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STRAHLEMANN: In der „Let’s Dance“-Jury vergibt Jorge González (links) mit Motsi Mabuse und Joachim Llambi freitags ab 20.15 Uhr Punkte an die Tänzer.© Rolf Vennenbernd

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Interview

Jorge Gonzales: „Ich musste mich als Kind verstecken“

In seinem Herzen ist er ein Tänzer: Jorge González (48) hat die Kostüme für die Show „Ballet Revolución“ entworfen, die ab 28. Juni im Opernhaus gastiert. Der Kubaner hat als Catwalk-Trainer in „Germany’s Next Topmodel“ Heidi Klum die Schau gestohlen, derzeit sitzt er bei RTL in der „Let ’ s Dance“-Jury. Die NP sprach mit ihm über Nuklearökologie und High Heels.

Sie haben für „Ballet Revolución“ die Kostüme entworfen. Wie beschreiben Sie den Stil?

Minimalistisch, modern, sehr sexy. Wichtig ist, dass die Kostüme die Choreografien unterstützen und nicht von ihnen ablenken. Und bequem müssen sie auch sein! Was die Tänzer zeigen, ist Hochleistungssport. Ich benutze starke, aber elastische Materialien, die man auf Tour auch jeden Tag waschen kann.

Was unterscheidet kubanische Tänzer denn von anderen?

In Kuba spielt Tanz eine große Rolle - schon die Kinder tanzen auf der Straße, beim Karneval, eigentlich immer. Tanzen ist wie atmen, es gehört für uns zum Alltag (lacht). Ich sage immer: Kubaner tanzen mit dem Kopf, mit dem ganzen Körper - und natürlich mit dem Herzen. Alles tanzt. Außerdem haben viele Tänze ihre Wurzeln in Kuba, bestimmte Arten von Salsa und Rumba zum Beispiel.

Sie wollten selber auch Tänzer werden?

Natürlich! Bis ich 17 Jahre alt war, habe ich selber Modern Dance gemacht. Es ist mir also nicht schwer gefallen, mich hineinzudenken in die Rolle eines Tänzers.

Wieso haben sie einen ganz anderen Berufsweg eingeschlagen?

Ich habe in Bratislava Nuklearökologie studiert. Es geht um die Auswirkungen radioaktiver Strahlung auf Menschen, Tiere und Pflanzen - also die gesamte Ökologie. Das war Ende der 80er Jahre eine ganz neue Geschichte. Ökologie fand ich interessant, auch in Chemie und Physik war ich in der Schule nicht schlecht. Ich habe hart für meine guten Noten gearbeitet, denn ich wollte immer unbedingt in Europa studieren. Das ging von Kuba aus ja nur in anderen sozialistischen Ländern wie der damaligen Tschechoslowakei.

Könnten Sie mit Umweltminister Peter Altmaier über den Atomausstieg diskutieren?

Ein bisschen (lacht). Ich habe das Studium ja bereits 1991 abgeschlossen, das ist lange her. Aber natürlich interessieren mich auch Ereignisse wie der Atomunfall in Fukushima oder der deutsche Weg, aus der Atomkraft auszusteigen.

Haben Sie damals Ihre Heimat verlassen, weil Homosexualität in Kuba ein Tabu war?

Das war ein Grund, ja. Als Kind war das eine große Last für mich, ich hatte immer zwei Ichs. Ich musste mich verstecken, durfte nicht so sein, wie ich bin. Zum Glück ist das heute viel besser geworden. Es gibt heute mehr Toleranz und Offenheit in Kuba. Damals war aber klar, dass ich nach Europa gehen muss.

Vermissen Sie Kuba?

Kuba ist meine Heimat, aber mein Zuhause ist inzwischen Hamburg. Wenn ich drei Wochen in Kuba bin, will ich wieder zurück (lacht). Wenn ich später mal ganz alt bin - wie mein Vater, der jetzt 94 ist -, gehe ich vielleicht zurück. Dann kommen mir all diese positiven Veränderungen, die in Kuba gerade passieren, vielleicht ja zugute.

Wie haben Sie den Besuch von US-Präsident Barack Obama auf Kuba erlebt?

Ich war vor Ort, wir haben damals gerade für die Sendung „E! In the City“ auf dem Sender „E! Entertainment“ ein Kuba-Special gedreht. Beim Rolling-Stones-Konzert war ich auch. Aber nicht im VIP-Bereich, Promis gibt es auf Kuba nicht (lacht) - das nennt man da „Friends and Family“. Die Stimmung war wie elektrisiert.

Wie haben die Kubaner auf den Besuch des US-Präsidenten reagiert?

Sie freuen sich, weil sie wissen, dass sich viel verändern wird. Es sind große Umwälzungen. Das war eine sehr spannende und historische Woche.

Bei „Let’s Dance“ auf RTL sind Sie nicht so streng wie Joachim Llambi. Spielen Sie da „guter Bulle - böser Bulle“?

Es gibt keine Rollen oder ein Drehbuch. Jeder sagt, was er denkt, das entsteht alles live und spontan. So wird das nie langweilig.

Nervt es Sie, dass Sie trotz Uni-Abschluss das Image des schrillen Paradiesvogels haben?

Überhaupt nicht. Ich bin froh, dass die Leute dieses Wort für mich in den Mund nehmen. Junge Leute wollen heute nicht mehr in Schubladen gesteckt werden. Man kann wie ich einen Ingenieurstitel in Nuklearökologie haben, aber trotzdem einen extravaganten Auftritt genießen, Lust auf Mode haben. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, man kann beides sein. Ich finde, die Leute sollen sich auf etwas Neues, Fremdes einlassen. Wichtig ist, dass der Mensch im Inneren, im Herzen gut ist. Das Äußere ist mein Hobby, mein Spaß.

High Heels gehören dazu?

Ja, immer. Schon als Kind habe ich mit den High Heels meiner Großmutter gespielt. Heute sind sie als Entertainer mein Werkzeug.

Kann jede Frau auf High Heels laufen?

Kommen Sie in meine „Chica’s Walk“-Academy und ich bringe Ihnen das bei. Das Wichtigste ist Haltung - dafür ist auch Selbstbewusstsein wichtig, Lebensfreude, eine positive Ausstrahlung.

Über Ihr Privatleben weiß man kaum etwas. Warum?

Ich habe einen Hund, und ich bin glücklich (lacht). Mein Privatleben ist nicht so interessant.

NP-VISITENKARTE - Jorge Gonzáles

Geboren am 11. August 1967 in Sancti Spiritu auf Kuba. Sein voller Name lautet Jorge Alexis González Madrigal Varona Vila. Mit 17 verlässt er Kuba, um in der Tschechoslowakei Nuklearökologie zu studieren – nebenbei nimmt er Modeljobs an. 1991 zieht er nach Hamburg und arbeitet als Stylist und Choreograf von Modenschauen (unter anderem für Vivienne Westwood). 2010 wird er bei Heidi Klums (42) Casting-Show „Germany’s Next Topmodel“ Laufstegtrainer, seit 2013 ist er Juror in der RTL-Show „Let’s Dance“. Im selben Jahr veröffentlicht er seine Biografie „Hola Chicas“. Seit zwei Jahren leitet er in Hamburg die „Chica’s Walk Academy“. Jorge González ist Peta-Botschafter und kämpft gegen Pelz in der Mode.


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