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Mensch-Hannover Illustrator Schwarz schickt Ludmilla auf Beutezug
Menschen Mensch-Hannover Illustrator Schwarz schickt Ludmilla auf Beutezug
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00:16 05.12.2015
AM COMPUTER: Hier hat Thies Schwarz die Meisterdiebin Ludmilla entworfen. Quelle: Heusel
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Einen Beruf zu haben, den man nicht als Arbeit empfindet - davon träumen viele. Für Thies Schwarz (46) ist das Alltag. Er ist Illustrator und lebt seit 23 Jahren in Linden. „Den ganzen Tag machen zu können, was man mag, ist toll - führt aber auch dazu, dass man die Zeit vergisst und länger arbeitet, als man eigentlich geplant hat“, erzählt Schwarz. Früher hat er so schon mal die eine oder andere Nacht durchgearbeitet. Seitdem er Vater ist, versucht er aber, kinderfreundliche Arbeitszeiten einzuhalten.

Vier Töchter hat der Illustrator: Malene (20), Lola (18), Alva (5), und vor zwei Monaten ist noch Baby Cleo dazugekommen. Mit seiner Freundin Katja (40) und den zwei Jüngsten wohnt er in Linden. „Ich bin 1992 zum Studieren nach Hannover gekommen. Ich habe hier alles, was ich brauche - sogar meine Bürogemeinschaft habe ich hier gefunden“, erzählt der gebürtige Karlsruher.

Nach seinem Studium der Visuellen Kommunikation an der Fachhochschule Hannover hat er zunächst für die Animationsfilme „Back to Gaya“ und „Urmel aus dem Eis“ mehrere Charaktere und Landschaften entworfen. Seit 2005 ist er selbstständiger Illustrator und gestaltet unter anderem Brettspiele für Haba und Plakate für Veranstaltungen - aber auch ganze Flugzeuge. 2014 hat er dem „Weihnachtsflieger“ von Air Berlin ein weihnachtliches Gewand verpasst und eine winterliche Häuserzeile entworfen - auf 2,3 mal 18,7 Metern. „Das war eine echte Herausforderung. Eine kleine Abweichung beim Gestalten am Rechner ist in der Realität dann gleich ein halber Meter“ sagt Schwarz.

Dass er später einmal einen Beruf haben will, in dem er zeichnet, wusste Schwarz schon früh. „Ich habe als Kind viele Comics gezeichnet, aber da weißt du ja noch nicht, dass es das auch als richtigen Beruf gibt“, erzählt er. Zum Autor für - eher ungewöhnliche - Kinderbücher ist er zufällig geworden. „Ich habe meinen Töchtern immer viel und gerne vorgelesen - irgendwann habe ich mich geärgert, dass es so wenig weibliche Protagonisten in den Kinderbüchern gibt“, erzählt der 46-Jährige. Und doch war sein erstes Kinderbuch „Alfonso - der Meisterdieb“. Wieder ein männlicher Hauptdarsteller. „Das hat sich irgendwie so ergeben“, gesteht Schwarz. Deswegen habe er jetzt mit „Ludmilla - die Meisterdiebin“ ein weibliches Pendant geschaffen.

Das Besondere an Thies Schwarz’ Kinderbüchern ist, dass sie fast ohne Text auskommen. Einzig ein paar Schlagworte als Erklärung sind auf den Illustrationen zu finden. Den Ablauf der Geschichte selbst muss der Leser anhand der Bilder enträtseln.

„Ich habe einmal aus Spaß versucht, mit nur einer Illustration einen Trickdiebstahl darzustellen. Freunde, denen ich die Bilder gezeigt habe, waren begeistert und wollten noch mehr davon sehen“, so Schwarz. Immer wenn ein Auftrag ihn nicht genug gefordert hat, hat er seine Kreativität in den Kinderbüchern ausgelebt: „An den Alfonso-Zeichnungen habe ich zwei Jahre gearbeitet, bis ich zufrieden war. Dass daraus jetzt ein Buch und sogar ein Nachfolger entstanden ist, hätte ich damals nicht gedacht.“

Thies Schwarz ist mit Leib und Seele Illustrator. Auf seinem Schreibtisch stehen keine Bilder von der Familie, sondern eine Inspirationssammlung aus den gezeichneten Monstern, Tieren und Figuren: „Es kommt auch schon mal vor, dass ich mehr Zeit in ein Projekt stecke, als ich eigentlich sollte. Aber ich empfinde meinen Job nicht als Arbeit.“ Ein Hobby, um den Alltagsstress abzubauen, braucht der 46-Jährige deswegen auch nicht: „Meine Familie ist mein Hobby.“

VON SUSANNE KOLBECK

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