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GERMAN GIRL: Müller-Reinhardt spricht ihre englischen Texte für ITV am Maschsee, Kameramann Tim Fischer dreht. Die Neu-Hannoveranerin freut sich über Tipps für interessante Drehorte! © Frank Wilde

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Porträt

Isabella Müller-Reinhardt erklärt Engländern die Bundesliga

Für die Engländer ist sie „Mrs. Bundesliga“: Sportreporterin Isabella Müller-Reinhardt (40) hat für Arena, Sky und ARD gearbeitet, nun moderiert sie für den britischen Sender ITV die Wochenendspiele - und sucht dafür in Hannover gute Drehorte.

Die erste Sendung hat sie vor der HDI-Arena gedreht, na klar. Sie stand mit ihrem Kameramann aber auch schon auf der Lister Meile, in der Eilenriede und am Maschsee. Isabella Müller-Reinhardt (40) erklärt den Engländern jeden Montag, was am Wochenende in der Bundesliga los war. Es ist ihre vierte Saison beim Sender ITV (hat etwa den Rang von RTL bei uns): „Die Engländer wollten ein ,German Girl‘“, erzählt die erfahrene Sportreporterin der NP beim Treffen in der neuen Heimat Hannover. Seit Juli lebt die Münchnerin an der Leine. „Der neue Ort tut der Sendung gut“, findet sie - und schwärmt von Hannover: „Es gibt hier so vieles zu entdecken.“

Frauen, Fußball, Fernsehen. An diesen Dreiklang hat sich der Zuschauer in den vergangenen zehn Jahren gewöhnt, bei einer Blondine am Mikro zuckt heute niemand mehr zusammen. Müller-Reinhardt war eine der Pionierinnen auf diesem Feld. Sie fing an als Sportreporterin für den Lokalsender TV München. „Im Trainingslager mit dem FC Bayern war ich immer die einzige Frau im Hotel“, erinnert sie sich, „manchmal hat es auch nachts an meine Tür geklopft. Aber ich habe nie aufgemacht.“ Als sich 1999 der „Frauensender“ tm 3 die Rechte an der Champions League sicherte, saß sie als einzige Frau in Pressekonferenzen, redete mit Trainern auf Augenhöhe. „Viele haben anfangs komisch geguckt. Aber ich wusste, dass ich weiß, wovon ich rede“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Fußball ist ihr Thema, ihre Leidenschaft: „Das Wissen über diesen Sport kann man sich nicht anlesen, da muss man reingewachsen sein.“ Ist sie. Mit sechs zog die Familie nach Madrid, der Vater (übrigens Fan von Eintracht Frankfurt) war Manager bei BMW. Die Müller-Reinhardts wohnten in der Nachbarschaft einer spanischen Fußball-Legende: José Antonio Camacho (60), der einst 415 Partien für Real Madrid gespielt hatte: „Die Jungs aus meiner Klasse wollten unbedingt immer bei mir Hausaufgaben machen ...“ Mit 13 ging es zurück nach München, ihren ersten Stadionbesuch beim FC Bayern fand Müller-Reinhardt „okay“, das erste Live-Spiel von 1860 München aber war „der Wahnsinn, es war Liebe auf den ersten Blick“. Nach dem Abi war klar, dass sie „irgendwas mit Fußball“ machen wollte.

Müller-Reinhardt moderierte für Arena („Ich war jede Woche in drei Stadien“), Sat.1 und DSF, sie führte im BR durch „Blickpunkt Sport“, hatte ein Gastspiel bei Sky. „Damals waren Spieler noch Typen“, erinnert sie sich an ihre Anfangsjahre. Stefan Effenberg (47), Mario Basler (46) oder Thomas Strunz (47) hätten sich nie in eine Schublade stecken lassen. Heute gebe es Interviewtraining vom Verein - und meist 08/15-Antworten. Nur Philipp Lahm (31) rede immer Klartext: „Und Thomas Müller haut einen raus.“

Deutsche TV-Zuschauer sehen Müller-Reinhardt derzeit nicht, im Lebensmittelpunkt steht Sohn Jakob (3). „Das letzte Sky-Interview habe ich im achten Schwangerschaftsmonat gegeben“, erzählt die Blondine. Gesprächspartner war damals Claudio Pizarro (36). „Ich hatte 30 Kilo zugelegt, war doppelt so breit wie er“, sagt sie und schüttelt sich vor Lachen. Als ein halbes Jahr nach der Geburt der Anruf aus England kam, sagte sie zu: „Ein Drehtag in der Woche für ITV - das lässt sich prima mit Familie vereinbaren.“ Deutscher Akzent sei vor der Kamera erlaubt, sogar Grammatikfehler. „Es soll ja authentisch sein“, sagt das „German Girl“.

NP VISITENKARTE

Geboren am 15. November 1974 in München. Nach dem Abi volontierte sie bei TV München. Fußball ist nicht ihr einziges Fachgebiet, sie moderierte auch Olympische Spiele, Basketball, Eishockey und für RTL?2 die erste Staffel „X-Factor“, die mit Sport gar nichts zu tun hatte. Für die ARD berichtete Müller-Reinhardt über Wintersport: „Ich habe verrückte Orte auf der ganzen Welt gesehen – stand aber oft bei minus 20 Grad stundenlang am Moderationspult.“ Sie ist verheiratet mit Christoph Maier (36), dem „Head of Digital Sports“ des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND). Sohn Jakob ist drei Jahre alt.


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