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Mensch-Hannover Ihre Wortgefechte sind große Kunst
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15:12 11.03.2018
PREMIERE IM APOLLO: Im Kino an der Limmerstraße stellen Wiebke Eymess und Fridolin Müller am 5. März das neue Programm vor. Quelle: Frank Wilde
Hannover

In Bayern und Baden-Württemberg werden Wiebke Eymess (39) und Friedolin Müller (33) geliebt, die Kabarettbühnen reißen sich um das Duo „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“. Woran das liegt? „Das muss der Exotenbonus Hochdeutsch sein“, mutmaßt Ey­mess und lacht. Sie hat einen Masterplan: „Wir bauen jetzt den Norden aus.“ Gezwungenermaßen. Sie und Müller haben zwei Kinder (zwei und vier Jahre alt), die Ältere wird im Sommer 2019 eingeschult.

Die beiden sind seit zehn Jahren ein „real-fiktives“ Liebespaar, kennengelernt haben sie sich beim Studium in Hildesheim – Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis. Mit „Mitternachtsspaghetti“ trugen sie ihre Wortgefechte auf der Bühne aus, „Paradiesseits“ haben sie über Stadtliebe und Landleben diskutiert. Jetzt werden sie auf der Bühne von der „dramatischen“ Veränderung berichten: Aus der Oststadt ging es in einen 800-Seelen-Ort im Süden der Region.

„Es wird aber kein Fortsetzungsroman“, gibt Müller Entwarnung. Die Spezialität des Duos ist, die feine Ba­lance zwischen authentischen Beziehungsdetails, Politik-Kabarett und Gesellschaftsstudie zu wahren: „Die Leute wollen nach der Vorstellung oft wissen, ob wir wirklich ein Paar sind.“ Sind sie. Eines, das auf der Bühne streitet und privat hochharmonisch ist – außer es geht um die Arbeit. „Zündstoff ist wichtig. Aus Reibung entsteht Energie“, findet Ey­mess, „ich bin für die Schenkelklopfer zuständig, Friedolin für die intellektuellen Passagen.“ Sie war auch dieje­nige, die es von der Oststadt aufs Land zog. Idylle pur? „Na ja, die hohen Mietpreise haben uns aus der Stadt gezwungen. Nun leben wir auf einer Insel inmitten von Monokulturen. In der Oststadt gibt es mehr Vogelarten als in unserem Dorf, ein Kaninchen habe ich hier auch noch nie gesehen.“  

Ein weiteres Thema ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau: „Wir wollen die Kinder gemeinsam großziehen“, haben Ey­mess und Müller beschlossen. Das geht derzeit nur, weil die Oma eine „begeisterte Tourbegleiterin“ ist und viele Theater Verständnis haben für die Lebensplanung des Paares. „Kabarett ist in Deutschland oft noch: ein Mann, ein Mikrofon“, seufzt Eymess. Sie lassen sich aber nicht unterkriegen: „Wir sind Kinder unserer Zeit, wir leben dieses Thema.“

Kritiker loben den virtuosen Sprachwitz und das akkurate Timing der beiden. „Wir sind Alles- und Nichtskönner, alte Schule wie in Hollywood“, scherzt die 39-Jährige. Sie schreiben, singen, führen Regie – „und jetzt tanzen und jonglieren wir sogar“, verkündet Müller. die Action-Offensive auf der Bühne.

Ehrgeizig waren sie von Anfang an: „Wir haben ja gleich ein Abendprogramm geschrieben, statt auf offenen Bühnen zu experimentieren“, erinnert sich Möller an den ersten Auftritt in einer Lüneburger Kneipe – „es war fürchterlich“. Und ein hartes Brot, für Kabarettwettbewerbe Fünf-Minuten-Nummern  zu komprimieren. Die Liste der Preise der „Fensterbänkler“ klingt allerdings so, als könne man damit einen kompletten Hausstand ausstatten: St. Ingberter Pfanne, Stuttgarter Besen, Passauer Scharfrichterbeil. Dazu kommen TV-Auftritte in der ZDF-„Anstalt“, „Ladies Night“, „NDR-Talk-Show“. Es läuft, könnte man sagen. Das Geheimnis? „Blindes Vertrauen, wir können uns aufeinander verlassen“, sagt Müller, und es klingt wie eine Liebeserklärung.

Info: Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie

Für den Namen dieses Kabarett-Duos braucht man einen langen Atem: Angelehnt ist er an einen Ausspruch vom Eymess’ Großmutter, die ihn gern beim Doppelkopf-Spiel zum Besten gab. Basis ist ein Wanderlied von Tu­cholsky, das auf „gute Nacht, auf Wiedersehen, Marie“ endete. Im Volksmund kam damals das erotisch-zweideutige „das Geld liegt auf der Fensterbank“ dazu – als Anspielung auf die Be­lohnung für den Liebesdienst.

Das dritte Programm „Gleich knallt’s“ wurde in diversen Testvorführungen getestet, Premiere ist am Montag, 5. März, im Apollo (Limmerstraße 50), Karten kosten 21,50 Euro, ermäßigt 18,50 Euro. Am Donnerstag, 8. März, tritt das Duo im TaK am Küchengarten auf, der Eintritt kostet 25,45 Euro.  Am 16. Oktober führt die Tour noch mal ins Apollo. www.aufderfensterbank.de

Von Andrea Tratner

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