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Mensch-Hannover Karsten Bettin: Sein Kwiggle saust durch Hannover
Menschen Mensch-Hannover Karsten Bettin: Sein Kwiggle saust durch Hannover
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17:03 28.05.2018
Carsten Bettin und NP-Redakteurin Maike Jacobs auf dem Kwiggle. Quelle: Wilde

Es war eines dieser legendären Duelle zwischen Jan Ullrich und Lance Armstrong Anfang der 2000er Jahre – zu einer Zeit, in der die Zuschauer bei Radrennen noch nicht an Doping dachten. Da stieg Armstrong bei einer entscheidenden Etappe am Berg aus dem Sattel und fuhr dem deutschen Topstar scheinbar mühelos im Stehen davon. „Ich habe das damals im Fernsehen gesehen und war fasziniert“, erinnert sich Karsten Bettin, der selbst seit seiner Jugend begeisterter Radfahrer ist. „Ich habe mich gefragt, warum sich Ullrich so schwer tat. Danach habe ich erstmal auch trainiert, im Stehen Rad zu fahren.“

Der Schritt, ein Fahrrad zu konzipieren, dass die Vorteile dieser Haltung nutzt, sich aber leichter im Stehen fahren lässt, war für den studierten Maschinenbauer nicht weit. Dabei verband der 53-Jährige zwei Grundideen: Das nahezu aufrechte Treten und die Möglichkeit, das Rad auf ein winzigen Maß zu falten. „Wir brauchen neue Konzepte für die Mobilität. Wir brauchen dafür extrem angepasste und praktikable Bewegungsmöglichkeiten“, findet Bettin.

Der Hannoveraner wollte ein Rad bauen, das ins Handgepäck passt, das im ICE problemlos unter dem Sitz geschoben werden kann, dass sich in Sekunden auseinander falten, sich wie ein Trolley hinterher ziehen lassen kann – und trotzdem in Sachen Fahrverhalten und Geschwindigkeit einen Zugewinn bietet. „Mit dem Kwiggle kann man problemlos 40 Stundenkilometer fahren“, sagt Bettin. „Auch lange Strecken sind kein Problem, vor kurzem bin ich an einem Tag mehr als 200 Kilometer gefahren und war nicht angestrengt!“

Die völlig andere, durch die aufrechte Haltung rückenschonende Sitzweise sorgt dafür, dass man auf diesem Fahrrad nicht so schnell ermüdet. Auch Nacken- und Schulterverspannungen werden vermieden. „Beim aufrechten Fahren stützt man sich außerdem auch nicht mit den Händen ab, die Handgelenke werden entlastet.“

Trotzdem ist erstaunlich, wie leicht und schnell man mit dem Kwiggle fahren kann. Das liegt an der Übersetzung, die sich Bettin hat patentieren lassen. „Mit einer Umdrehung kommt man so weit wie mit einem normalen Rad“. Was dieses 3-Gang-Rad aber wirklich besonders macht, ist der schwenkbare Sattel. Das ist zwar im ersten Moment etwas ungewöhnlich, aber schon nach wenigen Metern sehr angenehm. „Beim durchgestrecktem Bein muss sich der Sattel etwas zur Seite bewegen, damit das Bein genug Platz hat. Gleichzeitig stützt der Sattel so die andere Seite der Hüfte und die Beweglichkeit des Rückens wird gefördert“, erklärt Bettin.

Das aufrechte Fahren sorgt für eine besonders gute Straßenübersicht, durch die kleinen 12-Zoll-Räder und den kurzen Radstand ist das Kwiggle außerdem extrem wendig. Und es ist ein Rad für die ganze Familie: Egal wie groß oder klein man ist, das Rad kann ganz schnell auf das individuelle Maß zwischen 1,35 und 1,95 Metern angepasst werden – und lässt sich trotzdem auf das gleiche Maß zusammenfalten. „Falträder werden normalerweise eher als Zweiträder genutzt – das Kwiggle aber soll das normale Rad ersetzen und bietet zusätzlich die Faltmöglichkeit“, formuliert Bettin seinen Anspruch.

Der Ingenieur ist Perfektionist durch und durch. Fast zehn Jahre hat der Erfinder daran gearbeitet, zunächst noch parallel zu seinem Job als Leiter eines Vertriebsbereiches von Enercity, seit 2015 konzentriert er sich voll auf seine Kwiggles: „Das war ein langer Weg, jetzt müssten eigentlich alle begeistert sein“, lacht der Erfinder. Sein Kwiggle sei das kompakteste Faltrad der Welt, das sich auf ein Maß von 55 mal 40 mal 25 Zentimeter falten lässt – und damit rund 40 Prozent kleiner geklappt werden kann, als die bekannten Marktführer unter diesen Rädern. Gebaut wird das zirka neun Kilo schwere Rad in Deutschland, den Rahmen stellt ein italienischer Rahmenbauer her.

www.kwiggle-bike.de

Von Maike Jacobs

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