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PERFEKTE HALTUNG: In der neuen GOP-Show „Impulse“ zeigt Katharina Lebedew beeindruckende Akrobatik.© Frank Wilde

Porträt

"Impulse" die neue Show im GOP

Bis 13. November steht Sportakrobatin Katharina Lebedew für die Show „Impulse“ auf der GOP-Bühne. Im Gespräch mit NP-Mitarbeiterin Janina Scheer verriet sie, wie ihr Leben abseits der Bühne aussieht und was sie an Hannover besonders liebt.

Dass Katharina Lebedew (27) beim NP-Gespräch ein wenig mit Rückenschmerzen zu kämpfen hat, verwundert kaum. Schließlich vollführt die Sportakrobatin bei der GOP-Show „Impulse“ atemberaubende Verrenkungen, bei denen sich die meisten Menschen wohl den Rücken brechen würden. Aber die gebürtige Kasachin ist Profi und gibt auf der Bühne alles. Auf den ersten Blick wirkt sie zierlich, doch ihr Körper ist drahtig und muskulös.

„Ich war schon als Kind immer sehr sportlich“, sagt sie. Die Lust an Bewegung liegt offenbar in ihren Genen. „Mein Papa ist Kunstturntrainer, meine Mama Ballettlehrerin“, erzählt Lebedew, „ich habe es auch erst mit Tanzen versucht, bin dann aber schnell zum Turnen gewechselt.“ Mit neun Jahren stieg sie in den Leistungssport ein. Ihre Schwester Oxana (29) ist heute Profi-Lateintänzerin und war im Frühjahr in der RTL-Show „Let’s Dance“ an der Seite von Promi-Koch Attila Hildmann (35) zu sehen.

Als Lebedew elf Jahre alt war, zog die Familie nach Berlin: „Rückblickend finde ich es schon erstaunlich, wie schnell wir uns eingelebt haben und wie intensiv diese Erfahrung war.“ In der Hauptstadt trainierte sie fleißig in Papas Turnhalle und im Verein weiter. Der Lohn: zahlreiche Pokale, Medaillen und Meistertitel. „Irgendwann musste ich aber erkennen, dass ich meine Grenzen erreicht hatte“, gesteht die 27-Jährige.

Nach dem Abitur am Sportgymnasium wollte sie eigentlich Mode-Design studieren: „Dafür habe ich sogar ein Praktikum in einer Schneiderei gemacht.“ Auch hier ist sie ihrem Vater sehr ähnlich. „Er nähte oft Kostüme für Turnauftritte“, erklärt Lebedew, „ich bin halt ein Papa-Kind.“ Doch ein Anruf eines Kollegen änderte ihre Pläne. „Das Chamäleon-Theater in Berlin suchte ein Mädchen, das Handstand konnte“, sagt sie grinsend. Prompt folgte die Anfrage für die GOP-Produktion „Base - die Show“. Die erste Aufführung fand in Hannover statt. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, so Lebedew. Doch sie fühlt sich wohl in der Welt des Varietés. Und in Hannover. „Meine Heimat ist zwar Berlin, aber Hannover finde ich wunderschön“, so die Künstlerin, „die Häuserfassaden in der List, den Maschsee und Linden mag ich besonders.“

Lebedew hat schon einige Städte kennengelernt. Ihre Engagements bedeuten, dass sie oft weit weg von zu Hause ist. Familie und Freunde versucht sie regelmäßig zu sehen. „Sie erden mich und erinnern mich daran, wo ich hingehöre“, betont die Artistin, „diese Szene ist eine Welt, die sehr viel Energie aufsaugt.“

Auszeiten sind ihr deshalb wichtig. Freie Tage verbringt sie gern in Ruhe, ohne Mails und Handy-Klingeln, mit ihrem Freund Dennis Mac Dao (26). Seit fast fünf Jahren sind die beiden ein Paar. Der Halbvietnamese belegte 2013 den zweiten Platz in der Pro-7-Show „Got to Dance“ und steht nun mit seiner Freundin für „Impulse“ auf der GOP-Bühne. „Es ist schön, dass wir das zusammen erleben“, sagt Lebedew lächelnd. Räumliche Trennungen ist das Paar gewohnt. Vor drei Jahren arbeitete die Akrobatin monatelang auf einem Kreuzfahrtschiff, 2014 war sie fast sechs Monate unterwegs. „Vertrauen und Ehrlichkeit sind in so einer Beziehung besonders wichtig“, findet sie, „wir sind nicht nur Partner, sondern auch Kollegen, Freunde und einfach ein Super-Team.“

Das Varieté sieht sie als eine gute Schule, um sich weiterzuentwickeln. Doch ihr ist klar, dass sie den Job nicht bis zum Rentenalter machen kann. „Es kommt natürlich immer auf die individuelle körperliche Verfassung an“, erklärt sie, „ich will mich da noch nicht festlegen.“ Trotzdem sondiert sie schon jetzt ihre Möglichkeiten: „Bühnenbild, Choreografie, Regie - das sind Bereiche, die ich mir für mich vorstellen könnte.“ Für einen Neuanfang braucht es immer auch ein wenig Mut. Lebedew nimmt es gelassen: „Man darf keine Angst haben, auf die Nase zu fallen, sondern muss aus negativen Erfahrungen und Kritik lernen.“

Konstruktive Kritik gibt es auch vom ehemaligen Trainer, ihrem Vater. „Wenn meine Eltern im Publikum sitzen, bin ich echt nervös“, gesteht Lebedew und lacht. Sie lacht gern und viel. Ihre sonst warme ruhige Stimme klingt dabei ein bisschen kratzig und frech. „Ich liebe das Leben“, sagt sie und fügt mit einem unterdrückten Kichern hinzu: „Manchmal bin ich dabei aber auch ganz schön laut.“ Neben ihrer spontanen und lebenslustigen Art hat sie aber auch eine ruhigere Seite. „Ein strukturierter Alltag gibt mir den nötigen Halt“, erklärt sie. Die Turnerin ist sich sicher: „Balance ist wichtig.“ Ein Satz, der nicht nur auf der Bühne gilt, sondern für ihr ganzes Leben.

Im Auge des Trommelsturms: „Impulse“-Show lässt GOP vibrieren

„Eigentlich ist dieses Haus gar nicht für Shows dieser Art gebaut“, kündigt GOP-Chef Dennis Bohnecke (37) an. Für die Produktion „Impulse“, die bis 13. November in Hannover gastiert, werden große Bühnen mit hohen Decken benötigt. Kein Grund, das lautstarke Tanzspektakel nicht trotzdem zu zeigen. Und es hat sich gelohnt: Die Show ist intensiv, leidenschaftlich und voller Emotionen. Nebel wabert über die Bühne, die schweren tiefroten Samtvorhänge öffnen sich. Dann geht alles ganz schnell und plötzlich ist die Bühne voll. Neun Menschen klettern blitzschnell die Wände, die aus Trommeln in verschiedenen Größen bestehen, empor und dreschen in einem mitreißenden Rhythmus darauf ein. Daniel Sullivan (24), ein Ire mit ausgeprägter Leidenschaft für Stepptanz, trommelt so hart, dass die Sticks brechen.

Akrobat Robert James Webber (31) ist der Überraschungshit der Show. Der US-Amerikaner sieht auf den ersten Blick nicht unbedingt wie ein Pole-Dance-Talent aus. Weit gefehlt. Mit geschmeidigen Bewegungen und kraftvollen Bewegungen manövriert er sich an der Stange schwebend in die Horizontale.

Turnerin Katharina Lebedew (27) beeindruckt mit ihrer düsteren Darbietung in einem schwarzen, hochgeschlitzten Kleid. Sie verbiegt ihren Körper so mühelos, als hätte sie keine Knochen.Das Trommeln, das den musikalischen Rahmen für die einzelnen Darbietungen bildet, haben sich alle Künstler hart erarbeitet. „Wir haben fast vier Wochen jeweils acht Stunden am Tag geübt“, erzählt Lebedew. Denn: „Manchmal hängt man in ziemlich unbequemen Positionen an der Trommel-Wand.“

Die Hannoveraner Chris Myland (26) und Felice Aguilar (25) haben ein Heimspiel: Die Performance der „Got to Dance“-Finalisten sprüht vor Liebe, Leidenschaft und Drama. Das gilt auch für Dennis Mac Dao (26). Bei seinem Tanz in einem Wirbelwind aus weißen Federn wird es still im Saal. Die Ruhe vor dem nächsten Trommelsturm! 

Die aktuelle Show „Impulse“ läuft bis 13. November im GOP (Georgstraße 36), Karten kosten 15 bis 39 Euro. NP-Leser mit Abo-Plus-Pass bekommen Rabatt gutgeschrieben.

VON JANINA SCHEER


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