sternekoch Markus Semmler (51), der das Konzept entwickelt hat. Der NP verriet Fricke seine Pläne – und warum er keine Lust mehr hat auf Kaviarperlen.

Hannover. Von Hannover kennt er bisher die Markthalle, den Weg zu seinem Wohnsitz in Bad Münder und den Landtag. Seit Montag ist Karsten Fricke (30) der Küchenchef im „Zeit für ...“, dem neuen Restaurant am Landtag. Sein erster Posten als erster Mann in der Küche und sein erstes Lokal ohne Michelin-Stern seit langem. In sechs Häusern mit ein bis drei der höchsten gastronomischen Auszeichnungen war der Topkoch tätig – zuletzt im legendären „La Vie“ von Thomas Bühner (55) in Osnabrück.

„Ich will das kochen, was ich auch gerne esse“

Kocht er nun Schnitzel mit Bratkartoffeln statt Reh mit Rotkohlgel? „Ich bin jemand, der neue Herausforderungen braucht“, sagt der geborene Potsdamer, der von der hochambitionierten, extrem aufwändigen Sterneküche erstmal genug hat. „Ich will für eine Vorspeise nicht mehr Kaviarperlen auf 20 Crème-fraîche-Punkten verteilen. Ich will das kochen, was ich auch gerne esse – ganz ohne Chichi.“ Und genau das kann er im „Zeit für ...“, das die Cellerar, ein Tochterunternehmen der Klosterkammer Hannover, betreibt.

Seit November ist das Lokal von montags bis freitags bereits von elf bis 17 Uhr geöffnet, Mittagstisch für jedermann gibt es von zwölf bis 15 Uhr. Spätestens Ende Februar soll auch die Abendkarte fertig sein, an der Fricke und sein Team aktuell arbeiten. So richtig hat sich die Existenz des Restaurants noch nicht in Hannover herumgesprochen, was sich ändern wird, wenn große Schilder an der Fassade und dem Panoramafenster zum Fluss angebracht werden – und im Frühling die Terrasse an der Leine aufgebaut wird.

Das neue „Wohnzimmer von Hannover“

Denn das „Zeit für ...“ soll für alle da sein, nicht nur für die Parlamentarier, die sich mittags gerne Schnitzel vom Strohschwein mit Bratkartoffeln für 8,90 Euro oder ein Drei-Gänge-Menü für 19,50 Euro schmecken lassen. „Wir wollen das Wohnzimmer von Hannover werden“, kündigt Fricke an. Modern, aber leger will sich das Lokal, das Edeleinrichter Anand Steinhoff (47) ausgestattet hat, präsentieren. „Das Team wird nicht Schlips und Kragen, sondern Polohemd, Jeans und Schürze tragen“, sagt Fricke, „die Leute sollen bei uns Spaß haben und gutes Essen für einen guten Preis bekommen.“ Am Abend werden Gäste Menüs speisen oder à la Carte ordern. Drei Gänge sollen um die 50 Euro kosten, fünf Gänge etwa 78 Euro. Handwerklich gute Küche, die auch optisch etwas hermacht und die man woanders nicht bekommt, will der neue Küchenchef bieten – etwa asiatische Rinderbacke oder Dorade mit Ratatouille und Espresso-Polenta.

Sterne-Profi Markus Semmler ist Berater

Ganz allein musste Karsten Fricke das Konzept übrigens nicht erstellen, ein anderer Starkoch hatte schon Vorarbeit geleistet: Markus Semmler (51) aus Berlin, ein Mann, der in der Gastroszene alles erlebt hat, was möglich ist. In den 90ern stieg er zum Helden am Herd auf, bewirtete in seinen Restaurants Könige, Staatspräsidenten, Stars wie Robert De Niro (74) und Angelina Jolie (42), bekam einen Michelin-Stern – und ging dennoch pleite. Sein Partner habe ihn damals betrogen, erzählt Semmler, er habe ihm naiv vertraut. Eine knappe Million Euro habe er seinen Gläubigern geschuldet, Semmler ackerte, schlug sich mit Jobs und Catering durch. „Ich habe alles zurückgezahlt“, sagt der Mann, über dessen Lokal „Markus Semmler – das Restaurant“ in Berlin heute wieder ein Stern strahlt.

In Hannover ist Semmler als „stiller Berater“ engagiert. Unterstützung, die Karsten Fricke freut. „Es ist angenehm, sich mit einem Profi austauschen zu können.“ Das Zepter wurde nun an den 30-Jährigen übergeben, der in dem Restaurant am Landtag viel vor hat. Die Zeit für den neuen Küchenchef ist gekommen.

Das sind Frickes Sterne-Stationen:

.Fricke macht eine Kochlehre in der gutbürgerlichen Bäkemühle, danach geht es für den jungen Koch in die Sterne-Gastronomie: Fricke arbeitete im Mandarin Oriental in München (ein Michelin-Stern), in der Alten Meierei in Glücksburg (zwei Sterne), macht 2010 seinen Küchenmeister in Husum. Weitere Stationen: das Bülow-Palais Dresden (ein Stern), das Restaurant Überfahrt am Tegernsee (zwei Sterne), Burg Schwarzenstein in Geisenheim (ein Stern), schließlich Sous-Chef im La Vie in Osnabrück (drei Sterne). Seit Januar lebt der neue „Zeit für ...“-Küchenchef mit seiner Frau und der vier Monate alten Tochter in Bad Münder.

Von Julia Braun


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