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Happy end garantiert:In „Inga Lindström: Das Postbootin den Schären“ (1. Oktober, 20.15Uhr, ZDF) spielt Nele Kiperdie Parfüm-Designerin Saga, dieversucht, ihren verwitweten Vaterwieder unter die Haube zubringen.

Happy End garantiert: In „Inga Lindström: Das Postbootin den Schären“ (1. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF) spielt Nele Kiper die Parfüm-Designerin Saga, die versucht, ihren verwitweten Vater wieder unter die Haube zu bringen.© ZDF/Ralf Wilschewski

NP-Interview

„Ich liebe es, über Hannover zu reden!“

Merken Sie sich das Gesicht dieser Hannoveranerin! Nele Kiper (34) ist diese Woche in drei TV-Filmen zu sehen. Die NP sprach mit ihr über Kindheit in Kleefeld, die harte Theaterschule in einer Ruhrpott-Kleinstadt und Herzschmerz-Filme.

Hannover. Drei Filme mit Ihnen in einer Woche. Müssen Sie demnächst beim Bäcker Autogramme geben?
Ich bin tatsächlich gespannt, ob und was das verändert. Bisher werde ich selten explizit auf meine Rollen angesprochen. Komischerweise glauben aber viele Leute, dass sie mich privat kennen – ich finde es amüsant, dass sich das TV-Gesicht scheinbar ins Privatleben schleicht.

Heute, 20.15 Uhr, geht es los mit „Der gute Bulle“ ...
Im ZDF-Krimi spiele ich eine LKA-Hauptkommissarin, die zusammen mit der Hauptfigur Armin Rohde einen Kindermörder jagt. Sie ist kein Hitzkopf, sondern ein kühler, nüchterner, sehr schlauer Typ Frau, die alleinerziehende Mutter ist.

Was war schwierig an der  Rolle?
Ich habe lange und ausdauernd geübt, meinen Dienstausweis aus der Jackentasche zu ziehen (lacht). Auch das Halten einer Waffe habe ich trainiert. Das sind die Details, die wichtig sind, damit die Zuschauer mir diesen Beruf auch glauben.

Dann kommt Freitag ab 20.15 Uhr die ARD-Komödie „Hochzeit in Rom“.
Da habe ich einen Gastauftritt in der Eröffnungsszene. Ich spiele eine Oberzicke, die eine arme Kellnerin rundmacht. Die Dreharbeiten fanden in Rom statt, das war herrlich, allerdings war die Set-Sprache Italienisch und ich habe kein Wort verstanden. Mein Kollege musste mich anstupsen, sonst hätte ich meinen Einsatz verpasst.

Und in „Inga Lindström: Das Postboot in den Schären“ am 1. Oktober spielen Sie im ZDF die erste Geige!
Ja! Ich war ja schon oft die zweite Hauptrolle. Aber das ist meine erste richtige Eins! Ich bin glücklich, froh und dankbar – stolz bin ich aber vor allem darauf, dass wir im Ensemble dem Film unsere ganz  eigene Note gegeben haben.

Manche würden ihn als Herzschmerz-Schmonzette bezeichnen...
In der Reihe „Herzkino“ weiß man, was man hat: schöne Landschaften und ein Happy End. Ich bediene dieses Genre gerne, es wäre nicht so erfolgreich, wenn es keine Daseinsberechtigung hätte. Es spricht auch nichts dagegen, solange man auch dieses Format ernst nimmt und nicht als plumpe Unterhaltung einfach so „wegspielt“.

Sie sind Schauspielerin, Ihr Mann Peter Thorwarth Regisseur. Eine schwierige Konstellation?
Wir sind natürlich beide Fachidioten (lacht), da muss man darauf achten, dass man nicht betriebsblind wird und nur noch über den Job redet. Andererseits ist es ein  Geschenk, dass wir beide diese Branche verstehen. Man geht in einem Beruf, der mit so viel Leidenschaft verknüpft ist, durch Höhen und Tiefen. Eine Herausforderung ist es aber auch: Ich habe einen starken Kritiker an meiner Seite.

Wie haben Sie sich kennengelernt?
2006 war ich Mädchen für alles hinter den Kulissen bei „Goldene Zeiten“. Das einzige Gespräch, das wir mal führten, drehte sich um Leberwurstbrote am Catering-Wagen. Wir haben uns erst einige Jahre später in Berlin in einer Bar wiedergetroffen...

Ich würde gern mit Ihnen über Hannover reden.
Sehr gerne, ich liebe es, über Hannover zu reden! Ich lebe in Köln, aber Hannover ist meine Heimat und wird es immer bleiben. Es ist eine massiv unterschätzte Stadt, für die ich gerne eine Lanze breche. Die Leute, die Hannover nicht kennen, haben keine Ahnung, was ihnen hier durch die Lappen geht!

Wo sind Sie aufgewachsen?
In Kleefeld, ich liebe die Eilenriede, die Seen, die Nähe zur City. Einer meiner vielen Lieblingsorte ist eine neue Bar in der Königstraße – das „Bukowski’s“ hat ein alter Schulfreund von mir aufgemacht. Das „HeimW“ bleibt immer mein zweites Wohnzimmer, im „Palo“ habe ich getanzt, auch im Schauspielhaus und im Ballhof war ich oft.

Wie sind Sie zum Theater gekommen?
Mit fünf Jahren habe ich in einer Hobbytheatergruppe mitgespielt. In einer Aufführung war ich ein Troll, hielt eine Blume und stand eigentlich nur stumm im Hintergrund. Aber meine ältere Schwester durfte einen Drachen spielen. Das wollte ich auch! Da ist der Funke übergesprungen. Nach dem Abi wollte ich unbedingt weitermachen, die Schauspielschule er­schien mir aber zu eng und einseitig. Über acht Ecken lernte ich einen Typen kennen, der in Unna das Theater „Narrenschiff“  übernommen hatte. Aus einer Bierlaune heraus bin ich hingezogen, um mit ihm zu arbeiten.

Wie war die Erfahrung?
Eine tolle Schule! Aber auch drei harte Jahre. Wir haben alles selber gemacht: Stücke schreiben, spielen, Kostüme nähen, Plakate kleben, Bühne bauen. Wir haben alle nichts verdient, aber ich habe viele Leute kennengelernt, die auch mit Film zu tun hatten, und bei Amateur- und Kurzfilmen mitgemacht. Einmal wurde ich für einen Splatterfilm mit der Kettensäge durchgesägt (lacht)...

Wann kam der Durchbruch?
Ich habe erst mit 24 richtig angefangen zu drehen. Ich bin dankbar für diese Jahre, da ich mir in dieser Zeit ja selber beweisen musste, dass ich diesen Job wirklich will. Das ist mein Fundament, da kann keiner daran rütteln. So kann ich es heute auch gut wegstecken, wenn mal eine Absage kommt.

Von Andrea Tratner