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DAS FLEISCH IST DER STAR: Die „Sizzle Brothers“ Johannes Böttcher und Corbinian Ahrens stellen ihre Grill-Videos ins Internet.

DAS FLEISCH IST DER STAR: Die „Sizzle Brothers“ Johannes Böttcher und Corbinian Ahrens stellen ihre Grill-Videos ins Internet.
 © Michael Wallmüller

Grillen

Hannovers „Sizzle Brothers“ sind Internetstars

Aus Hobbygrillern wurden echte Experten: Julian Peier (28), Johannes Böttcher (27) und Corbinian Ahrens (30) sind die „Sizzle Brothers“ – zu Deutsch „Brutzel-Brüder“. Im Reihenhaus steht ein Fuhrpark an Grills, im Internet sind die Grillvideos ein Hit. Die NP hat das Trio dabei beobachtet, wie aus einem T-Bone-Steak köstliche Sandwiches werden.

Ilten.  Es ist kurz vor 21.30 Uhr, als vor einem Reihenhaus in einem Vorort von Hannover vier Menschen mit erwartungsvollem Blick sitzen. Ihre Hoffnung: Ein paar Essensreste zu ergattern. Was sich zunächst bizarr anhört, erscheint nur allzu verständlich, wenn man weiß, wer ihr Nachbar ist. Julian Peier (28) nämlich ist einer von drei „Sizzle Brothers“. Er und seine Kumpels Johannes Böttcher (27) und Corbinian Ahrens (30) haben es sich zur Aufgabe gemacht, des Mannes liebstes Hobby – das Grillen – zu perfektionieren .

In dem Garten des Reihenhauses treffen sich die „Sizzle Brothers“ – zu deutsch etwa: Brutzel-Brüder – fast täglich, um zu grillen. Doch das, was das Trio da macht, hat mit dem, was der gemeine Hobby-Griller in seinem Garten treibt, wenig zu tun.

Das Grill-Monster kostet 5000 Euro

Der Fuhrpark der Sizzle Brothers entpuppt sich als wahrer Männertraum: Er besteht jedoch nicht aus Autos, sondern aus Grills: Eine fünf Meter lange Plane bedeckt ein Grill-Monster mit einem Wert jenseits der 5000 Euro. An diesem Abend nutzt das Trio einen Gasgrill (rund 1500 Euro).

Während Böttcher und Peier grillen, schießt Ahrens permanent Bilder für die sozialen Netzwerke. Das ist notwendig, da die „Sizzle Brothers“ mittlerweile schon kleine Stars sind. Angefangen hat alles im Januar 2015 mit einem Grillblog. Weiter ging es mit Videos auf Youtube. „Wir haben uns da anfangs nicht viel ausgerechnet“, erinnert sich Peier, der für das Schneiden der Kurzfilme verantwortlich ist. Schnell folgten immer mehr Videos auf dem eigens eingerichteten Youtube-Kanal. Rund zweieinhalb Jahre später hat dieser Kanal 29 000 Abonnenten, auf Facebook hat die „Sizzle-Brothers“-Seite 15 400 Likes und auf Instagram sehen knapp 3800 Menschen die Bilder der Hobby-Griller. „In Niedersachsen sind wir damit konkurrenzlos. Bundesweit rangieren wir unter den Top fünf der Youtube-Griller und auf Platz zwei bei den Grill-Blogs“, sagt Böttcher. Erst kürzlich war ein Fernsehteam von Sat 1 zu Besuch bei den „Sizzle Brothers“.

Das ist das Erfolgsrezept des Grill-Trios

Und all das macht das Trio nur nebenbei: Denn Böttcher, den die Jungs nur Hannes nennen, studiert im zweiten Mastersemester Maschinenbau an der Leibniz-Uni. Peier (Vertriebsleiter) und Ahrens (Projektmanager) arbeiten bei einem Verlag in Buchholz-Kleefeld. Wenn man dem Trio bei ihren Video-Drehs in Peiers kleinem Garten zusieht, kann man kaum glauben, dass keiner von ihnen das, was er da gerade tut, nie wirklich gelernt hat. „Wir haben uns das alles komplett selbst beigebracht“, sagt Böttcher. „Extrem viel lesen, Fachleute und Grillexperten einladen, immer wieder nachfragen und mit Leidenschaft dabeisein“, so erklärt der 27-Jährige das Erfolgsrezept des Trios.

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An diesem Abend gibt es ein „Philly Cheese Steak Sandwich“. Peier tranchiert das 90 Euro teure Steak und gibt es dann in einen Topf mit Zwiebeln, Paprika, Champignons, Käse und Gewürzen. Als das Ganze auf der Sizzle-Zone – einer 800 Grad heißen Gaskochplatte, die auch Inspiration für den Namen der „Brutzel-Brüder“ war – vor sich hinköchelt, herrscht zunächst absolute Stille.

Das ändert sich schnell: Es erschallt ein erstes „Boaaah“ von Böttcher, gefolgt von einem „Alter, ist das geil.“ Schließlich belegt Peier das Baguette mit der so famos duftenden Masse aus dem Topf. Fertig ist das Sandwich, dessen Geschmack mit Worten kaum zu beschreiben ist. Spätestens jetzt ist klar, warum Peiers Nachbarn um halb zehn am Abend noch so erwartungsvoll auf der Bank sitzen und auf ein paar Essensreste warten. Guten Appetit!

Von Timo Gilgen