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Mensch-Hannover Jürgen Höller: „Es gibt für alles eine Lösung“
Menschen Mensch-Hannover Jürgen Höller: „Es gibt für alles eine Lösung“
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15:48 14.09.2018
GROSSE GESTEN: Jürgen Höller setzt in seinen Seminaren auf positives Denken. Quelle: Alexander Sandy Brandl 0
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Hannover

Die NP sprach mit Motivationstrainer Jürgen Höller über seine Methoden.

Herr Höller, warum reiben Sie sich vor dem Auftritt eigentlich die Ohren?

Das ist eine Übung aus der Kinesiologie. Wie die Füße auch, haben Ohren bestimmte Nervenpunkte entsprechend für jedes Organ. Mir bringt das Energie. An den Händen funktioniert das ebenfalls. Übrigens massiere ich meine Füße morgens immer mit einem Golfball, auch das liefert mir Energie.

Warum stehen sich Menschen manchmal selbst im Weg, bekommen den Hintern nicht hoch?

Es kommt darauf an, wie man geprägt ist, aus was für einem Elternhaus, aus was für einem Umfeld man kommt. Die Sozialforschung zeigt: 80 Prozent der Kinder aus einem bestimmten Milieu siedeln sich im Erwachsenenalter in diesem Milieu an. Heißt: Die Armen bleiben meist arm, die Oberschicht, ein blödes Wort, ich weiß, landet wieder dort. Deshalb appelliere ich, dass wir im Leben das tun, was unserem Talent, unserer Begabung, unserer Liebe entspricht. Die Hälfte der Menschen sind nicht glücklich, mit dem, was sie im Job tun. Es ist wichtig, bevor wir anfangen zu laufen, den richtigen Weg zu finden.

Und wie kann das klappen?

Es kommt auf uns zu. Wir müssen bei unseren Kindern darauf achten, in welchen Bereichen sie Spaß haben. Unser Sohn zum Beispiel hat als Siebenjähriger weiße Kieselsteine aus dem Beet geangelt, sie angemalt und auf der Straße verkauft. Da muss man als Eltern sagen, okay – auch wenn es schwer fällt. Unser Sohn malt übrigens immer noch. Nicht nur das, seine Kunst wird auch gekauft. Man muss sein Ding machen können, und nicht etwas anfangen, nur weil da gerade eine Stelle frei ist.

Müssen wir in Zeiten einer erfolgsorientierten Gesellschaft und angesichts des Leistungsdrucks immer motiviert sein?

Müssen müssen wir gar nichts. Zu dürfen und zu wollen ist das Ziel, und das muss selbst aus uns herauskommen. Wir sollten Optimismus und Freude in uns haben und auch eine gewisse Dankbarkeit und das Schöne des Tages empfinden. Wenn wir uns nur auf Probleme konzentrieren, dann werden sie wachsen. Es ist eine Frage der Konzentration und worauf ich meinen Fokus lege.

Sie haben eine Krise überstanden – wegen eines Wirtschaftsdeliktes waren Sie im Gefängnis.

Das war ein traumatisches Erlebnis, ich habe fast alles verloren. Vielleicht war es aber auch das Beste, was mir passieren konnte. Ein paar wichtige Menschen, ganz wenige Freunde, haben zu mir gehalten. 2004 dann der Neubeginn, ich habe meine Firma aufgebaut. Ich war gescheitert – und auch gescheiter. Aus einer Krise, einem Rückschritt, kann immer etwas Gutes entstehen.

Haben Sie je daran gedacht, aufzugeben?

Natürlich kommen solche Gedanken, ich bin auch nur ein Mensch. Ich war aus dem Leben herausgerissen, im Gefängnis auf acht Quadratmetern allein. Es kämpfen zwei Wölfe in einem – der positive und der negative. Und es gewinnt immer der, den ich füttere. Im Leben gehört es dazu, den Berg zu überwinden. Dass ich es geschafft habe, mache ich zu einer Botschaft für andere: Steh wieder auf! Hinfallen ist menschlich.

Nelson Mandela, Steve Jobs, Muhammad Ali, Arnold Schwarzenegger – was haben die gemeinsam, dass Sie sie Ihre Vorbilder nennen?

Sie müssen gar nicht mal vieles gemeinsam haben oder zu 100 Prozent alles gleich machen. Wir in Deutschland neigen dazu, perfekt sein zu wollen. Aber niemand ist perfekt und muss es auch nicht sein, es gibt immer eine Kehrseite und Schwächen. Apple-Gründer Steve Jobs etwa war immer hungrig, neugierig und verrückt. Aber er war kein guter Chef, hat seine Mitarbeiter nicht gut behandelt. Mandela hat durchgehalten, sich auch nach 27 Jahren im Gefängnis nicht brechen lassen. Schwarzenegger hatte starken Willen und hat an seinen Zielen festgehalten: Erst wollte er weltbester Bodybuilder werden, dann Schauspieler, dann US-Präsident. Gut, er ist nur Gouverneur geworden – immerhin.

Dann nennen Sie noch Jesus. Warum?

Weil seine Hauptbotschaft ist: Liebe dich selbst wie deinen Nächsten. Das ist eine wunderbare Botschaft. Nächstenliebe bedeutet zu helfen, da zu sein. Aber es gehört eben auch dazu, sich selbst anzunehmen und zu lieben. Die Menschen, die mit sich im Reinen sind, können das dann auch auf Angehörige und Freunde übertragen.

Sind Sie gläubig?

Ich bin gläubig ohne Religion. Ich hatte anderthalb Jahre viel Zeit, mich mit dem Thema zu beschäftigen, habe mich mit den fünf Weltreligionen auseinandergesetzt. Bei allen kommt der Kernsatz der Liebe vor. Aber auch jede Religion wird von einem Menschen geführt, der einem sagt, was richtig und was falsch ist. Ich will keine Religion, die sagt: Wir sind die Besten. Deshalb glaube ich an Gott, aber nicht an die von einem Menschen geführte Religion.

Es gibt Leute, die Ihnen vorwerfen, viel zu viel Geld für Ihre Seminare zu nehmen.

Bei jedem Betrag, den ich ausgebe, fragte ich mich: Sind es Kosten, wie etwa für eine Uhr, ein Auto? Oder ist es eine Investition – wie in eine Wohnung zum Beispiel. Wenn ich Geld für Weiterbildung ausgebe, dann ist es eine Investition in die Zukunft. Schon Benjamin Franklin hat gesagt: Jede Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen. Bei mir ist es eine Investition in die Karriere, den Körper, die Beziehung.

Würden Sie Seminarteilnehmer immer noch über Scherben laufen lassen?

Ja, klar. Man kann sich darüber lustig machen, aber ich sehe es als Metapher: Man sagt sich, gewisse Dinge gehen nicht, sind nicht möglich. Wenn man es dann aber getan ist, ist es plötzlich möglich. Wie oft haben wir Angst vor etwas und machen es deshalb erst gar nicht? Der Single, der aus Angst vor einem Korb seinen Schwarm erst gar nicht anspricht. Der Mitarbeiter, der aus Angst vor Ablehnung erst gar nicht versucht, einen neuen Kunden zu gewinnen. Um solche Herausforderungen geht es mir.

Was wollen Sie in Hannover vermitteln?

Dass es für alles eine Lösung gibt. Je mehr man wächst, desto herausfordernder werden sie. Probleme verschwinden aber, sobald man eine Lösung für sie hat. Man muss sich umschauen, wie der ein oder andere sie löst. Ich arbeite nach dem Prinzip „Modelling of Excellence“, was so viel bedeutet wie lerne von den Besten.

Und die sind wer?

Diejenigen, die dein Problem schon gelöst haben. Ein Beispiel: Mischt man rot und gelb, ergibt das immer orange. Egal wer es mischt, wann und wo. Ich kann lange probieren – oder jemanden fragen, der es schon gemacht hat.

Hier kann man Jürgen Höller erleben:

Am 15. und 16. September ist Jürgen Höller mit seinen „Power Days“ in der Swiss Life Hall. Heute beginnt die Veranstaltung um 9.45, morgen um neun Uhr. Tickets gibt es an der Tageskasse, sie kosten ab 99 Euro

Von Mirjana Cvjetkovic

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