Navigation:

© Frank Wilde

Menschen

"Billiger können andere viel besser"

Lust auf Kaffee hat Andreas Berndt (56) eigentlich immer. Etwa 25 bis 30 Tassen trinkt er am Tag. „Ich verkoste ja auch viel“, sagt er, „ich probiere jeden fertig gerösteten Kaffee. Und ich spucke den nicht aus.“ 2012 gründete Berndt die Hannoversche Kaffeemanufaktur, bietet sortenreinen Kaffee und Mischungen an, alles selbst geröstet und ausgewählt – und hat damit Erfolg: Dem kleinen Laden mit Röster in der Liepmannstraße (Limmer) folgten eine Kaffeebar im Kaufhof am Hauptbahnhof und zuletzt eine große Rösterei mit Café in Burgdorf-Heeßel.

Hannover. Seine Arbeit als Röstmeister erfüllt ihn mit Stolz, das merkt man schnell. Er möchte zu den besten gehören. Gelernt hat er sein Handwerk in Röstereien in ganz Europa. Damals reiste er neben seiner Arbeit im Marketing bei großen Brauereien in seiner Freizeit umher, machte Praktika, ließ sich ausbilden. Sein Plan war, in der Rente eine kleine Rösterei zu betreiben. Doch vor fünf Jahren erlitt Berndt einen kleinen Schlaganfall, lag auf der Intensivstation, verlor tagelang seinen Gleichgewichtssinn: „Das war für mich der Ansatz zu sagen: Ich schmeiß alles hin, ich steig aus.“ Er entschloss sich, sein Hobby zum Beruf zu machen. „Ich hätte natürlich, auch ,Bernies Bohnenbude‘ machen können“, sagt er lächelnd, „aber ich habe mein Leben lang Marke gemacht.“ Also gründete er die Hannoversche Kaffeemanufaktur.

Was ihn ein bisschen stört, ist die Willkür in der Ausbildung: „Röstmeister ist kein Lehrberuf. Man muss im Prinzip, um eine Rösterei zu eröffnen, nichts vorweisen.“ Er fände es schön, wenn jede kleine Rösterei in einer bestimmten, verlässlichen Güte rösten würde. „Es gibt eine Reihe von Parametern, an denen man erkennt, ob jemand wirklich gut ist“, sagt Berndt, „und es gibt eben viele, die nicht gut sind.“ Zu diesen Parametern zählt er die Röstzeiten: „Sie brauchen bestimmte Mindeströstzeiten, um die Chlorogensäure im Kaffee abzubauen. Das sind die Gerbstoffe, die oft Sodbrennen verursachen.“ Diese Gerbstoffe zerfallen erst nach etwa 18 Minuten. Auch die rund 1100 Aromen im Kaffee brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Die Temperatur ist ebenfalls entscheidend. Berndt röstet bei maximal 180 Grad: „So entsteht weniger krebserregendes Acrylamid als bei höheren Temperaturen.“ Das Rösten übernimmt Berndt weitestgehend selbst, auch seine Söhne Fabian (27) und Fleming (23) dürfen an die Maschine. Für sortenreinen Kaffee, der in kleineren Mengen verkauft wird, gibt es außerdem noch den kleinen Röster in der Liepmannstraße.

„Unsere Chance besteht darin, qualitativ einwandfrei zu sein“, sagt Berndt, „billiger können an-dere viel besser, da können wir nicht mithalten.“ Sein Perfektionismus fordert auch seinen Tribut: „Ich merke schon, dass der Akku leerer wird. Vier Jahre ohne Urlaub, fast jedes Wochenende ... Und ich habe früher gedacht, dass ich viel arbeite!“, sagt er lachend. Allerdings ist die Arbeit anders, sie macht ihm nach wie vor viel Spaß. Seine Frau Antje (54) ist im öffentlichen Dienst, „und da will sie auch bleiben“. Drei Familienmitglieder im Geschäft, das reicht. „Sie ist einfach eine Bank für mich“, sagt Berndt, sie gibt dem Ganzen Sicherheit.

Als eine chinesische Delegation Hannover besuchte und gern eine hannoversche Rösterei nach Changde holen wollte, schlug Berndt vor, eine gemeinsame Gesellschaft zu gründen. „Es war dann schnell klar, dass mein Sohn Fabian das begleiten würde – ich habe hier einfach genug zu tun“, sagt der 56-Jährige. Sein Sohn Fleming geht zunächst auch mit: „Er ist ausgebildeter Röstmeister und ein Spitzenbarista, der ist in der Lage, die Anlagen in Betrieb zu nehmen und die Leute zu schulen.“ Berndt fährt erst rüber, wenn alles fertig ist. Im Mai soll der Ausbau beginnen, die Eröffnung ist für September geplant.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige

Bild des Tages

18 Meter hoch ist die Weihnachtspyramide in Hannovers City. Ein echter Hingucker.

zur Galerie