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Mensch-Hannover Iyabo Kaczmarek im Auge des Kultur-Wirbelwindes
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00:16 18.04.2013
SIE HAT DIE RUHE WEG: Iyabo Kaczmarek hat ein Theaterstück im trubeligen Hauptbahnhof produziert. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Sie ist ein Multitalent: Iyabo Kaczmarek (39) tanzt, produziert Theaterstücke, organisiert Großveranstaltungen - und hat ein ausgezeichnetes Netzwerk. „Alles verknüpft sich“, hat sie in den vergangenen zehn Jahren gelernt. Und: „Alleine geht nichts. Alles ist nur möglich, wenn du Freunde, ein Team hast.“ Den Preis der Stiftung Kulturregion bekommt sie Mittwoch für das Projekt „Hannover Central Station“. Im Hauptbahnhof konnten Zuschauer mitten im Reise-Trubel per Audioguide Szenen mit Schauspielern - darunter Lindenstraßen-Star Rebecca Simoneit-Barum (35) - verfolgen. Man könnte die Auszeichnung aber auch als eine Art frühen Oscar für das Lebenswerk des Kultur-Wirbelwindes sehen. „Ich habe immer an meine Arbeit geglaubt“, sagt sie selbst.

„Mit sieben wollte ich Artistin werden“, erinnert sich Kaczmarek. Die Waldorfschülerin machte klassisches Ballett, Step, Jazzdance und lernte freie Tanzkunst kennen. „Eine Offenbarung“, sagt sie im Rückblick. Schon damals entwickelt sie ein Gespür dafür, welche Inspiration der Raum einem Stück geben kann. Die Suche nach passenden Locations ist heute ihre „große Leidenschaft. Ich bin der Scout“, sagt sie mit blitzenden Augen. Das Stück „Energie“ spielte auf dem Dachboden des Amtsgerichtes, „Hausbesuch“ in den Wohnungen von acht Privatleuten, „Fremdes Leben“ in der Ernst-August-Galerie, „Identity“ in der Aegidienkirche. Angefangen hatte aber alles im kultigen „Wohnraumatelier“. In einer Sechs-Zimmer-Wohnung am Schwarzen Bären lud Kaczmarek zu Theater und Konzerten, zu Film- und Hörspielabenden, Ausstellungen. 8000 Euro Fördergeld gab es damals, Sascha Schmidts Theaterstück „Hannelore Kohl - Leben im Schatten“ dort wurde ein Riesenerfolg. „Ich habe gelernt, Gelder an Land zu ziehen, Förderanträge zu schreiben“, sagt Kaczmarek. Keine Kunst ohne Struktur, ohne Organisation.

Man traf sich im „Atelier“ aber auch, um ein Bier zu trinken, zu klönen, zu feiern. „Eine spannende Zeit“, sagt Kaczmarek. Die nach acht Monaten abrupt zu Ende war, weil das Bauamt vor der Tür standen. „Es wurde zu laut, zu voll, zu schwierig.“ Für die Fortsetzung im Ihmezentrum musste sie Lehrgeld zahlen - und Insolvenz anmelden. .„Ich habe meine Schulden abgearbeitet“, sagt Kaczmarek. Und dazu gelernt.

Seit 2008 organisiert sie für die Stadt die Fête de la Musique mit bis zu 150 Bands. Seit zweieinhalb Jahren gibt es im Ex-Burschenschaftshaus an der Königsworther Straße das GUT e.V - mit Konzerten, Tanz, Kultur. Was macht sie mit dem Preisgeld? „Wird in die nächste Produktion gesteckt“, sagt sie freudestrahlend. „Als wenn wir Geister wären“ heißt das Stück. Es spielt im Seniorenheim. Der Scout ist fündig geworden.

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