Navigation:
Menschen

Jean-Paul Pianta hat Gelenkprobleme im Griff

Komplexe Dinge einfach verständlich zu machen, das liegt Jean-Paul Pianta (72) richtig gut: „Es ist wie bei einer Fußballmannschaft: Wenn sich von elf Spielern zwei hängen lassen, müssen die anderen neun mehr arbeiten.“ Ähnlich verhält es sich mit dem menschlichen Körper: „Wenn ein Gelenk nicht mehr richtig arbeitet, müssen die anderen deutlich mehr ran.“

Hannover. Wirbel, Weichteile und ih­re Wirkung mit- und zueinander, damit beschäftigt sich der Chiropraktor seit Jahrzehnten. Auf diesem Gebiet ist der Mann mit dem schneeweißen Haar eine Ko­ryphäe. Promis, Politiker und ganz normale Personen schwö­ren auf sein Können und seine Techniken und su­chen ihn regelmäßig in seiner Praxis an der Podbielskistraße im Herzen der List auf. „Wir Chiropraktoren haben einen ganz anderen Blick auf den Menschen“, erklärt er der NP seine Profession. Da­bei fällt es recht schwer, sich nicht zu sehr von seiner einnehmenden Aura – diesem verschmitzten Blick, den la­chenden Augen, den feinen Frotzeleien – und der fabelhaften französischen Aussprache ablenken zu lassen.

Es fallen Sätze wie „Der Körper ist aufs Überleben programmiert“, „Das rechte Handgelenk ist die beste Freundin des linken Fußgelenks“ und „Wohlbefinden ist kein Konsumartikel, den man sich im Supermarkt beschaffen kann“. Pianta macht seine Form der medizinischen Be­handlung bildlich verständlich und nutzt keine komplizierten Fachbegriffe. Zehntausende Pa­tienten vom Baby bis zum 99-Jährigen haben sich bei ihm schon vertrauensvoll auf die Pritsche gelegt, darunter Weltstars wie Hollywoodlegende Elizabeth Taylor († 79, „Sie war eine sehr nette Frau“), das Golf-Idol Severiano Ballesteros († 54), König Hussein von Jordanien († 63) oder Staatsmänner wie der Präsident des Kongo, Mobutu Sese Seko († 66) oder Prinz Claus der Niederlande († 76) – die Aufzählung ist erweiterbar. „Es gab Patienten, die massive Einschränkungen hatten, aber viele sind zu mir gekommen, weil sie sich besser fühlen wollten“, so der Franzose, „Topleute müssen topfit fit sein und wollen sich einfach besser fühlen. Viele haben so wichtige Ämter inne, dass sie sich Ausfälle nicht erlauben können.“

Bekannte Schauspieler wie Jean-Paul Belmondo (84) und Sir Sean Connery (86) haben Pianta zum Filmset gerufen, „weil sie sich schon bei kleinen körperlichen Einschränkungen reduziert fühlten und nicht mehr richtig arbeiten konnten“.

Was macht denn seine Arbeit so besonders? „Ich habe einen anderen Blick auf den Menschen“, erläutert der sechsfache Vater, „bei mir gibt es keine Grenzen. Mediziner separieren Organe, Nerven – bei mir ist der Körper eine Einheit.“

Besonders wichtig sei, in Betracht zu ziehen, dass bei einem Knieschmerz nicht zwingend das Knie der Auslöser sein muss: „Ich schaue dann nämlich auch auf den Kiefer.“

Beweglichkeit ist das A und O für ein gesundes Leben, „Schmerzen können da hilfreich sein, sie sind gut.“ Wie bitte? „Ja, sie liefern uns Informationen, führen uns zur Ursache. Ich kämpfe nicht gegen den Schmerz – sondern für die Beweglichkeit!“

Genau dieses unkonventionelle Betrachten des Körpers macht den Experten für viele so interessant: Kongresse, TV-Sendungen weltweit, Tagungen und Seminare ab­solviert er. „Man muss in der Medizin frei sein, Geduld haben und sich Zeit nehmen, um den Patienten zu verstehen“, hat sich Pianta seit jeher vorgenommen, „wenn man meint, alles zu wissen – oh la la.“ Er lacht. Einige Bücher hat der Mann schon verfasst, aktuell schreibt er an einem neuen. Vielleicht kommen ihm am Maschsee weitere Ideen, dort, im Biergarten der „Insel“ von Norbert Schu (61), sitzt er nämlich am liebsten: „Da hat man den schönsten Blick auf Hannover.“ Hier kann er durchatmen nach einem langen Arbeitstag. Apropos: „Es ist wichtig, dass wir bewusst atmen“, betont er und holt tief Luft und stößt sie langsam wieder aus, „jemand, der seine Atmung kontrollieren kann, kann die Welt kontrollieren.“

Mirjana Cvjetkovic