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Im NP-Interview: Eckhart von Hirschhausen.

Im NP-Interview: Eckhart von Hirschhausen.© Frank Wilde

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NP-Interview

Hirschhausen: Sein Humor hilft Heilen

Freitag moderierte er in Hannover den NDR-Talk, zum GOP hat er immer noch eine enge Verbindung: Die NP sprach mit Dr. Eckart von Hirschhausen über junge Talente und weiblichen Humor, Kritiker und die Kunst des Scheiterns.

Sie waren 2002 einen Monat lang Conférencier im GOP. Was für Erinnerungen haben Sie?
Allerbeste! Ich habe mich die Monate in Hannover sehr wohl gefühlt und bin immer mit dem Fahrrad zur Show und abends wieder in die Künstlerwohnung in der List gefahren. Die Verbindung ist geblieben. Ich freue mich, dass zum 20jährigen Jubiläum das GOP meine Stiftung „Humor hilft heilen“ unterstützt und vor Ort rote Clownsnasen für mehr Lachen in Krankenhäusern anbietet.

Mit dem NDR-Talk „Tietjen und Hirschhausen“ sind sie seit drei Jahren regelmäßig in Hannover. Was schätzen Sie an der Stadt?
Unsere treuesten Fans sind in Niedersachsen. Die Stimmung im Studio auf dem Messegelände ist immer sehr ausgelassen, die Menschen warten zum Teil lange auf die Karten und auch die ruhigen, wissenschaftlichen oder ernsten Momente unserer Talkshow werden geschätzt.

Sie sind heute Juror beim „Comedy Grand Prix“ auf RTL. Wie ist es um den Nachwuchs bestellt?
Es braucht viel Mut auf eine Bühne zu gehen und zu sagen, ich bin jetzt komisch. Es gibt nach wie vor viel mehr Männer, die das von sich behaupten als Frauen. Dabei kennt jeder in seinem Umfeld auch witzige Frauen. Nur haben die nicht unbedingt den Drang, das auch im Fernsehen zu beweisen. Männer tun sich leichter, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Das braucht es am Anfang, um sich zu trauen, die ersten Schritte zu machen, auf die Schnauze zu fallen und irgendwann besser zu werden. Und jede Generation hat eigene Talente!

Welche drei Eigenschaften braucht ein guter Comedian unbedingt?
Neben dem Mut vor allem Originalität und Ausdauer. Komik ist die härteste Kunst, weil sich jeder Zuschauer in Sekunden eine Meinung über den da vorne bildet. Wenn jemand im Sprengelmuseum ratlos vor einem Bild steht, denkt er: Ich bin nicht gut genug im Thema, um das Genie des Künstlers zu würdigen. Wenn der gleiche Mensch über den Komiker nicht lacht, ist immer der Komiker schuld. Deshalb hängt es auf Gedeih und Verderb von gutem Publikum ab, um gut zu werden.

Was darf ein guter Komiker auf keinen Fall?
Das Schlimmste was passieren kann, ist das man aus der Unsicherheit, die diese Kunstform mit sich bringt entweder überheblich oder zynisch wird. Witz ist eine Gabe des Geistes, aber Humor ist eine Gabe des Herzens. Ich mag den warmherzigen, liebevollen Humor, der einen auch nach einer Show mit einem guten Gefühl zurück lässt. Es gibt andere Spielarten der Komik, die andere vorführen, lächerlich machen oder einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Ich wünsche mir Komik, wo sich Menschen krümmen vor Lachen, aber aufrechter nach Hause gehen!

Welche Illusionen nehmen Sie dem Nachwuchs?
Viele denken: Es sieht so leicht aus - das kann ich auch. Die hohe Kunst ist es ja gerade, dass es leicht und improvisiert aussieht, obwohl Jahre des Probierens, Scheiterns und Dazulernens in diesem Moment stecken. Wer über Nacht berühmt werden will, muss tagsüber hart arbeiten. Oder um mit Rudi Carrell zu sprechen: Wenn du ein Ass aus dem Ärmel ziehen willst, musst du vorher eins rein tun.

Sie sind der lustige Mediziner. Braucht ein Comedian heute unbedingt ein Thema, ein Wiedererkennungsmerkmal?
Die naheliegendesten Figuren sind der Hausmeister und Putzfrau, dicht gefolgt von Kellnern. Viele fangen an, Rollen zu spielen, um Dinge zu sagen, die man sich ohne Verkleidung nicht traut. Langfristig ist aber nichts interessanter, als authentische Erfahrung und Menschlichkeit. Ich habe dafür auch sehr lange gebraucht, die ersten Jahre habe ich meine Medizinerkarriere und das Moderieren mit Zauberei streng getrennt. Der große Erfolg kam erst, als ich meine Talente kombiniert habe zu etwas neuem und eigenem.

Kann man in diesem Job in Würde altern?
In Würde albern? Das ist eine echte Herausforderung. Die Versuchung ist groß, mit der „Masche“ mit der man Erfolg hatte, ewig weiter zu machen. Aber es gibt positive Beispiele, in der Musik Reinhard Mey, in der Komik Loriot oder Hape Kerkeling.  

In Ihrem Gästebuch im Internet stehen 314 (!) Seiten mit Einträgen - meist von Frauen...
Frauen interessieren sich für meine Themen Gesundheit, Glück und Liebe traditionell mehr als Männer, die ihren Körper schlechter kennen als ihr Auto. Vielleicht schreiben sie auch einfach lieber. Aber ich habe auch sehr schöne Rückmeldung von Männern auf meine Bücher bekommen, das Leben ist bunter als alle Klischees.

In ihrem Gästebuch wird auch gefachsimpelt: „MRSA bedeutet nicht Multiresistenter Staphylococcus aureus“, sondern Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“, schreibt ein Simon. Haben Mediziner Sie im Visier?
Falls Simon das liest - es gilt beides! Ich freue mich über konstruktive Kritik und rufe sogar dazu auf, mir zu schreiben, wenn sich doch einmal Fehler eingeschlichen haben. In meinem Bühnenprogramm fordere ich auch immer die Ärzte im Publikum auf, sich zu melden, wenn ich etwas erzähle, was nicht dem aktuellen Stand der Forschung entspricht. Was mich ärgert sind Kritiker, die mein Buch oder mein Programm madig machen, ohne es zu kennen. Ich erlebe gerade, wie mit dem Erfolg auch Neid und Missgunst steigen. Ich frage mich manchmal, wo wir sein könnten, wenn alle vernunftbegabte Menschen ihren Hirnschmalz nicht zum Meckern, sondern zum besser machen verwenden würden.

Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann wieder als Arzt zu arbeiten?
Ich bin doch immer noch als Arzt tätig! Wenn ich an einem Abend 2000 Menschen etwas hoffentlich Substanzielles über Medizin und Psychologie näher bringe, hätte ich dafür in der Klinik zehn Jahre gebraucht. Ich bin zwar aus der täglichen Versorgung und der Routinearbeit raus, aber den Kontakt zur Medizin habe ich immer gehalten und werde viel für Kongresse und Vorträge gebucht. An der Uni Gießen habe ich einen Lehrauftrag, Medizinstudenten den Wert von verständlicher Sprache und von Humor in der Kommunikation näher zu bringen. Bleibt nur die Frage: Wann werden die Eintrittskarten zu meinem Programm von der Kasse übernommen?