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RUNDERNEUERT: Designer Harald Glööckler hat wochenlang hart trainiert – und mal wieder den Schönheitschirurgen konsultiert.

RUNDERNEUERT: Designer Harald Glööckler hat wochenlang hart trainiert – und mal wieder den Schönheitschirurgen konsultiert.
 © Foto: dpa

Pompöös

Harald Glööckler: „Das ist kein Beruf, das ist eine Mission“

„Ich bin eine Marke“: Designer Harald Glööckler ist ein schrilles Multitalent, entwirft Kleidung, Tapeten – und jetzt auch Betten, in denen Märchenkönig Ludwig II. gerne aufgewacht wäre. Donnerstag ab 19 Uhr stellt er bei Möbel Hesse an der B6 in Garbsen seine Kollektion vor. Die NP sprach mit ihm über Körperfett, Schönheits-OPs und seinen Beruf, der für ihn „eine Mission“ ist.

Wie haben Sie heute Nacht geschlafen?
Gut! Ich stehe ja immer um sechs Uhr auf, egal, wann ich ins Bett gehe – weil der Hund mich rausschmeißt. Und wenn andere um zehn aufstehen, dann habe ich schon ein Drittel meiner Arbeit erledigt!

Warum entwerfen Sie ausgerechnet Boxspringbetten?
Die habe ich in den amerikanischen Ritz-Carlton-Hotels kennengelernt. Man liegt so hoch, fühlt sich wie eine Prinzessin auf der Erbse mit 100 Matratzen. Aber wenn man einmal darin geschlafen hat, will man nie wieder etwas anderes! Dass mein Schlaf ausgezeichnet ist, kann ich auch beweisen – mein ganzes Leben wird von einer Fitness-Uhr dokumentiert.

Wie sieht die Glööckler-Handschrift bei einem Bett aus?
So, dass auch Ludwig II. gerne darin aufgewacht wäre. Die Italiener haben ein Sprichwort: „Das Bett ist die Oper des kleinen Mannes.“ Neben dem Bad ist das Schlafzimmer der wichtigste Raum eines Hauses. Keine Spiegel, kein Krimskrams, kein Handy. Und kein Fernsehen – um Gottes willen! Bei mir steht nur eine Skulptur des Gottes „Eros“ neben dem Bett.

„Fuck your Brain“ heißt Ihr neues Buch. Warum geht es?
Es ist mein erstes Motivationsbuch. Viele Menschen fragen mich ja, wie ich es geschafft habe, so erfolgreich zu sein. Mein Geheimnis: Ich habe ein gewisses Talent. Wichtiger ist aber, dass ich klare Visionen habe und die zielstrebig und diszipliniert umsetze. Ich bin Aszendent Löwe: Ich bleibe dran, ich bin konsequent. Mit sechs Jahren habe ich be­schlossen, alle Frauen zu Prinzessinnen und die Welt schöner zu machen – weil ich eine Kindheit erlebt habe, in der meine Mutter sehr gelitten hat. Das ist kein Beruf, das ist eine Mission. Ich mache Kleider, Tapeten, Betten, meine Produkte sind in 80 Ländern der Welt erhältlich, ich mache Kunst, ich predige in Kirchen. Ich traue mich einfach.

Muss man dafür sein Weltbild ändern?
Wenn wir etwas sehen, denken wir, es sei die Wirklichkeit – dabei ist es gefärbt von Emotionen und von den Meinungen unserer Altvorderen. Wenn wir auf die Welt kommen, sind wir ein unbeschriebenes Blatt, aber unsere Eltern hämmern uns ihre Ansichten ein. Also muss man das Gehirn resetten, die Walze löschen, die eigene Wahrheit finden. Vielleicht finden wir ja die großen Lippen von Herrn Glööckler ganz toll, obwohl unsere Eltern sie unmöglich finden (lacht). Wertungen sind das Schlimmste überhaupt, man sollte Dinge nehmen, wie sie sind. Das Buch sagt dem Leser: Du bist einmalig, etwas Besonderes. Aber dass man auch den Arsch zusammenkneifen und in die Gänge kommen muss. Das ganze Leben ist Veränderung.

Sie haben gerade eine hinter sich, oder?
Vor acht Wochen habe ich ein Bild von mir mit 37 Jahren im Internet gepostet und angekündigt, dass ich so wieder aussehen will – völlig fettfrei und trainiert. Am Wochenende war ich auf einer Gala – und habe mein gigantisches Sixpack gezeigt. Die Leute waren fasziniert. Ich habe neun Kilo Körperfett verloren und ein Kilo Muskelmasse draufgelegt, wiege jetzt noch 87,5 Kilo. Wenn man etwas erreichen will, muss man Opfer bringen.

Um den Look zu halten, haben Sie aber auch Ihr selbstauferlegtes Schönheits-OP-Verbot über Bord geworfen ...
Ach, nur dumme Menschen ändern ihre Meinung nicht. Klar hab ich wieder was gemacht. Ich bin eine Marke, so wie auch Cher oder Madonna. Das fasziniert oder schockiert die Leute doch. Man möchte doch keinen Star, der langweilig ist. Ich muss nicht schön sein, sondern interessant!

Würden Sie nicht mal wieder gern unerkannt am Supermarktregal stehen?
Ach, das kann man sich abschminken. Sowie ich das Haus verlasse, bin ich eine öffentliche Person, ich bin höflich und nett, gebe Autogramme. Man darf sich als Star nicht beklagen, dass man nicht mehr privat bummeln gehen kann. Man kann nicht alles haben – das ist die traurige Wahrheit. Es ist nicht immer einfach, aber ich bin ein Menschenfreund.

Woher kommt der Markenname „Pompöös“?
Vor 30 Jahren habe ich mit meinem Partner ein Ge­schäft in Stuttgart aufgemacht – wir hatten kein Geld, aber große Ideen (lacht). Aber kaum hing die Werbung mit dem Namen „Jeans Garden“ über dem Laden, habe ich gemerkt, dass das gar nicht ging. Damals habe ich gerade ein Buch über Ma­dame Pompadour gelesen – da kam mir das Wort pompös in den Sinn.

Aber das zweite „ö“?
Mein Mann hat das vorgeschlagen, weil es dekadenter klingt. Die Stuttgarter dachten zwar, dass wir keine Ahnung von Rechtschreibung haben, aber das war einer der cleversten Schachzüge. Weil ich es geschafft habe, neben meinen Namen noch eine zweite Marke zu positionieren. Wer „Pompöös“ hört, hat sofort das opulente, barocke, ex­zentrische Bild vor Augen. Das klappt sonst nur bei Marken wie Chanel oder Hermès.

Von Andrea Tratner