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HUMOR-GRANATE: Hans Rath begeistert mit seinen Paul-Schuberth-Büchern Millionen.© Alexander Hörbe

Interview

Hans Raths Rotwein-Gespräche mit Gott

Seine Lesung Donnerstagabend in der Buchhandlung Leuenhagen und Paris ist längst ausverkauft: Hans Rath (50) ist seit „Man tut, was man kann“ eine Art Popstar der Unterhaltungsliteratur. Sein neuer Roman-Held ist Gott persönlich. Die NP sprach mit ihm über Chaostage in Hannover, verplemperte Stunden, Marathon und dicke Wälzer.

Hannover liebt Sie, Ihre Lesung ist ausverkauft. Was wissen Sie von dieser Stadt?

Ich bin Jahrgang 1965 und war gerade siebzehn, als in Hannover die ersten Chaostage ausbrachen. Damals wohnte ich in der niederrheinischen Provinz und hielt Hannover für eine brandgefährliche Megagroßstadt. Ich bin froh, dass es jetzt wieder einigermaßen beschaulich zugeht.

Das neue Buch heißt: „Und Gott sprach: Du musst mir helfen“. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, über Gott zu schreiben?

Ich könnte jetzt behaupten, dass es sich um eine göttliche Fügung gehandelt hat, aber die Wahrheit ist, dass mir der Satz „Gott auf der Couch“ zu vorgerückter Stunde in einem Kreuzberger Restaurant eingefallen ist. Und ich gebe zu, es war auch ein bisschen Rotwein im Spiel. Aber die Idee hat sich dann über die nächsten Tage und Wochen auch bei nüchterner Betrachtung als interessant und entwicklungsfähig entpuppt.

Ihr erster Held Paul Schuberth aus „Man tut, was man kann“ arbeitet in einem Verlag - so wie Sie früher. Wie viel „Gott“ steckt in Ihnen? 

In den Paul-Romanen steckt ein nicht unerheblicher biografischer Anteil. Ich würde fast sagen, dass ich die Hälfte aller geschilderten Ereignisse so oder so ähnlich erlebt habe. Ich werde Ihnen aber jetzt nicht verraten, um welche Hälfte es sich handelt. „Gott“ ist nur insofern biografisch gefärbt, als ich Philosophie und Psychologie studiert habe.

Wie hat Ihr Studium beim Schreiben des Buches geholfen?

Ich bin an der Uni eigentlich nie über die grundlegenden Fragen hinweg-gekommen: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Was sollen wir tun? Und ich finde es auch heute immer noch sehr spannend, darüber nachzudenken. Und in Romanform kann man das alles sehr gut erörtern, finde ich.

„Und Gott sprach: Wir müssen re-den“ war Auftakt der Trilogie: Was wären Ihre Gesprächsthemen für ein Treffen mit Gott?

Ich würde alles daransetzen, Gott im Gespräch zu halten. Die Perspektiven eines solchen Dialogs wären ja geradezu unermesslich. Ich würde also erst einmal versuchen, ihn mit einem sehr, sehr guten Essen und sehr gutem Wein zu möglichst vielen Folgeterminen zu bewegen.

Über welche Figuren können Sie selber lachen?

Ich mag den australischen Komiker Jim Jefferies und den Briten Eddie Izzard. Beide sind politisch unkorrekt, allerdings auf völlig verschiedene Weise. Und beide Arten von Querdenken gefallen mir.

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Schreibtisch?

Es gibt eine Menge Bücher, die ich noch lesen möchte, weshalb ich ein eigenes Regal dafür angeschafft habe, damit sie sich nicht auf meinem Schreibtisch türmen. Momentan steht ein Sachbuch ganz oben auf der Liste: „Mohammed“ von Hamed Abdel-Samad, den ich nicht nur als Kollegen, sondern auch persönlich sehr schätze.

Haben Sie feste Schreibroutinen?

Ja und nein. Ich arbeite zwar nicht von neun bis fünf, aber es gibt Produktionspläne, nach denen ich mich richte. Das mache ich, um die monatelange Arbeit an einem Buch so zu strukturieren, dass ich zeitlich nicht in die Bredouille komme. Und manchmal - leider eher selten - kann ich mein Tagespensum so früh erledigen, dass ich ein paar Stunden für ganz andere Dinge verplempern kann.

Lust, mal einen richtig dicken, ernsthaften Wälzer zu verfassen?

Spontane Antwort: nein. Wenn es sich ergäbe, dann wäre das okay, aber ich lege es nicht darauf an, einen Marathon zu laufen. Gut möglich, dass ich einfach auf der mittleren Distanz zu Hause bin, denn da fühle ich mich ausgesprochen wohl. Ernsthaftigkeit auf lange Distanz finde ich außerdem manchmal ermüdend. Und ich glaube auch, dass man sie in leichter Verpackung besser transportieren kann.

NPVISITENKARTEN - HANS RATH

Geboren am 3. November 1965 in Straelen (NRW), sein eigentlicher Name ist Hans G. Raeth („Es handelt sich um einen niederrheinischen Dehnungsvokal“). Nach dem Abitur studiert er Philosophie, Germanistik und Psychologie. „Laut Arbeitsamt eine solide Basis für eine Zukunft als Erntehelfer“, sagt er selber. Er findet dann doch einen Job im mittleren Management eines großen Zeitungsverlages, später als Drehbuchautor. Rath ist verheiratet mit der Schauspielerin Michaela Wiebusch (44), die Familie lebt mit ihrem Sohn in Berlin.


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