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In Isernhagen auf Tour: Unternehmerin Tina Voß und NP-Marketingchef Christoph Dannowski.

In Isernhagen auf Tour: Unternehmerin Tina Voß und NP-Marketingchef Christoph Dannowski.© Frank Wilde

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NP-Serie

Im Morgengrauen: Joggen mit Tina Voß

Manager, Politiker, Sportler, Showgrößen – viele Hannover-Promis halten sich laufend fit. Einmal im Monat lässt sich NP-Marketingchef Christoph Dannowski von einem VIP dessen Lieblingsrunde zeigen. Zum Auftakt hat der 47-jährige Marathoni Unternehmerin Tina Voß zu „Dannos prominenter Runde“ gebeten.

Isernhagen. Langsam verwandelt sich die stockfinstere Nacht in einen erfreulichen Morgen. Die Sonne geht auf, als Tina Voß mich mit fröhlichem „Hallo“ an der Marienkirche in Isernhagen begrüßt. Hannovers Vorzeigeunternehmerin ist gnädig mit mir. Viermal die Woche startet sie ihre 9,25 Kilometer lange Tour durch die Feldmark exakt um 5.30 Uhr. Weil Weihnachten ist, treffen wir uns „erst“ um acht Uhr früh.

„Dabei schlafe ich gerne aus“, sagt die 43-Jährige, während wir uns vor der klobigen Kirche dehnend erwärmen. Sie habe vor zwölf Jahren beschlossen, regelmäßig zu laufen, und ein Blick in den Terminkalender habe ergeben: „Das klappt nur vor der Arbeit. Wenn ich abends heimkomme, bin ich zu kaputt.“

So ist Voß des Sportes wegen zur Frühschläferin („Das Ende des Tatortes kriege ich gerade noch mit“) und Frühaufsteherin (um 4.55 Uhr klingelt der Wecker) geworden. Überhaupt, die Anfänge. „Eigentlich war Radfahren mein Sport“, erzählt sie, während wir in der Kircher Bauernschaft (Isernhagen K.B.) ein prachtvolles, aus Raseneisenstein erbautes Haus aus dem 17. Jahrhundert passieren. Voß startete sogar bei Wettkämpfen für den RSV Adler Goslar. „Nur als Ausgleich“ fing sie 1989 das Laufen an, auch dabei packte sie der Ehrgeiz: „Ich wollte austesten, was möglich ist.“ Die Tests endeten 2001 mit ihrer Marathon-Bestzeit in Berlin (3:58 Stunden, „ich wollte einmal die Drei vorne“). Seitdem ist die 96-Dauerkartenbesitzerin nie mehr schnell gelaufen, auch das Tempo an diesem zweiten Weihnachtsfeiertag ist gemütlich. 6:30 Minuten für den Kilometer, so entgeht uns die Schönheit der Region nicht.

Wenn sie ganz früh und allein durch die Dunkelheit rennt, weist eine Stirnlampe den Weg: „Inzwischen kenne ich aber jeden Meter auswendig.“ Laufend findet Voß in den Tag, kann vor der Hektik des Büroalltags, vor den Meetings ganz für sich sein. „Das hat etwas Meditatives“, sagt sie, „mittlerweile ist es auch eine Sucht. Ich brauche diese Einheiten.“

Nach gut vier Kilometernbleibe ich staunend stehen.Rechts ist ein gewaltiges Gebäude aufgetaucht, das Seefugium. In diesem Idyll also hat Kanzler Schröderdie Mächtigen der Welt empfangen. Nur eine Amsel piepst über dem Gelände, das einst dutzende Sicherheitskräfte absperrten.

„Los, weiter!“ Tina Voß will in Bewegung bleiben. Das ist die Kilimandscharo-Bezwingerin eigentlich immer, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Wir sind befreundet und schon auf den Brocken, die Zugspitze, im Ostharz und dem Rosengarten in Südtirol gewandert. Leichtgewicht Voß (60 Kilo, bei mir muss man eine Zahl umdrehen) ist zielstrebig, im Job wie in der Freizeit. Indu-striekauffrau hat die Frau aus einem kleinen Kaff (Gittelde ist ein Flecken im Landkreis Osterode) gelernt, im Lebensmittel- und Baustoffhandel und in der Damenoberbekleidung gearbeitet, bevor sie Betriebswirtin wurde und sich 1996 selbstständig gemacht hat. 42 Angestellte hat die Tina Voß GmbH heute und 500 Menschen in Arbeit. „Das gibt ein gutes Gefühl“, sagt die Mops-Hundeherrin am Ende unserer Runde. Wir sind wieder an St. Marien, Voß freut sich auf Herrn Karlsson (den Mops), ihren Kaffee („so wichtig wie das Laufen“) und plant laut das kommende Jahr. Ein Fünf-Tage-Rennen in Lappland, der Start beim Airport Run und 208 frühe Runden wie diese eben. „Da bin ich eisern“, sagt Tina Voß, „das Laufen ist wichtig für mein Leben.“ Wie sonst vielleicht nur noch 96, Herr Karlsson und ihre Firma im Pelikanviertel.