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Mensch-Hannover Herzversagen - Promi-Gastronom Rainer Feuchter ist gestorben
Menschen Mensch-Hannover Herzversagen - Promi-Gastronom Rainer Feuchter ist gestorben
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10:05 26.01.2017
Hannover

Im Mai vergangenen Jahres sorgte Feuchter, der 2003 nach Fuerteventura ausgewandert war, in Hannovers feiner Gesellschaft noch einmal für richtig Furore: In dem Buch „Das etwas andere Gästebuch“ plauderte er über all die Promis und auch Kollegen, denen in seinem Restaurant der eine oder andere Fauxpas passiert war. Dass er damit aneckte, war Feuchter egal, im Gegenteil: „Das soll nicht das letzte Buch sein“, kündigte er an und strahlte dabei übers gebräunte Gesicht.

Als Chef vom „Lila Kranz“ und später „Enrico Leone“ hatte Rainer Feuchter in den 1980er und 1990er Jahren die hannoversche Gastronomieszene mächtig durcheinandergewirbelt. Denn Feuchter, der keine Ausbildung in der Gastronomie hatte, sondern Gymnasiallehrer war, schaffte es mit seinen Restaurants zu zwei Kochmützen im Gault Millau und drei Gabeln im Michelin. Wie sich der Autodidakt da mit scheinbarer Leichtigkeit seinen Ruhm erkochte, hat so manchen der alteingesessenen Gastronomen sehr geärgert. Feuchter – schon immer vor Selbstbewusstsein strotzend – hat sich darum nicht geschert, ihm war egal, was andere über ihn dachten, und verwies lieber gleich auf all die Prominenten wie Heiner Lauterbach, Thomas Gottschalk, Roger Moore, Boris Becker, Prinz Ernst August von Hannover oder auch Gerhard Schröder, die bei ihm ein und aus gingen: „Es fehlen nur noch die Queen und der Papst!“, schmunzelte Feuchter dann gern.

Er war ein Quergeist, einer, der das sagte, was er dachte – und dabei auch unabhängig von Ansehen und Person kein Blatt vor dem Mund nahm. Er war ein guter Redner und konnte dabei sehr charmant sein: Die damalige Bundesfamilienministerin Rita Süssmuth bezirzte er bei einem Restaurantbesuch so lange, bis sie sich bei dem Präsidenten der Handelskammer dafür einsetzte, dass er in seinem Betrieb als ungelernter Koch Lehrlinge ausbilden durfte. Kurz, Feuchter ging gern unkonventionelle Wege und hatte auch etwas von einem Schlitzohr.

Allen Neidern zum Trotz stieg sein „Lila Kranz“ zu einem der angesehensten Restaurants Hannovers auf. Und Rainer Feuchter wurde Mitglied der „Tafelrunde“, einem Zusammenschluss von Hannovers Nobelköchen. Noch während sich einige Jahre später die Tafelrunde zerstritt, wanderte Feuchter nach Fuerteventura aus und baute dort im Norden das kleine, aber sehr exklusive Hotel „El Patio de Lajares“ mit vornehmem Restaurant auf: „Auf Fuerteventura bin ich doch der einzige Koch“, scherzte der umtriebige Gastronom, der gern auch einen Stern gehabt hätte. Oft arbeitete er in seiner neuen Heimat bis in die Nacht, trotzdem stand er morgens um acht Uhr auf und begann den Tag mit einem Bad im Meer.
Schon vor Weihnachten ging es ihm nicht gut, bei einem Besuch in Deutschland fiel seiner Familie seine Atemnot auf. Trotzdem flog Feuchter zum Weihnachts- und Silvestergeschäft zurück auf die Insel. „Das war zu viel“, sagt Jürgen Klose, Feuchters Schwager. Mitte Januar wollte er sich in Deutschland gesundheitlich durchchecken lassen und an seinem zweiten Buch weiterschreiben. Doch direkt vom Flughafen kam er in die Notaufnahme im hessischen Gelnhausen. Drei Tage später starb er an Herzversagen. „Er hat gern gelebt, aber zum Schluss sagte er uns dann doch, dass er keine Angst vorm Tod habe“, sagt sein Schwager.

Rainer Feuchter wird im engsten Familienkreis im Familiengrab in Schrozberg in Baden-Württemberg begraben. Er hinterlässt auf Fuerteventura seine schwer kranke Frau Hanna Ingrid. Sein Hotel steht jetzt zum Verkauf.

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