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Lustiger Kerl: Kalle Pohl ist Spaßmacher mit Leib und Seele.

Lustiger Kerl: Kalle Pohl ist Spaßmacher mit Leib und Seele.
© Gabor Richter

Comedy

Kalle Pohl: Erst kleiner Pimpf, dann großer Komiker

Die RTL-Comedy „7 Tage, 7 Köpfe“ machte ihn berühmt – Kalle Pohl (65) bringt die Leute aber auch in Theatern zum Lachen. Die NP sprach mit dem 65-Jährigen über sein aktuelles Stück „Halbgott in Nöten“, wie schwer die Berufsfindung war und seine Vorbilder – etwa Louis de Funès.

Hannover.. Die NP hat den Schauspieler kurz vor seinem Gastspiel im Theater am Aegi interviewt.

Herr Pohl, es heißt, bei den Proben zum „Halbgott in Nöten“ wurde sehr viel gelacht. Weil es eine Ko­mödie ist – oder Sie Spaß bei der Arbeit haben?

Das ist einfach großes Glück, wenn man mit Kollegen zusammenarbeitet, die Humor haben (lacht). Bei den Proben sind einige sogar extra früher gekommen und haben sich dann nicht mehr eingekriegt. Wir hatten echt eine Menge Freude und hätten eigentlich schon eine Woche früher anfangen sollen (lacht).

In dem Stück spielen Sie den Arzt Fritz Tiedemann, der Karriere machen will. Seine wilde Tochter droht ihm da aber durch Eskapaden in die Parade zu fahren.

Tja, das ist fast wie im richtigen Leben: Sie ist ihm schon sehr ähnlich, tut aber Dinge, die Eltern nicht unbedingt gerne sehen. Und obendrauf holen Fritz Tiedemann Dinge aus vergangenen Zeiten ein. Er erfährt, dass ein Junge – das Ergebnis eines Seitensprungs – und seine Tochter heiraten wollen. Das versucht er mit aller Macht zu verhindern, verstrickt sich dabei aber immer mehr in Intrigen, schlittert von einer Katastrophe in die nächste. Neben der ganzen Komik ist das Stück auch irre spannend.

Ich hoffe, Ihre Tochter hat Ihnen im echten Leben keine Blamagen beschert.

Nee (lacht). Hannah Maria ist jetzt 20 und ein sehr liebes Kind. Ich lege sehr viel Wert auf ihre Meinung. Auch wenn sie immer sagt: Ich bin doch nicht dein Kritiker, ich bin deine Tochter! Jedenfalls hat sie mir keinen Kummer be­reitet wie Julia im Stück.

So fürs echte Leben – wäre Arzt was für Sie gewesen?

Überhaupt nicht! Ich kann kein Blut sehen, das ist so gar nicht meine Welt.

Wann waren Sie eigentlich zuletzt selbst bei einem?

Oh, gute Frage (überlegt). Keine Ahnung. Aber Sie bringen mich jetzt auf etwas: Man soll doch alle zwei Jahre zu einer Generaluntersuchung, da muss ich mal wieder hin. Auch wenn der Körper mir sagt: Es geht mir gut.

Nochmal zurück zu Ihrem Beruf: Sie waren ein Junge, als Sie für Nachbarskinder eine Ein-Mann-Show in der Garage Ihres Vaters aufgeführt haben.

Da war ich gerade einmal zehn Jahre alt, die Bude war gerammelt voll (lacht). Ich hatte verschiedene Wörter auf Zettel geschrieben: „Quatsch“ – da habe ich welchen gemacht, „Musik“, da habe ich Akkordeon gespielt. Und bei „Akrobatik“ bin ich rumgeturnt. Von den Kinder habe ich einen Pfennig Eintritt genommen, wollte tags darauf fünf haben. Meine Eltern fanden das unverschämt, und so war die Tournee abrupt abgebrochen.

Es war aber nicht gleich klar, dass Sie Komiker werden. Ich zähle mal auf: Sie haben eine Kochlehre gemacht, dann eine Kaufmannslehre. Sie waren Briefträger, Kellner, Gitarrenlehrer, Musikbuchautor, Mitbegründer des Kölner Atelier-Theaters ...

In diesem Kaff, aus dem ich komme, Merzenich bei Düren, wäre das nie im Leben gegangen. Schauspieler! Höchstens als Hobby oder im Karneval vielleicht. So habe ich eine Kochlehre angefangen, in der ich in den ersten vier Wochen jeden Tag Prügel kassiert habe. Ich kam rein und bekam schon einen Tritt zwischen die Beine. Das war grauenhaft. Ich bin dem kleinen Pimpf von damals so dankbar, dass er die Kraft und den Mut hatte hinzuschmeißen.

Irgendwann wurden Sie Polizist.

Damals war das noch was. Ich habe mich heimlich beworben und bin mit zittrigen Fingern zur Aufnahmeprüfung. Ich wollte als Beamter etwas darstellen – und plötzlich stellte ich auch was dar. Ich merkte im Laufe der Jahre aber, dass ich mein Leben nicht im Streifenwagen verbringen will. Außerdem habe ich in dieser Zeit unschöne Dinge wie fürchterliche Unfälle gesehen, die mich geschockt haben.

Gut, dass es Louis de Funès gab – eines Ihrer Vorbilder.

Ein grandioser Mann und einer der größten Komiker, den die Welt je gesehen hat. Es gab da aber auch noch zwei andere: Stan Laurel und Oliver Hardy. Diese leise Komik, auch wenn Häuser in sich zusammenfallen, das ist genial. Ich gucke das alles immer noch gerne. Das aktuelle Stück ist auch eine kleine Hommage an Louis de Funès.

In Hannover spielen Sie an drei Tagen. Sie waren aber auch schon mal länger da.

Ja, ich habe vier Wochen im GOP moderiert, das muss Ende der 80er gewesen sein. Was, schon so lange her? Oje, ich werde alt (lacht). Ich habe Hannover jedenfalls sehr gemocht und schöne Abende erlebt.

Von Mirjana Cvjetkovic

Theater am Aegi