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MÄDCHEN AUS HANNOVER :Für Jamie-Lee Kriewitz spielt die Musik gerade die größte Rolle in ihrem Leben. Das Abi muss bis nächstes Jahr warten.

© Jens Kalaene

NP Interview

Jamie-Lee: „Ich kann mir nichts Cooleres vorstellen“

Sie ist unsere Stimme für Stockholm: Am 14. Mai tritt Jamie-Lee Kriewitz (17) aus Bennigsen für Deutschland beim Eurovision Song Contest an. Hier spricht sie über ihr neues Leben und die Angst vor dunklen Wäldern.

Hannover. Jamie-Lee - erst der Sieg bei „The Voice of Germany“, jetzt beim ESC-Vorentscheid. Plötzlich sitzt du mit Matthias Schweighöfer in der „NDR-Talk-Show“. Was ist passiert?

Wenn ich das wüsste! Das fliegt alles noch an mir vorbei. Ich versuche, das zu verstehen und gleichzeitig nicht zu sehr an mich ranzulassen. Ich meine: Matthias Schweighöfer!

Nach deinen Siegen wirktest du äußerlich ruhig und kontrolliert. Wie sah es in dir aus?

In Wahrheit war ich total aufgeregt. Bei „The Voice“ waren wir Kandidaten über einen langen Zeitraum zusammen, beim ESC-Vorentscheid kannte ich die anderen alle nicht, da war die Konkurrenzsituation stärker. Ich bin immer am Zittern und Rumspringen vor dem Auftritt. Aber wenn ich dann den ersten Ton singe, ist alles vergessen.

Du hast erzählt, du hast Angst vor dem Wald. Warum denn das?

Ja! Ich finde den Wald gruselig. Er ist so dunkel, und man ist meistens allein, wenn man reingeht. Man sieht niemanden, es ist eng, das macht mir irgendwie Angst. Vielleicht ist da von dem Film „Blair Witch Project“ was hängengeblieben. Ich fand den Wald schon immer nicht so cool.

Trotzdem stehst du bei deinem ESC-Song „Ghost“ auf der Bühne in einem künstlichen Wald.

Ja, aber das ist kein gruseliger Wald! Das ist ein total schöner Zauberwald mit dem Mond und dem Nebel. Vor dem fürchte ich mich nicht. Außerdem sind meine Backgroundsängerinnen dabei.

Was hat dich denn am meisten überrascht, seit du im Licht der Öffentlichkeit stehst?

Mich wundert, wie groß das Interesse an mir ist. Ich finds irre spannend zu sehen, was die Leute alles über mich wissen wollen. Über manches habe ich selbst nie nachgedacht. Zum Beispiel über die Frage, warum ich Angst vor dem Wald habe. Ich hätte auch nie gedacht, dass die Leute mein Manga-Style so sehr interessiert. Ich dachte, die denken höchstens: Da steht halt ein verrücktes Mädchen, das sieht komisch aus.

Was ist es denn, was dich an dieser Cartoon-Welt so reizt? Das Verschwinden in einer Rolle?

Für mich ist das gar keine Rolle mehr. Es gehört einfach zu mir. Das bin ich. Viele Cosplayer ma-chen das. Die schlüpfen in eine Figur und gehen richtig darin auf. Viele haben ein Vorbild aus dieser fiktiven Welt, meins zum Beispiel ist Menma, ein Geistermädchen aus meinem Lieblingsanime „AnoHana“. Ich habe das gesehen und sofort eine Verbindung zu ihr gespürt.

Dein Kleidungsstil nennt sich Decora-kei. Worum geht es da?

Es geht darum, so niedlich wie möglich auszusehen. Das ist der Sinn.

Mit großen Augen, kurzen Röckchen, Kniestrümpfen.

Genau.

Viele Menschen werden jetzt eine Meinung zu dir haben. Ist das seltsam, plötzlich so massenhaft bewertet zu werden?

Klar ist das krass. Vor allem, weil ich erst mal lernen muss, damit umzugehen. Aber ich war früher schon so, als mich noch nicht so viele Menschen kannten. Und ich hab damals schon gedacht: Okay, manche finden mich halt doof und mein Outfit auch. Aber egal, wie man ist - es wird immer Leute geben, die einen doof finden. Ich mag ja auch nicht jeden. Ich versuche, mir keine Hater-Kommentare auf Facebook durchzulesen oder darauf einzugehen. Ich ignoriere das, so gut es geht. Und Beleidigungen nehme ich nicht ernst.

Die Parallelen zwischen dir und Lena sind natürlich auffällig. Welche Frage hättest du an sie?

Ich habe sie noch nicht getroffen, aber sie hat auf jeden Fall Vorbildcharakter für mich. Ich würde sie zum Beispiel fragen, wie sie sich vorbereitet hat vor ihrem Auftritt beim ESC. Und ob sie sich viele Hoffnungen gemacht hat.

Machst du dir Hoffnungen?

Tja. Irgendwo macht man sich immer Hoffnungen. Aber ich weiß, dass die Chance sehr gering ist. Ich habe viel Respekt vor der Länderwertung beim ESC, auch weil Deutschland 2015 ja Letzter wurde. Man hat mir auch gesagt, dass Deutschland durch die politische Lage im Moment sowieso nicht gewinnen kann. Mal gucken, was kommt.

Und du möchtest das hinterher dann beruflich machen?

Auf jeden Fall. Ich kann mir nichts Cooleres vorstellen. Und wenn es nicht klappen sollte mit der Musik, würde ich Koreanistik studieren und nach Korea gehen.

Die Schule hast du aber unterbrochen?

Ja. Ich hatte schon durch „The Voice“ sehr viele Fehlzeiten, mein Zeugnis sah in diesem Halbjahr nicht so gut aus. Darum habe ich beschlossen, dieses Jahr zu wiederholen. Ich will ein gutes Abitur machen, und das kann ich nicht, wenn ich nur halbherzig dabei bin.

Hast du dich selbst mal am Songschreiben versucht? Zum Beispiel mit Michi und Smudo von den Fantastischen Vier, deinen Paten von „The Voice“?

Ich bin eifrig dabei, aber bevor ich irgendwas veröffentliche, wofür ich mich in zwei Jahren schäme, übe ich lieber noch ein bisschen weiter. Ich bin sehr selbstkritisch.

Welche Rolle spielen denn Smudo und Michi Beck in deinem Leben?

Eine sehr große. Die beiden haben dazu beigetragen, dass sich mein Leben komplett geändert hat, und sie stehen immer noch hinter mir. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar, das ehrt mich total. Michi ist im Moment meine wichtigste Vertrauensperson. Er weiß sehr viel von mir und hilft mir. Beide waren in Köln beim Vorentscheid für den ESC dabei, einfach so. Und sie werden im Mai wohl auch nach Stockholm mitkommen.


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