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NEUES WERK: Hans Werner Dannowski ist stolz auf sein neues Werk. Mittlerweile hat er 15 Bücher geschrieben.

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Porträt

Hans Werner Dannowski - „Die Endlichkeit ist mir bewusst“

Vor einigen Tagen hat Ex-Stadtsuperintendent Hans Werner Dannowski 83. Geburtstag gefeiert. Über seinen wackeligen Gesundheitszustand sagt er: „Man muss seine Grenzen kennen.“ Umtriebig ist er immer noch. Heute stellt er sein neues Buch vor.

„Niedersachsen - eine Fotoreise durch das Land der Vielfalt“ heißt der 192-Seiten-Band, den Ministerpräsident Stephan Weil (57) heute in der Buchhandlung Decius vorstellen wird. Das wievielte Buch ist das? Ex-Stadtsuperintendent Hans Werner Dannowski (83) hält inne und scheint nachzurechnen: „Ich schätze, 15 Bücher sind es. Das Schreiben ist meine Ruhestandsaufgabe.“

Ein Ruhestand, der bisher alles andere als ruhig war. 1998 gab der Marktkirchenpastor und Stadtsuperintendent seine Ämter ab - ein Bruch war das damals nicht, die Anfragen stürmten auf ihn ein. „Damals konnte ich mir plötzlich Zeit nehmen für die Vorbereitung von Predigten oder Vorträgen, das war eine ganz neue Erfahrung“, erzählt der Mann, der in seiner aktiven Kirchenzeit Vorsitzender von 38 (!) Ausschüssen und selten vor 22 Uhr zu Hause gewesen war. In der Marktkirche („Mein Herz hängt an ihr“) predigte er nach dem Abschied weiter zweimal im Jahr, im Sprengel-Museum hielt er ebenfalls zwei Predigten im Jahr, die stets um ein Kunstwerk kreisten: „Das habe ich durchgehalten bis vor zwei Jahren.“

Jetzt lässt er es ruhiger angehen. „Ich muss ja immer damit rechnen, dass ich über Nacht im Krankenhaus lande“, sagt er mit trockenem Humor. 2007 ein Herzinfarkt, 2010 eine schwere Krebserkrankung - diese zwei Krisen hat Dannowski gemeistert. Trotzdem die Einsicht „Man muss seine Grenzen kennen. Ich war zweimal auf Du und Du mit dem Tod. Ein Stück der Angst vor dem Sterben ist seitdem weg, die Endlichkeit ist mir bewusst.“ Eine gewisse Gleichmut begleite ihn seitdem, aber etwas anderes bohre nach wie vor in ihm: „Ich bin so ungern unzuverlässig, will die Leute nicht versetzen. Da bin ich eben der Sohn einer preußischen Beamtenfamilie.“ Wenn er zusage, eine Predigt zu halten, kümmere er sich vorsichtshalber stets um einen Ersatz. Sein Fazit: „Ich gewöhne mich daran, meinen Radius zu reduzieren.“

Dannowski ist immer noch Vorsitzender der Langeschen Stiftung, die mit den Erträgen aus einer Immobilie in der Luisenpassage Menschen in schwierigen sozialen Lagen unterstützt. „Laut Satzung muss ein Pastor dabei sein. Aber den Posten will ich zum 150. Geburtstag der Stiftung nächstes Jahr abgeben“, kündigt er an. Zusammen mit dem Soziologen Oskar Negt (81) bleibt er weiterhin „Alterspräsident“ der Kanapee-Runde, die die Freunde in den 1990ern gegründet haben, um Politik, Kirche, Universität und Medien in einem Salon besser zu vernetzen. „Ein belebender Kreis“, sagt der 83-Jährige, der derzeit Virginia Wolf im englischen Original liest, und Marcels Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“ auf Französisch.

Dannowski liebt das Schreiben, die Menschen lieben seine Predigten. „Dabei hatte ich als Student große Selbstzweifel, ich hielt mich nicht für einen großen Redner“, erzählt er. Sein Karriereweg war sowieso anders vorgezeichnet: In der dritten Generation sollte er die Laufbahn als Postbeamter einschlagen: „Das war todlangweilig. Mein Geist blieb unbefriedigt.“ 1953 dann die „Offenbarung“. Weil er dafür frei bekam, arbeitete der damals 20-Jährige als Hilfskraft beim evangelischen Kirchentag und lauschte einer Predigt von Landesbischof Hanns Lilje († 77). „Das war wie ein Blitz“, erinnert sich Dannowski, der bis dahin kein Zeichen von Frömmigkeit bei sich entdeckt hatte, „ich wusste meinen Weg.“

Der führte ihn direkt in die Herzen der Menschen - und zwar nicht nur der gläubigen. „Den Leuten gefiel wohl mein Blick auf die Dinge“, glaubt der 83-Jährige, der sich nie von Oberfläche blenden ließ: „Ich schaue gerne hinter die Dinge.“ Bei seinen Sonntagsspaziergängen in Hannovers Stadtteilen, bei denen ihm bis zu 100 Menschen gebannt folgten. In seinen Büchern über Bachs Kantaten oder die Zeichnungen von Wilhelm Busch. „Ich habe immer stundenlang mit mir gerungen, bis ich den Stil und die Worte gefunden habe“, blickt er zurück, „das sah immer so leicht aus, war aber harte Arbeit.“ Der Tipp eines Referenten in einem Rhetorikseminar habe ihm in jungen Jahren geholfen: „Ein guter Prediger muss Widerstände überwinden können.“ Wir hoffen, dass ihm das noch häufig gelingt.

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Geboren am 22. Juni 1933 in Königsberg (Ostpreußen). Als er elf Jahre alt war, floh die Familie in die Lüneburger Heide. „Ich habe die schlimmsten Dinge ausgeblendet, es war ein Kampf ums Überleben“, sagt er. In Hamburg und Göttingen studierte er Evangelische Theologie. 1974 wurde er Superintendent des Kirchenkreises Hannover-Linden, 1980 Stadtsuperintendent und Pastor der Marktkirche. Er war viele Jahre Präsident der Interfilm und Film-Beauftragter des Rates der EKD und saß in der Jury zum Deutschen Filmpreis („Damals war der Glamourfaktor noch nicht so stark“). Seit 1998 ist er im Ruhestand, schreibt seitdem Bücher und genießt die Zeit mit Gattin Edith.


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