Navigation:
NP_Interview

Karl Dall: "Jetzt bin ich wieder Unterhaltungsheini"

„Der alte Mann will noch mehr“: Mit diesem Programm kehrt Karl Dall (74) zurück - Sonnabend zeigt er in der Kleinkunstbühne in der List, was noch in ihm steckt. Die NP sprach mit ihm über den Freispruch vor Gericht, Winnetou und den Zwang zum Blödeln.

Hannover. Herr Dall, gehts Ihnen gut?

Danke, prima! Oder mach ich ’nen kranken Eindruck?

Gar nicht. Sie waren ja kürzlich in der Talk-Show von Sandra Maischberger zu sehen, da sahen Sie gesund aus.

Tja, bei Frau Maischberger. Das war jetzt das endgültige Ende meiner Kommentare zu meinem „Schweiz-Problem“, jetzt bin ich wieder Unterhaltungsheini.

Sie meinen den Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung?

Ja, dazu ist alles gesagt. Es war ein absoluter Freispruch. Das Schlimme ist, dass man darüber Sachen lesen muss, die nicht stimmen.

Hat für Sie der Begriff Lügenpresse jetzt eine persönliche Bedeutung?

Nein, die Presse ist sehr fair mit mir umgegangen. Sogar unsere größte Boulevard-Zeitung, die ja weitere Opfer jener Frau aufgespürt hat, die mich beschuldigte. Aber durch die Schlagzeilen hatte ich zeitweise keine Lust mehr, nach draußen zu gehen. Ich möchte zurück zum Publikum - mit neuem Programm.

Es heißt „Der alte Mann will noch mehr“ - was ist denn dieses Mehr?

Statt auf dem Abstellgleis zu stehen, will der alte Mann zeigen, was er kann. Da hat sich halt die Novelle Hemingways als Kalauer angeboten.

Ist es ein Querschnitt Ihres Werkes?

Ja, ein Best-of, es hat aber auch einen improvisatorischen Teil. Ich habe Live-Telefonate geplant, und Musik auf Zuruf - von zwölf angezeigten Titeln kann sich das Publikum was aussuchen. Ich plaudere auch mit den Zuschauern.

Spüren Sie von außen eine Erwartung, dass Sie ständig witzig sein müssen?

Nein. Klar mach ich immer gern einen Spaß und kann auch nach den Shows am Biertisch weiterblödeln. Aber ich fühle mich nicht verpflichtet, ständig gegen Kleiderschränke zu rennen oder mich mit Tomatensaft zu besudeln. Ich unterhalte die Leute gern; natürlich werde ich dafür keinen Grimme-Preis bekommen.

Wie gut können Sie einstecken?

Ich kann einiges ab. Und ich komme sicher nicht dahin, mit Anwälten zu kommunizieren und Beleidigungsklagen zu erheben. Hab ja auch nie welche bekommen.

Viele wissen nicht, dass Sie Komparse bei „Winnetou 1“ waren ...

Ja, 1963. Diesen Ausschnitt zeige ich auch in meinem Programm. Mein erster Auftritt in bewegten Bildern. Es gab damals 40 Mark pro Tag, gedreht haben wir die Szene nicht in Jugoslawien, sondern bei Atze Brauner im Studio. Den Cowboyhut, den ich für die Aufnahme im Saloon hatte, hab ich einfach mitgehen lassen, als Erinnerung. Andere Komparsen haben ihre Colts geklaut.

Haben Sie im Saloon Old Shatterhands Faust gespürt?

Ich nicht. Dafür waren die Stuntleute zuständig. Wenn Lex Barker um sich geschlagen hat, rutschten die Gegner die komplette Theke entlang und fielen runter, weil man jedem eine Rolle an den Rücken geschnallt hatte.

Haben Sie sich mal geprügelt?

Weder im Saloon noch sonst wo. Jahre später spielte ich in einem anderen Film mit, bei dem ein italienischer Schauspieler - halbe Portion - mir in den Bauch boxen sollte. Der hat schon bei der Probe heftig zugeschlagen. Da bin ich mit Magenschmerzen nach Hause gegangen.

Ihr Bruder Otto war Inhaber des Lehrstuhls für Technik in Dortmund. Worüber unterhalten sich ein Komiker und ein Professor?

Ja, zwischen unseren Berufen lagen junge Hunde - Welpen lagen dazwischen! Mein Bruder beobachtet das Showbusiness, aber ich hab mich nie für seinen Job interessiert. Das nimmt er mir jedoch nicht übel.

Ihr hängendes Augenlid haben Sie von Geburt an. Hatten Sie mal überlegt, es operieren zu lassen?

Als ich 21 war, hat es mich gestört, weil es bei den Mädels nicht so ankam. Aber letztlich hab ich mir gedacht, dass diese Laune der Natur zu mir gehört. In der Schule konnte ich anhand einiger Bezeichnungen für mich wie „Klapp-auge“ oder „Jalousienauge“ sehen, wer ein Arschloch war und wer nicht. Und vielleicht kann es ja auch Leuten, die ebenfalls nicht symmetrisch aussehen, Mut machen: Man kann auch trotz solcher Handicaps Erfolg haben.

Sonnabend, 20 Uhr, Kleinkunstbühne (Gottfried-Keller-Straße 28), Karten kosten 29 Euro.

VON MARK DANIEL

NP-VISITENKARTEN - Karl Dall

Geboren am  1. Februar 1941 in Emden. Er lernte zunächst Schriftsetzer. 1976 war er Mitbegründer der Comedy-Truppe Insterburg & Co. Nach deren Auflösung machte er sich solo mit Blödel-Talk-Shows bei Radio Luxemburg und im TV bei Südwest 3 einen Namen. In seiner RTL-Sendung „Dall-As“ (später bei Sat  1 unter dem Namen „Jux und Dallerei“ fortgeführt) nahm er regelmäßig Promis aufs Korn. Auch musikalisch zog der Komiker sich und andere gern durch den Kakao („Heute schütte ich mich zu“). 1999 erhielt er den Deutschen Comedypreis für sein Lebenswerk. Letztes Jahr wurde er vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Dall ist seit 44 Jahren mit Barbara (68) verheiratet. Tochter Janina (40) arbeitet als Stuntfrau in Kanada.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige

Bild des Tages

Der Himmel brennt: NP-Leserin Sina Schröder fotografierte den atemberaubenden Sonnenuntergang in Döhren.

zur Galerie