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Joseph Fabinger (100)

Joseph Fabinger (99)© NANCY HEUSEL

Menschen

Josef Fabinger - mit 99 Jahren eine echte Sportskanone

Josef Fabinger (99) aus Badenstedt ist eine Frohnatur. Sein Alter lässt er sich nicht ansehen, geht damit aber gleichzeitig sehr offen um. Auch heute noch geht der fast Hundertjährige regelmäßig Ski fahren und wandern. Die NP traf ihn bei Kaffee und Kuchen.

Hannover. Auf dem Fahrrad tritt er, seinem hohen Alter zum Trotz, kräftig in die Pedale: Der Badenstedter Josef Fabinger ist zwar stolze 99 Jahre alt, doch verdient er sich noch locker den Titel „Sportskanone“. Wandern, Radfahren und sogar Skifahren (!) gehören zu seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen. Über seinen Gesundheitszustand kann man nur staunen. Eineinhalb Stunden täglich setzt er sich auf den Sattel. Dann ist der 99-Jährige kaum zu bremsen: „Falls mal ein Igel über die Straße läuft, halt ich an, sonst nicht“, sagt Fabinger und lacht.

Im weißen Hemd unter blau-em Strickpullover öffnet er die Tür. Dann saust er quer durch die Wohnung. Seine Möbel sind bereits seit Jahren aus der Mode gekommen. Doch das stört ihn nicht, er ist ja ohnehin viel lieber draußen.

Mit seiner Tochter Burgel Döhring (verrät ihr Alter nicht) fährt er seit Jahrzehnten in die Dolomiten in Südtirol. Zum Wandern und zum Skifahren. Im September 2014 verschwand der 99-Jährige sogar mal im Urlaub: „Wir haben uns Sorgen gemacht. Und dann rief er von seinem Handy aus an und sagte, er sei auf einer Berghütte. Vier Stunden ist er dahin gewandert“, erzählt seine Tochter. Ganz allein! Es habe ihn nun mal in den Beinen gejuckt, und dann musste er einfach losgehen, trägt ihr Vater zur Verteidigung vor.

In dem Skigebiet kann Josef Fabinger ohnehin kaum verloren gehen: Er ist dort mit fast jedem bekannt. Die Leute nennen ihn liebevoll nur „Seppl“, den Skipass kriegt er geschenkt, den Kaffee auf den Hütten ebenfalls. Ein 99-jähriger Skifahrer fällt eben auf - auch neben der Piste. Sogar die Bergsteiger-Legenden Reinhold Messner (70) und Luis Trenker († 97) gehörten zu seinen Hüttenbekanntschaften. Die drei schätzten sich gegenseitig sehr: „Mess- ner bezeichnet mich immer noch als guten Freund“, erzählt Fabinger.

Als Straßenbauarbeiter war er ins Berufsleben gestartet und arbeitete sich hoch bis in eine leitende Position bei einer großen Baufirma. Äußerlich haben die vielen Lebensjahre kaum Spuren bei dem 99-Jährigen hinterlassen. Immer einen Witz auf den Lippen, bespaßt er seine Zuhörer nach Lust und Laune. Sein Charme steckt an.

Bei einem Stück Kuchen erinnert Fabinger sich, wie er bereits als Siebenjähriger zum ersten Mal auf Skiern stand: „Die waren selbstgemacht. Aus den Brettern eines Fasses und den alten Straßenschuhen meines Vaters.“ Letztere hatte er mit Schnüren an die Bretter gebunden. So ist er bei Schnee in die Schule gekommen, zwei Kilometer hin und zwei wieder zurück. Not macht eben tatsächlich erfinderisch.

Dabei war der Badenstedter mitten im Ersten Weltkrieg ge-boren worden und überlebte auch den Zweiten, inklusive drei Jahren Kriegsgefangenschaft. 1949 kam er aus einem Lager in Ägypten frei. Zuvor hatte er in der Wehrmacht gedient, als Oberfeldwebel stoppte er englische Sabotageversuche in Norwegen und auf dem Balkan. Doch wenn er vom Krieg erzählt, scheint ein schwerer Kloß im Hals die sonst sprudelnden Worte zu bremsen. Die Augen richtet Fabinger dann leicht gen Boden und guckt nicht mehr gespannt auf sein Gegenüber. Die Erinnerungen ziehen ihn zurück.

Negative Kriegserlebnisse blendet er jedoch aus. Er erzählt dann lieber, wie ihn seine Sportlichkeit auch in Norwegen be-gleitete. Wie er anderen Soldaten das Skifahren beibrachte und bei minus vierzig Grad die Einsamkeit der skandinavischen Gletscher suchte. Diese Liebe zur Natur hat er sich über all die Jahre bewahrt.

Mit seiner kürzlich verstorbenen Frau Gisela Fabinger hat er zwei Kinder. Sohn Heinz-Josef (57) wohnt einen Stock über dem Vater, Tochter Burgel betreibt in der Innenstadt die exklusive Boutique „Agatha“. Zwei der drei Enkelkinder können auch Ski fahren - sie haben ja auch beim Opa gelernt.

Am 19. Dezember feiert Fabinger seinen 100. Geburtstag. Solange er fit genug ist, wird er weiterhin in den Dolomiten Urlaub machen, für September sind die Tickets schon gebucht. Auch Skier würde er sich im Winterurlaub gern wieder anlegen. Und wenn die Menschen, denen er sein Alter verrät, dann wieder ganz ungläubig gucken, sagt er einfach: „Was ist denn schon dabei?“

Tobias Welz


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