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Mensch-Hannover Krimiautorin entdeckt Hannover neu
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00:16 19.04.2013
HANNOVER-KENNERIN: Cornelia Kuhnert sitzt vor der Graffiti-Wand an der Glocksee – Kapitel 68. Hier darf gesprüht werden! „Die Motive von damals sind alle schon weg!“ Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Cornelia Kuhnert (56) räumt mit einem Vorurteil auf: „Der vergangene Sommer war nicht so schlimm.“ Jedes Wochenende war sie mit ihrem Mann, dem Architekten und Fotografen Günter Krüger (63), unterwegs auf der Suche nach Motiven für die „111 Orte“. „Es gab nur einmal einen Platzregen, als wir an den Wülfeler Teichen standen“, erinnert sie sich. 150 Kilometer auf dem Rad kamen leicht zusammen, denn Start war immer daheim in Isernhagen. „Ich war wirklich fit ...“, sagt die Krimiautorin mit einem Seufzen.

Warum mit dem Rad? „Weil man auf dem Weg von A nach B auch noch C und D entdeckt.“ Das merkt man dem 240 Seiten starken Buch auch an. Es zeigt Hannover jenseits der ausgetrampelten Touristen-Pfade: Das „Hundeloch“ im Von-Alten-Garten, das „Flaschenpostamt“ an der Königsworther Brücke, das „Paradies“ im Herzen des Berggartens. Jeder Text steckt voll mit historischen Details und liebevollen Querverweisen. „Meine Sichtweise auf die Stadt hat sich durch die Recherche verändert“, hat Kuhnert festgestellt. Sie gehe jetzt mit offenerem Blick durch Hannover. Das verwilderte Eisenbahngleis in der Rampenstraße zum Beispiel sei ihr früher nie aufgefallen: „Dabei habe ich zweimal in Linden in WGs gewohnt!“ Bei 300 Ideen für das Buch habe sie „die Liste dicht gemacht. Die Auswahl war ein Dilemma“, sagt sie. Tatsächlich habe man anfangs im Kölner Verlag Zweifel gehabt, dass man für Hannover überhaupt 111 Orte finden könne ...

Und ein aktueller Kriminalfall hat es in das Buch der Krimiautorin auch geschafft: Kapitel 16 ist den Brezelmännern an der Bahlsen-Fassade gewidmet. Den gestohlenen Keks und die Erpresserbriefe des Krümelmonsters hat Kuhnert „auf den letzten Metern“ noch in den Text aufgenommen. Die Realität schreibt manchmal die besten Geschichten, das weiß sie aus eigener Erfahrung. 1984 zog sie für die Grünen in den Burgdorfer Stadtrat ein. „Ich wurde damals beschimpft, weil ich mein Baby manchmal zu Sitzungen mitgenommen habe“, sagt sie. Zusammen mit einer Parteikollegin habe sie erst mal Alkohol und Zigaretten aus den Gremien verbannt. „Das war ein Aufschrei!“ Bauausschuss-Themen wie die Bebauung in zweiter Reihe oder Grundstücksverkäufe habe sie in ihren ersten Krimi einfließen lassen. „Der Weg von der Stadträtin zur Krimiautorin ist kurz“, sagt sie mit verschmitztem Lachen.

Gerade hat sie die Arbeit an einer Anthologie von Weihnachtskurzkrimis abgeschlossen. Um neun Uhr sitze sie am Schreibtisch - „am liebsten bei Regen oder schlechtem Wetter. Der lange Winter war prima!“ Im Sommer lasse sie fertige Kurzgeschichten gern ein bisschen liegen und feile später daran. „Das ist wie Hefeteig. So ein Text muss ein bisschen gären.“

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