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Mensch-Hannover Ilka Bessin: „Cindy aus Marzahn vermisse ich nicht“
Menschen Mensch-Hannover Ilka Bessin: „Cindy aus Marzahn vermisse ich nicht“
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16:48 10.04.2019
Die Komikerin Ilka Bessin kommt zur Verleihung des Deutschen Comedypreises. Quelle: dpa
Hannover

Darüber sprach Ilka Bessin (47) mit der NP. Und: Im Winter tritt sie mit neuem Programm im Pavillon auf.

Frau Bessin, Ihr Buch widmen Sie Ihren Eltern. Sie schildern darin aber auch, dass Sie in Teilen keine rosige Kindheit hatten. Was hat Sie so stark gemacht, trotz Dresche zu verzeihen?

Meine Eltern! Ja, ich habe auf den Hintern bekommen. Wenn ich mich mit Leuten in meinem Alter unterhalte, war ich da wohl auch nicht alleine. Ich will das nicht rechtfertigen, vergesse es auch nicht. Aber ich habe meinen Eltern verziehen, sie haben sich entschuldigt. Was hätte ich sonst machen sollen als zu sagen: Okay, es ist gut, ich liebe euch.

Worüber Ihre Eltern sicherlich froh waren.

Ja, aber auch ich wäre meines Lebens sonst nicht mehr froh geworden. Das zermürbt einen doch. Und es hätte anders kein Zusammensein mehr gegeben. Meine Eltern sind in einer schwierigen Zeit groß geworden. Sie konnten uns Kindern gegenüber nur schwer Liebe zeigen. Einfach mal sein Kind drücken oder „ich liebe dich“ sagen, so etwas kannten sie gar nicht. Trotz alle dem habe ich mit beiden eine wunderschöne Zeit gehabt, mein Papa ist inzwischen leider verstorben. Mein Anliegen war und ist, mich um meine Eltern zu kümmern, dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Ich hätte nie am Grab stehen wollen und mir sagen müssen: Hätteste mal …

Sie schreiben von Mobbing in der Schule, von harten Hartz-IV-Zeiten, davon, wie Sie 36 Kilo zugenommen und Würstchen im Wasserkocher zubereitet haben. Aber auch von Erfolgszeiten, in denen Sie selbst zum Fiesling geworden sind.

Die Zeiten während meines Höhenflugs waren schon krass. Die Phase dauerte zwar nicht Jahre, aber doch eine Zeit lang. Und manchmal schäme ich mich noch heute dafür, und es ist mir peinlich. Ich kam von Hartz IV, hatte plötzlich Geld und Leute um mich herum, die mir andauernd gesagt haben, wie toll das ist, was ich mache. Ich weiß, dass ich mich nicht immer cool verhalten habe, aber heute weiß ich, dass man lernen kann, sich Schwächen einzugestehen. Und sich zu entschuldigen. So wie meine Eltern sich bei mir entschuldigt haben.

Vor sieben Jahren gab es einen Schuss vor den Bug, Sie sind kollabiert. Was hat sich seitdem verändert?

Ich könnte jetzt sagen, ich habe sooo viel gearbeitet. Habe ich auch. Aber ich habe auch Übergewicht, mein Blutdruck war ganz schön hoch. Seit geraumer Zeit versuche ich, mich mehr um mich zu kümmern, habe einen Trainer, gehe zur Aquagymnastik. Auch ein dicker Mensch kann sich bewegen, ich gehe viel mit meinem Hund raus. Generell nehme ich mir mehr Zeit, um auf mich zu achten und zu entspannen – das geht auch bei der Fußpflege ganz gut. Das heißt aber nicht, dass ich nicht gerne essen gehe: Mein bester Freund hat ein Restaurant, was soll ich sagen (lacht).

Hat der Kollaps dazu beigetragen, sich nach elf Jahren von der Kunstfigur Cindy aus Marzahn zu trennen?

Nee. Ich habe mit der Bühnenfigur Cindy aufgehört, weil die Geschichten zu Ende erzählt waren. Ich wollte auch nicht, dass die Leute irgendwann sagen: Ich kann es nicht mehr hören. Ich wollte außerdem auch mal andere Themen auf die Bühne bringen, politische zum Beispiel. Und zwar so, dass Menschen nicht denken, ich mache mich lustig darüber. Ich will Statements geben und ernst genommen werden – mit Mop auf dem Kopp und im pinken Jogginganzug war das eher schwierig.

Frühere Figur: Ilka Bessin will nicht mehr Cindy aus Marzahn sein. Quelle: dpa

Vermissen Sie Cindy denn?

Ich vermisse sie nicht, nein. Aber ich denke gerne an die Sachen und Dreharbeiten zurück, die ich mit der Figur gemacht habe. Die Zeit jetzt sehe ich als Zugabe von Cindy aus Marzahn an – denn ohne sie wäre das, was ich heute alles mache, nicht möglich gewesen.

Was wäre aus Ihnen ohne Cindy geworden?

Ich habe schon immer in der Gastronomie gearbeitet, das habe ich ja gelernt. Vielleicht hätte ich so ein kleines Frühstückshotel irgendwo am Wasser eröffnet, an der Ostsee zum Beispiel.

Sie haben einige Zeit im Berliner „Planet Hollywood“ gearbeitet, die Mitinhaber Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger waren mal dort. Haben Sie die später je wiedergesehen?

Nein. Dafür aber Gäste, die ich in einem beliebten Szene-Frühstücksladen bedient habe, Moritz Bleibtreu zum Beispiel. Neben ihm habe ich Jahre später in einer Talkshow gesessen, das war dann schon skurril und verrückt.

Genauso verrückt ist, dass Ihre Jobcenter-Betreuerin Sie in Ihrer Zeit als Arbeitslose nicht sonderlich unterstützt hat. Später wollte sie ein Autogramm.

Ach ja, die Frau Knippschild. Ich hatte ja Hotelfachfrau gelernt, sollte trotzdem als Maßnahme einen Word- und Excel-Kurs machen – obwohl ich das konnte. Ich wusste, wie man am Computer Briefe und Bewerbungen schreibt. Trotzdem sollte ich das unbedingt auffrischen. Ergebnis war, dass ich acht Wochen lang Solitaire gespielt habe.

Nicht gerade erbaulich.

Ich kann es ihr heute gar nicht mal übelnehmen. Wir haben einfach aneinander vorbeigeredet, das ist manchmal so bei Menschen. Ich sah nur meine Zukunft schwinden, ich wollte ja was machen – nur zu dem Zeitpunkt eben keine Gastronomie mehr. Trotzdem hoffe ich, dass es ihr gut geht und sie ihren Job ausüben kann, ohne großen Druck zu haben. Allerdings glaube ich, dass vieles vom Jobcenter überhaupt gar nichts mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu tun hat, sondern mit dem Schönen von Zahlen. Viele sogenannte Maßnahmen sind einfach nur respektlos, zum Beispiel Menschen Worte mit „tz“ schreiben zu lassen.

Auch Mitschüler, die früher fies waren, Sie „dicke, fette Arschbulette“ genannt haben, wollen heute mit Ihnen Kaffee trinken.

Manchmal saßen sie auch in der Show und ich habe zugegebenermaßen ganz gehässig gedacht: Aha, da hockt ihr jetzt also. Ich bin überzeugt, manche Dinge regelt das Schicksal von ganz alleine.

Warum haben Sie eigentlich Ihre Tournee um ein Jahr verschoben?

Nach der Veröffentlichung meines Buches habe ich unerwartet viel und positives Feedback bekommen. Das hat mich dazu bewegt, auch in meinem Bühnenprogramm mehr auf meine Biografie einzugehen. Das hatte ich vorher anders geplant. Die inhaltliche Umstellung braucht natürlich Zeit, daher geht es nun im Dezember endlich los.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Hannover denken?

Dass ich einen meiner ersten Auftritte dort hatte. Hinterher war ich im Hotel, saß am Tresen und hatte richtig Hunger. Die Küche hatte schon geschlossen, aber die nette Dame hat mir noch eine Suppe warm gemacht. Dass sie sich so reizend um mich gekümmert hat, bringe ich immer mit Hannover in Verbindung. Das werde ich nie vergessen.

 

Ilka Bessin tritt mit ihrem Programm „Abgeschminkt!“ am 20. Januar 2020 im Pavillon auf. Tickets kosten 32 Euro und sind etwa in den NP-Ticketshops (Lange Laube 10) oder online erhältlich unter www.np-ticketshop.de

Von Mirjana Cvjektovic

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