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In seinem reich: Jörg Hoffmann kennt das Innenleben seiner Instrumente so gut wie kein anderer.

In seinem Reich: Jörg Hoffmann kennt das Innenleben seiner Instrumente so gut wie kein anderer.
 © Frank Wilde

Porträt

Hoffmann ist der Herr der verstimmten Klaviere

Sein Kapital ist unter anderem sein gutes Gehör: Klaviermeister Jörg Hoffmann (55) ist bei Künstlern und Privatleuten ein gefragter Experte. Die NP hat den Chef des Klavierhauses Meyer an der Königstraße besucht: Er berichtete von seinem spannenden Beruf und einer Begegnung mit Weltstar Lang Lang (34) vor einem seiner Konzerte in Hannover.

hannover.  Nein, vorstellen kann man sich das heute nicht mehr. Früher, also zu den Zeiten, als der Urgroßvater von Jörg Hoffmann (55) noch lebte, war es gang und gäbe: „Mit Klavieren wurden oft Öfen gefüttert.“ Manche seien mit Löwenköpfen verziert gewesen. „Da waren auch welche mit Elfenbeintasten dabei“, erinnert sich der Klavier- und Cembalomeister an die Ge­schichten aus der Nachkriegszeit. Sein Vorfahr war mit Pferd und Wagen auf den gepflasterten Straßen unterwegs, „damals gehörte es zum guten Ton dazu, ein Klavier zu Hause zu haben“.

Hoffmann ist seit Kindestagen von Flügeln, Klavieren und später auch Digitalpianos umgeben, als Siebenjähriger bekam er ersten Orgelunterricht, Klavier- und Gitarrenstunde folgten. Doch eine Gabe sollte ihn früh von den anderen unterscheiden: „Das Stimmen der Klaviere hat mich schon immer fasziniert – heute noch“, sagt Hoffmann, „die Fertigkeit ist sehr schwer zu erlernen, man ist auf ein gesundes Gehör angewiesen.“ Und das besitzt der 55-Jährige nachweislich, er hört es nämlich gleich raus, wenn ein Klavier neu gestimmt werden muss.

Viele internationale Stars und regionale Unternehmer setzen auf das Können des Klavier- und Cembalomeisters, der seit dem Jahr 2000 sein Geschäft an der Königstraße betreibt: Als beispielsweise Lang Lang (34) in der Stadt einen Auftritt hatte (und nicht wegen Grippe absagte wie zuletzt), war Hoffmann derjenige, der an den Flügel des Ausnahmepianisten durfte. „Ich habe ihn immer als unkompliziert und frei von Allüren empfunden, lustig ist er auch“, erinnert sich Hoffmann an die Begegnung in der Pianosuite von Kastens Hotel Luisenhof. Und während der 55-Jährige gut zwei Stunden das Piano stimmte, lag Weltstar Lang Lang auf dem Sofa und las etwas.

Gutes Gehör

Als ziemlich amüsant be­schreibt der Hannoveraner außerdem ein Treffen mit Joan Baez (76), die er in den 90er im Capitol am Schwarzen Bären getroffen hat: „Ein echtes Highlight. Nach dem Konzert haben wir noch einen Kaffee zusammen ge­trunken.“ Den bekommt er hin und wieder angeboten, wenn er bei Fabrikantenfamilien wie Bahlsen und Sennheiser ein und aus geht, auch Ex-Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (73) ge­hört zu seinen Kunden: „Sie können die Instrumente ja schlecht mal eben so zu mir ins Geschäft bringen“, so Hoffmann lachend.

Die meiste Zeit agiert Hoffmann im Hintergrund, manchmal hat er aber durchaus Publikum – etwa wenn er in einem Konzertsaal während der Pause ein Klavier stimmt: „Dann verbeuge ich mich und mache mich mit meinem Köfferchen ran an die Arbeit.“ Er selbst zählt übrigens die Mondscheinsonate, „Für Elise“, „ein bisschen Bach“ sowie Blues zu seinem Repertoire, ansonsten hört er gern Jazz.

Der Unternehmer be­zeich­net sich als Perfektionisten, seine Arbeitswoche hat auch mal 70, 80 Stunden: „Wenn ich meinen Job gewissenhaft machen möchte, dann braucht es eben seine Zeit.“

Nachvollziehbar, schließlich hat ein Klavier gut 250 Saiten. Richtig fertig sei er da nie, es gebe immer noch mal einen Ton, an dem er als Experte feilen müsse: „Aber irgendwann muss man den Deckel zumachen.“

Von Mirjana Cvjetkovic