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HIER SPIELT IHR KRIMI. Marion Griffith-Karger aus Sehnde am Ufer des Maschsees.

HIER SPIELT IHR KRIMI. Marion Griffith-Karger aus Sehnde am Ufer des Maschsees.
© Michael Wallmüller

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In ihren Krimis ist das Maschseefest mörderisch

Am 2. August startet das Maschseefest – für Krimiautorin Marion Griffith-Karger (59) aus Sehnde der Schauplatz eines Verbrechens. Die NP sprach mit der Autorin, die bereits ihren sechsten Krimi vorlegt, über ihr Buch „Maschsee-Mord“, gutes Wetter und über die Liebe zum Detail.

Hannover. Die schlechten Nachrichten gleich zu Beginn des Krimige­sprächs am Tatort Maschsee: Die Temple Bar gibt es nicht mehr, und wenn am Mittwoch die Seesause be­ginnt, sind an der Löwenbastion statt Konzert-Knallern eher chillige Atmosphäre und gemütliches Beisammensein angesagt. „Waaaaas­?­“ entfährt es Marion Griffith-Karger (59) entsetzt. An der Temple Bar lässt sie ihre Hauptfiguren, die taffe Kommissarin Charlotte Wiegand und den etwas stoffeligen Kollegen Bergheim, nach Feierabend Bier trinken. An der Löwenbastion verschwindet im Partygetümmel das (erste) Mordopfer.

Dabei hatte die Schriftstellerin im vergangenen Jahr während des Maschseefestes gründlich recherchiert. „Ich habe sogar hinter den Kulissen der Löwenbastion Absperrgitter ausgehebelt, um zu prüfen, ob man da ,verschwinden’ kann“, er­zählt die Autorin. Denn das tut die junge Mitarbeiterin eines Fitness-Studios. Eine Frau, aus deren Leben die letzten zehn Jahre scheinbar gelöscht sind. Eine Vergangenheit, die Charlotte und Bergheim mühsam zusammenpuzzeln.

Die Kommissarin hat ei­nen Vornamen, ihr Kollege und Partner heißt immer nur „Bergheim“. Warum? „Er hat einen Vornamen: Rüdiger. Aber den würde ich nicht mehr nehmen“, gibt die Autorin zu. „Aber beim ersten Band habe ich nicht an einen sechsten Band ge­dacht“, sagt die Deutsch-Britin und lacht: „Ich nehme das mit den Namen ernst, sie müssen klingen.“ Ihre Großmutter habe Charlotte geheißen, die Parallele zu „Tatort“-Ermittlerin Charlotte Lindholm alias Maria Furtwängler (50) sei eher Zufall.

Zum sechsten Mal lässt Griffith-Karger in Hannover morden, als Tatorte hat sie schon etliche Sehenswürdigkeiten der Stadt abgeklappert: Gestorben wurde schon am Maschteich, am Kröpcke und im Rathaus, es gab „Das Grab in der Ei­lenriede“ und den „Teu­fel von Herrenhausen“. Im gewissen Sinne sei das ja das Rezept von Regionalkrimis: „Es ist toll, wenn der Leser den Schauplatz kennt“, glaubt die 59-Jährige, die aber auch aus dem ganzen Bundesgebiet Post von Lesern bekommt. Be­sonders kritisch seien allerdings die Hannoveraner: „Die melden sich, wenn ich im Buch vergesse, dass eine be­stimmte Straße in der List eine Einbahnstraße ist und meine Kommissare in der falschen Richtung durchfahren ... Alles muss überprüfbar sein.“

Und bloß nicht zu blutig! Griffith-Karger steht dazu, dass in ihren Krimis immer Sommer ist. „Es muss ein bisschen nett sein, die Leser sollen sich gut unterhalten fühlen“, sagt die Autorin, de­ren großes Vorbild Agatha Christie († 85) ist und die die Bücher von Rita Falk (53) „hinreißend“ findet. „Meine Kommissare werden nie schie­ßend durch die Straßen rennen“, beteuert sie. Mehr als zwei Mordopfer pro Buch gebe es auch selten, dafür jede Menge Beziehungskrisen, Liebeleien und Lokalkolorit.

Im TV liebt Griffith-Karger die Krimireihe um „Inspector Barnaby“, sie inspirierte sie zu einer zweiten Serie – für „Inspector Bradford“ erfand sie zum ersten Mal einen Schauplatz, ein malerisches Küstenstädtchen in Südengland. „Da habe ich einen Traum wahr gemacht“, sagt sie begeistert. „Im zweiten Band findet so­gar ein Mord im Pfarrhaus statt“ – Reminiszenz an Aga­tha Christie. Außerdem habe sie mit diesen „Küsten-Krimis“, die zum Teil auch im ostfriesischen Carolinensiel spielen, ihre deutschen und englischen Wurzeln verknüpft. Ihr Vater war Engländer, als Kind musste sie die Sprache allerdings wie alle anderen in der Schule lernen – „ich wuchs leider nicht zweisprachig auf“.

Mittwoch beginnt das Maschseefest, für Griffith-Karger sind dann Temple Bar und Party-Remmidemmi an der Löwenbastion „schöne Erinnerungen“. Aber sie wird in Hannover weiter die Augen offen halten: „Ich klopfe Orte darauf ab, ob sie sich als Mordschauplatz eignen“, sagt sie. „Fantasie ist Fluch und Segen.“ Was fehlt auf ihrer mörderischen Liste? Sie grübelt kurz, murmelt leise: „Das trubelige Linden ...“

Marion Griffith-Karger: „Maschsee-Mord“, Emons-Verlag, 256 Seiten, 10,90 Euro.

Von Andrea Tratner


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