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Mensch-Hannover In dieser Bude kann Hannover proBier(en)
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00:17 14.07.2018
Nucki vor seinem Kisok in Linden. Quelle: Behrens
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Hannover

Der Kunde der an diesem Dienstagmittag in den Kiosk kommt und sich einen Softdrink aus dem Kühlschrank angelt, hat strubbelige Haare und verschlafene Augen. „Ich komme grad von der ,Fusion’“, erzählt er Ngoc Duc Nguyen (30), der ihn von seinem Platz hinter dem Tresen mit Handschlag und warmen Worten begrüßt. Ein kleiner Plausch über das Festival an der Müritz, ein Update über Neuigkeiten an der Limmerstraße – die „Pro-Bier-Bude“ von Kioskbetreiber „Nucki“ ist Nachrichtenzentrale, Nachbarschaftstreff. Und Anlaufstelle für Craft-Bier-Fans!

Gut 100 Sorten stehen in den Kühlschränken, die den nur 25 Quadratmeter großen Kiosk bestücken – „105 ist meine Richtzahl, so wie die Hausnummer“, berichtet Nguyen, der außerdem 30 Brausesorten im Sortiment hat. Asian Tiger Lager, Citilla IPA Weizen, das „Love & Ace“ Baltic Porter von der Südstädter Mashsee-Brauerei – „ich wechsle regelmäßig durch, der Name ist Programm“. In der Pro-Bier-Bude soll es immer etwas Neues zu probieren geben.

Der Kiosk ganz am Ende der Limmerstraße mit Blick auf den nächsten Stadtteil läuft. „Hallo Nucki“ grüßen die Passanten den Kioskbetreiber, der sein Unternehmen mit wissenschaftlichem Ehrgeiz betreibt. Nach einigen Semestern BWL an er TU Clausthal hat Nguyen („in Vietnam ist der Name so häufig wie Müller, Meier und Schmidt zusammen“) auf Wirtschaftsinformatik in Hannover umgesattelt – seine Abschlussarbeit befasst sich mit der Kioskentwicklung in Linden.

„Ich wollte den Vergleich ziehen zwischen althergebrachten Systemen, in denen die Betreiber oft noch per Auge und Bauchgefühl arbeiten, und einem modernen Kiosk-Unternehmen mit Warenwirtschaftssystem, Steuer- und Finanzplan.“ Theorie und Praxis treffen sich in der Limmerstraße 105: Ende 2016 übernimmt Nguyen „Nuris Kiosk“, in dem sein jüngerer Bruder gejobbt hatte, reißt die weißgekachelten Wände raus, gestaltet den winzigen Laden neu, entwirft ein Konzept.
Erste Erkenntnis: „Herri kriegt man überall.“ Sein Kiosk müsse aber neben dem Hannover-Klassiker mehr bieten. „Nucki“ erwirbt eine Schanklizenz, in seiner Bude darf er Cocktails mixen, die Kunden dürfen ihr Craftbier auch vor der „Pro-Bier-Bude“ zischen. Der Laden läuft, ist inzwischen ein Treffpunkt, sogar ein Konzert mit einer karibischen Band hat Nguyen bereits auf engstem Raum organisiert. Sein Rezept? „Gastfreundlichkeit – die muss einem aber im Blut liegen“, sagt der gebürtige Mindener mit vietnamesischen Wurzeln, dessen Vater in den 80ern zu den „Boat People“ gehörte, denen in Deutschland Zuflucht gewährt wurde. „Und die Produktpalette ist wichtig.“

Die erinnert so manchen Kunden an „Onkel Ollis Kiosk“ in der Nordstadt. „Das höre ich immer wieder“, sagt Nguyen, der in Linden aufgewachsen ist, mit einem amüsiertem Kopfschütteln. „Dabei war ich noch nie da.“ Doch es gibt auffällige Parallelen: „Ich möchte eine Ausbildung zum Biersommelier machen – und irgendwann mein eigenes Bier brauen“, lautet Nguyens Plan. Marc Oliver „Onkel Olli“ Schrank (39) hat vergangenes Jahr das „30167 Pils“ mit der Nordstadt-Postleitzahl auf den Markt gebracht.

Aber auch „Nucki“ hat Pläne: Mitte August eröffnet er neben der Bude die „Pro-Bier-Bar“. Seit Jahren steht das Lokal mit den großzügigen Fenstern und den bei Lindenern einst sehr beliebten Außenplätzen mit maximal langer Sonneneinstrahlung leer – der Pizza-Lieferdienst im Hinterzimmer macht weiter, vorne hat Nguyen die Wände mit groben Holzbrettern vertäfeln lassen, von den Decken baumeln schon puristische Glühbirnen-Lampen, der Tresen wirkt edel. Der 30-Jährige weiß aber den erdigen, bodenständigen Lindener Charme zu schätzen. Deshalb: „Es soll nicht schick werden, aber schick aussehen.“

Andrea Tratner

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