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Mensch-Hannover Hella von Sinnen feiert in Hannover
Menschen Mensch-Hannover Hella von Sinnen feiert in Hannover
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00:17 04.02.2018
Gut drauf: Hella von Sinnen ist eine Stimmungskanone – am Sonnabend werden das auch die Leinespatzen in Döhren erleben!
Hannover

 Frau von Sinnen, Sonnabend erhalten Sie den höchsten norddeutschen Karnevalsorden. Wissen Sie, wie Sie zu der Ehre kommen?

Na ganz einfach: Weil ich jeden Orden verdiene (lacht)! Und weil ich seit 40 Jahren eine hinreißende Karriere als übergewichtige, lesbische Frau hingelegt habe. Als die Anfrage kam, habe ich jedenfalls im Kreis gequietscht, weil ich Orden so liebe. Ich habe auch lange keinen mehr bekommen. Oder doch? Ich habe jedenfalls gesehen, dass zuletzt Politiker mit dem Goldenen Spatzen ausgezeichnet worden sind. Und vor vielen Jahren Inge Meysel.

Inge Meysel war mir neu! Was haben Sie mit ihr gemeinsam?

Wir sind beide lesbisch, beide launisch, haben beide Talent (lacht).

Halten Sie bei den Leinespatzen eigentlich eine Rede?

Nee! Ich habe gleich gesagt, wenn ich da arbeiten muss, komme ich nicht. Im Ernst: Ich möchte dort ein Mützchen bekommen und den Orden. Ich weiß gar nicht, ob für mehr meine Kraft noch reicht. Zu trinken gibt es doch bestimmt auch etwas.

Sicher. Vermutlich sogar Lüttje Lage.

Lüttje, was?

Das Getränk ist bei uns in Hannover Kult. Es ist eine Mischung aus Bier und Korn, die auf eine spezielle Art getrunken wird …

Das bekommt mir nicht, ich trinke keinen Schnaps. Den vertrage ich nämlich nicht. Ich trinke gerne Alkohol, spucke auch nicht ins Glas. Manchmal trinke ich Cola light mit Rum, dann aber nur in homöopathischen Dosen.

Waren Sie eigentlich schon immer eine Freundin der fünften Jahreszeit?

Ich komme ja aus Gummersbach, das ist so 50 Kilometer von Köln entfernt. Früher lag der Hund da begraben, Karneval gab es da nicht. Aber wir hatten zwei LPs mit gesammelten Karnevalsliedern von Kurt Lauterbach. Die hat die kleine Helli dann auswendig gelernt und in der Familie zum Besten gegeben. Alle haben gelacht und Geld gab es auch, als ich im Anschluss mit dem Hut herumgegangen bin. Aber wie die Kölner Kinder habe ich den Karneval nicht mit der Muttermilch aufgesogen – die werden ja immer ganz unruhig kurz vorher. Das kann ich für mich wirklich nicht reklamieren.

Irgendwelche Erfahrungen als Erwachsene?

1983/84 habe ich als Putzfrau Schmitz eine Session lang mitgewirkt, 1995 wurde ich Präsidentin der Rosa Sitzung, der ersten schwul-lesbischen Karnevalssitzung in Köln. Das war eine üppige Dosis.

Heute sind Sie noch näher dran, leben in Köln.

Und zwar am schönen Zülpicher Platz. Doch leider herrschen da zur Karnevalszeit bürgerkriegsähnliche Zustände, die Leute sind hackebreit und pinkeln überall hin. Es ist nicht mehr wie früher, da war es Kölsche Lebensart und Frohsinn. Heute kann ich es echt nicht mehr ertragen, ich bin zu alt für den Scheiß.

Vielleicht wird es bei uns in Hannover ja wieder schön.

Jedenfalls habe ich noch nie nördlich von Nordrhein-Westfalen Karneval gefeiert. Ich bin gespannt, was der Hannoveraner für Liedgut und Reden parat hat. Kann ja sein, dass die Qualität haben.

Ihr bestes Karnevalskostüm?

Als ich mit Cornelia Scheel als „Tünnes und Schäl“ gegangen bin (lacht). Während Conny voll weit vorne war mit ihrem super Jackett und der geilen schwarz-weißen Hose, sah ich in meinem karierten Höschen, dem roten Schal und der ekelhaft roten Perücke echt scheiße aus. Ansonsten sind wir jahrelang als Müllmädchen gegangen, das war absolut kein Aufwand. Ich habe einfach einen orangefarbenen Overall und eine Weste angezogen und mir einen schwarzen Bart und Augenbrauen aufgemalt. Solange ich den Mund nicht aufgemacht oder gelacht habe, hat mich auch echt niemand erkannt.

Haben Sie mit irgendeinem Outfit schon mal genial danebengelegen?

Man kann beim Karneval gar nicht daneben liegen, da ist alles erlaubt.

Apropos: Wie groß war die Freude, wieder im Rateteam von „Genial daneben“ dabei zu sein?

Riesengroß! Ich habe große Dankbarkeit, sogar fast sowas wie Demut empfunden. Als ich das Studio betreten haben, habe ich wirklich jeden Schritt genossen.

Finden Sie das TV-Programm noch unterhaltend?

Ich habe eine große Festplatte und zeichne einfach das auf, was mich interessiert: Satiresendungen von Kollegen und die Kulturzeit, weil ich Kultur mag. Ansonsten gucke ich „Genial daneben“, Sportsendungen und Sky. Der Rest interessiert mich nicht, ist doch alles gleich.

Wie meinen Sie das?

Überall die aalglatten Moderatoren ohne jegliche Spontaneität. Wenn Raab, Kerkeling und Bach nicht moderieren, habe ich keinen Grund, den Fernseher einzuschalten. Kerner, Geissen und Pflaume stehen in diesen tollen Studios, sind super ausgeleuchtet und haben wahrscheinlich auch noch denselben Schneider und Friseur.

Von Mirjana Cvjetkovic

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