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DER REGISSEUR UND SEIN WERKZEUG: Holger Tappe aus Hannovers Südstadt ist in Deutschland der Pionier des digitalen Spielfilms.

DER REGISSEUR UND SEIN WERKZEUG: Holger Tappe aus Hannovers Südstadt ist in Deutschland der Pionier des digitalen Spielfilms.
 © Nancy Heusel

Kino

„Happy Family“: Holger Tappe macht Hollywood in Hannover

Am 20. August wird in Hannovers Astor Grand Cinema der Rote Teppich für die Weltpremiere ausgerollt, am 24. August ist offizieller Kinostart. Holger Tappe (47) hat mit seiner Firma Ambient Entertainment mit „Happy Family“ nach der Buchvorlage von Bestsellerautor David Safier (50) einen herzenswarmen Animationsfilm gedreht. Die NP sprach mit ihm darüber, warum er Computer für „kalte Wesen“ hält.

hannover.  Im Konferenzraum des Studios Ambient Entertainment in der Südstadt hängen Bilderrahmen mit DVD-Hüllen in verschiedenen Sprachen: Die Helden aus „Back to Gaya“ – 2004 der erste am Computer animierte deutsche Spielfilm – heißen in England „Snurks“, „Urmel aus dem Eis“ hat seine Abenteuer für den internationalen Markt als „Impy“ oder „Dino“ bestritten. (51) – um sich in die Rolle reinzufühlen hatte er sich sogar vor dem Mirko einen Buckel umgeschnallt.

GEHT INDER ROLLE AUF

GEHT INDER ROLLE AUF: Hape Kerkeling spricht Dracula.

MIT BUCKEL

MIT BUCKEL: Oliver Kalkofe wollte sich in die Rolle von Dracula-Assistent Renfield hineinfühlen.

Am 24. August ist Kinostart. „Ich habe unglaubliches Herzklopfen“, gesteht Tappe, der jahrelang seine gesamte Energie in dieses Projekt gesteckt hat. 130 000 Einzelbilder, 1800 Einstellungen, 50 Charaktere und ihr Gang, ihre Kleidung, ihre Haare, acht verschiedene Versionen des Films in unterschiedlichen Technikstadien. „Es ist der erste europäische Film in 3-D-Dolbyvision“, sagt Tappe stolz. Aber: Es gibt in Europa nur vier Kinos die diese Technik bisher zeigen können.“ Tappe lacht: „Wir sind also schneller als die Technik.“

Für das Projekt „Happy Family“ arbeiten 70 Leute

Fällt er jetzt in ein tiefes schwarzes Loch? „Dafür habe ich jetzt noch keine Zeit“, winkt Tappe ab. Sein Plan für die Zeit nach dem entscheidenden ersten Wochenende: „Eine Woche nichts tun.“ Und dann? „Ich habe noch keinen Plan.“ Aber Verantwortung. Bei Ambient Entertainment arbeiten inzwischen 40 Leute im Stammteam, für das Projekt waren es insgesamt 70. „Das erhöht den Druck“, räumt Tappe ein. „Ich wollte ja nie eine Firma haben, ich wollte Filme machen.“

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Das wird er sicher auch weiter tun. Unter einem Regal im Besprechungsraum liegt ein ganzer Stapel Bilderrahmen. Alle leer. Noch.

Darum geht es im Film:

Der Ausflug nach Hollywood dauert eine Stunde und 33 Minuten: „Happy Family“ sieht man nicht an, dass er in Deutschland entstanden ist, er kann technisch mit US-Produktionen mithalten – „hat aber deutlich weniger gekostet“, sagt Regisseur Holger Tappe. Die Buchvorlage wurde leicht modifiziert: Familie Wünschmann, die zu Beginn völlig un-happy ist (Mutter Emmas Buchladen läuft schlecht, Papa Frank ist überarbeitet, Sohn Max ein Streber, Tochter Fee ein Pubertier), lebt nicht in Berlin, sondern in New York. Über eine falsche Telefonverbindung gerät Emma auf der Suche nach einer Verkleidung für eine Kostümparty an den echten Dracula, der sich unsterblich in sie verliebt – und Hexe Baba Yaga beauftragt, die Herzensdame in eine Vampirin zu verwandeln. Die erwischt mit ihrem Fluch aber die ganze Familie. Vampirin, Frankenstein, eine Mumie und ein Werwolf jagen mit ihren Superkräften die Hexe um die Welt und erleben einige Abenteuer.

Die Filmsets sollte authentisch sein, Schauplätze in London, Rumänien und New York entwarf das Studio-Team nach den Originalen. „Ein Mitarbeiter ist sogar privat nach Ägypten geflogen, weil er ein Gefühl für die Wüste bekommen wollte“, erzählt Tappe.

„Happy Family“ startet am 24. August. Die Deutsche Film- und Medienbewertung vergab das „Prädikat wertvoll“. Klicken Sie hier, um den offiziellen Trailer zu sehen.

Von Andrea Tratner