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IMMER GUT DRAUF: Karlo Ly liebt Hannover. Von seiner Dachwohnung in der Altstadt aus hat der Gastronom den perfekten Überblick.© Behrens

Porträt

Karlo Ly ist Chef des "Kilimanjaro"

Karlo Ly (36), der Chef des afrikanischen Restaurants „Kilimanjaro“ in der Altstadt, ist eine echte Frohnatur. Das bedeutet aber nicht, dass ihm nicht auch ernste Themen wichtig sind. Mit der NP sprach er über die afrikanische Gemeinschaft in Hannover, seine Anfänge als Gastronom und seine Pläne für die Zukunft.

„Im Grunde meines Herzens bin ich eine schwarze Kartoffel. Eine Mischung aus afrikanischem Herz und deutschem Kopf. Diese Kartoffelsorte schmeckt übrigens sehr gut“, sagt Karlo Ly (36), während er im Garten seines Restaurants „Kilimanjaro“ (Knochenhauerstraße 23) mitten in der Altstadt sitzt und lacht.

Der Mann aus dem Senegal betreibt sein Lokal, das er mit seinem Freund Arne Buß eröffnet hat, seit 2013, offensichtlich erfolgreich: „Nächstes Jahr machen wir den nächsten Laden auf. In Linden!“ An der Falkenstraße, wo momentan noch die „Trattoria Da Giorgia2 liegt. Dass es nach Linden geht, freut Ly sehr: „Ich habe dort zehn Jahre gelebt. Mein ganzer Freundeskreis ist dort zu Hause. Ich freue mich schon auf mein Comeback.“ Dort ist er tatsächlich kein Unbekannter. Als er 2000 wegen seiner damaligen deutschen Frau nach Hannover zog, fand er in Heiko Seeger (36), damals Besitzer vom Bronco’s und heute vom Lux, einen Freund. In der Gruppe gingen sie feiern oder zu Spielen von Hannover 96. Ly integrierte sich sofort und lernte so sehr schnell die Sprache: „Wenn man hierherkommt, ist es wichtig, dass man eine Bezugsperson hat. Zumindest für den Anfang.“ Mittlerweile kommt Hannover 96 stattdessen zu ihm: „Die afrikanischen Spieler sind oder waren oft zum Essen hier. Ya Konan oder Salif Sané sind gute Freunde von mir geworden. Sané ist manchmal jeden Tag da“, erzählt der Gastronom.

Als er nach Hannover kam, machte Ly im Zoo seine gastronomische Ausbildung - mal am Grill in Yukon Bay, mal im Gasthaus Meyer: „Ich habe da schon gemerkt, dass die Menschen Schlange stehen, wenn ich da bin. Da habe ich mir gedacht, dass man daraus was machen muss.“

Jetzt ist der 36-Jährige selbst Bezugsperson für junge Leute, die nach Hannover kommen. In Zusammenarbeit mit der Stadt beschäftigt er zwei bis drei Praktikanten im Monat: „Die kommen aus Afrika, aber auch aus Syrien. Ich zeige ihnen, wie Gastronomie in Deutschland funktioniert und wie wichtig Integration ist.“ Sein Engagement spielt für den Gastronomen eine große Rolle: „Ich bin Hannovers afrikanischer Papa! Wenn jemand hierherkommt und nicht weiß, wo er hin soll, dann kommt er zu mir. Ich vermittele ihm einen Schlafplatz über meine katholische Gemeinde oder lasse ihn in meiner Zweitwohnung schlafen.“ Sein eigenes Zuhause ist direkt gegenüber vom „Kili- manjaro“. Von hier aus hat er die Altstadt im Blick: „Aber ich bin ein Nachtmensch. Ich bin gar nicht so viel hier, außer mal zum Schlafen.“

Früher hat Ly regelmäßig als DJ im Bronco’s und im Lux aufgelegt. Seine afrikanischen Partys vermisst er ein bisschen: „Wenn ich die Zeit hätte, würde ich sofort wieder auflegen. Das war sehr spaßig.“ Auch im Senegal hatte der 36-Jährige sich schon mit Musik beschäftigt. „Ich war dort Radiomoderator. Vielleicht rede ich auch deswegen so viel“, scherzt er und zwinkert seiner Frau Maritou Deme Ly (22) zu, die bei ihm im Service aushilft und mit der er nächstes Jahr eine Familie gründen möchte. Die anderen Servicemitarbeiter sind deutsch, in der Küche arbeiten Köche aus vielen verschiedenen Ländern Afrikas - Ghana, Senegal, Tunesien. „Die Mischung machts“, findet Ly, „wir flirten mit den einzelnen Ländern und ihren Gerichten. Dann ändern wir alle sechs Monate die Karte, damit alles frisch bleibt.“ Manchmal besucht ihn seine Mutter aus dem Senegal für ein paar Monate und kocht bei ihm, bringt neue Gerichte mit oder schult die Köche ein bisschen. Ly hat immer noch viel Familie in der Heimat und ist dreimal im Jahr dort. Auch, um seine Organisation „Ein Schüler, 10 Kulis“ zu unterstützen, die Kinder im Senegal mit Schreibwaren versorgt

Die afrikanische Gemeinde in Hannover ist nicht ganz so bunt wie die Karte im „Kilimanjaro“, aber alle kennen das Restaurant in der Altstadt: „Die Kameruner sind zum Beispiel sehr gesellig. Die kommen ständig hierher und sind ohnehin viel in Hannover unterwegs.“

Im Jahr 2000 war die Situation noch anders. „Kinder haben auf mich gezeigt und gerufen: ,Guck mal! Ein schwarzer Mann‘“, erinnert sich Karlo Ly und lacht. Überhaupt ist er ein fröhlicher Mensch: „Essen und trinken ist mehr als Geld verdienen. Damit gibt man den Menschen Liebe, und das bekomme ich von meinen Gästen auch zurück.“ Auf die Frage nach Stress, gerade, wenn Laden Nummer zwei kommt, grinst er nur: „Ich arbeite gern, und in Deutschland wird man dafür ja auch belohnt. Mich ausruhen kann ich auch noch als Rentner.“

NPVISITENKARTE

Geboren am 28. September1978 in Thiès im Senegal – inzwischen ist Karlo Ly allerdings durch und durch Hannoveraner. Seine gastronomische Ausbildung absolvierte er von 2009 bis 2013 im Zoo, die meiste Zeit davon im Gasthaus Meyer. 2000 war er wegen seiner damaligen Frau aus dem Senegal nach Hannover gekommen. Nach einer kleinen Karriere als DJ führt er seit 2013 das afrikanische Restaurant „Kilimanjaro“ (Knochenhauerstraße 23) und eröffnet sein neues Lokal in Linden im kommenden Jahr.


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