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Ein Bild aus glücklichen Tagen: Christian und Bettina Wulff.© Wolfgang Kumm

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Ehe-Aus

Heinz-Rudolf Kunze: Wulff will kein Mitleid

Job weg, Frau weg, Haus weg - viel tiefer kann ein Mann nicht fallen. Vor allem nicht, wenn er zuvor einen kometenhaften Aufstieg erlebt hat. Doch Ex-Bundespräsident Christian Wulff scheint sich durchbeißen zu wollen. Im schicken Waldhausen hat er eine schöne Wohnung gemietet, die er gestern seinen Kindern zeigte.

Hannover. Er fiel vom höchsten Amt des Staates in die politische Bedeutungslosigkeit, er verlor sein Saubermann-Image und muss nun mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft leben, er wurde hofiert und wird nun links liegen gelassen. Und jetzt droht mit der Trennung von Bettina Wulff noch seine zweite Scheidung. Wie kommt Christian Wulff mit so vielen Niederlagen in so kurzer Zeit klar. Wie viele Stürze kann man(n) ertragen?

Michael Hettich ist ein Experte für genau diese Frage. Er gründete vor einigen Jahren am Klinikum Wahrendorff die erste Tagesklinik für depressive Männer in Deutschland. Grundsätzlich glaubt er, dass Wulff gestärkt aus dieser Situation hervorgehen kann: „Das ist sogar die Regel, dass eine solche Krise Menschen stärkt. Jeder kann aus so einer Situation lernen und sich weiterentwickeln.“ Allerdings seien dafür viel Arbeit und Ausdauer notwendig - dem „Marathonmann“ Wulff, wie der Titel eines Buches über ihn hieß, müsste das liegen.

In diesem einen Jahr ist für Wulff viel passiert, das weiß auch Hettich: „Bei ihm sind tatsächlich mehrere Faktoren erkennbar, die Auslöser für eine Depression sein könnten. Der Verlust eines Partners, der Verlust von Anerkennung im Job - das sind bei Männern die häufigsten Ursachen für depressive Erkrankungen.“ Und beherrschen die dunklen Gedanken erst einmal einen Mann, wird es gefährlich. „Frauen reden, sie teilen sich mit, gehen früh zum Therapeuten. Männer ziehen sich nicht selten zurück, holen sich zu spät professionelle Hilfe“, so der Experte.

Bettina Wulff schrieb in ihrem Buch „Jenseits des Protokolls“, dass sie mit ihrem Mann früh einen Paartherapeuten aufgesucht hat - auch wenn das die Beziehung wohl nicht retten konnte. Dennoch sagt Hettich: „Gut, dass sie das gemacht haben. Ich wünsche Christian Wulff, dass er auch jetzt gut betreut ist.“ Was können Freunde tun? „Unterstützung anbieten, immer wieder fragen, wie es ihm geht.“ Gespräche mit Freunden seien wichtig, „um sich aus diesem Gedankenkarussell zu befreien“.

Freunde des Ex-Präsidenten machen sich auch ihre Gedanken. Angela Solaro-Meyer und ihr Mann aus Norderney sind schon lange mit Wulff befreundet. „Natürlich macht man sich Sorgen! Das ist normal“, sagten sie gestern. Hannovers Pop-Poet Heinz-Rudolf Kunze telefoniert häufig mit Christian Wulff, er sieht die Dinge positiv: „Als er mir das anvertraut hat, wirkte er sehr gefasst. Vor einem halben Jahr hätte ich mir mehr Sorgen gemacht. Ich bewundere ihn da für seine Haltung.“ Aber Kunze sagt auch: „Mitleid ist nicht das, was Wulff will. Er will recht behalten.“ Der Musiker ist zuversichtlich, dass dies am Ende so sein wird: „Das Damoklesschwert der Ermittlungen wird sich noch als Plastikwaffe herausstellen. Er ist ein Kämpfer, er kommt da raus.“