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Trifft den Nerv der Zeit: Lennart Gäbels Zeichnung „They Let you Do it“ geht um die Welt. Im „Zurück zum Glück“ sind seine Illustrationen ausgestellt. Foto: Wilde

Porträt

Hannoveraner kämpft für amerikanische Werte

Lennart Gäbels (35) Illustration von Donald Trump (70) „They Let you Do it“ wird tausendfach geklickt und ist plötzlich Teil des Diskurses. Nun stellt Gäbel im „Zurück zum Glück“ aus. Mit der NP sprach er über Träume und das Cover des „New Yorkers“.

Hannover. Seine Illustration geht um die Welt. Auf Demonstrationen wird die Darstellung, in der der zukünftige US-Präsident Donald Trump (70) der Freiheitsstatue in den Schritt fasst, zum Sinnbild des Protests. Man könnte meinen, es sei der Durchbruch des Künstlers aus Hannover. Doch Lennart Gäbel (35) sieht sich „gerade einmal am Anfang“.

Ein Anfang, der aufregender nicht sein könnte. Schließlich wurde das Bild binnen kürzester Zeit millionenfach geklickt, es erlangte immense Reichweiten. „Es ist normal, dass heute Arbeiten gedruckt werden, die morgen im Altpapier landen“, schränkt der 35-Jährige ein. Doch diesmal ist es anders. Die Illustration entstand, kurz nachdem die Aufnahmen von Trumps sexistischen Äußerungen publik geworden waren. „Ich dachte, in zwei Wochen würde keiner mehr von ihm sprechen“, erinnert sich der Künstler. Für ihn ist klar: Diese Äußerungen sind ein Angriff auf die amerikanischen Werte. Für Gäbel stellt Trumps Geste einen offensichtlichen Angriff auf alle Frauen dar – aber noch viel mehr: „Die Freiheitsstatue steht auch für Immigration, für Freiheit, Demokratie. Das ist das Wertepaket, das Trump unsittlich angefasst hat.“ Damit trifft Gäbel den Nerv der Zeit – die Menschen sind bewegt.

Doch den Künstler bewegt etwas anderes. „So schön, wie die Situation für mich ist, ich würde sie gerne opfern, wenn dafür Hillary Clinton oder Bernie Sanders die Wahl gewonnen hätten“, gesteht der Hannoveraner mit ruhiger Stimme. Er wirkt fast so, als bereite sein Ruhm ihm Unbehagen: „Aber ich hätte es auch nicht ändern können. Wählen durfte ich ja nicht.“

Doch woher kommt dieses Interesse an Amerika? Immerhin widmete der Illustrator seine gesamte Ausstellung im
Lokal „Zurück zum Glück“ (Hindenburg
straße 7) den USA: „Die Faszination kam schon während der Schulzeit. Deswegen habe ich ein Jahr an einer Highschool in Texas verbracht.“ Doch sie ebbte nicht ab. Im Gegenteil: Während seines Grafikdesign-Studiums in Groningen und Rotterdam entschied er sich für ein Auslandssemester, diesmal in New York. „Dort durfte ich von den Göttern des Metiers lernen“, schwärmt Gäbel von denen, deren Bücher er in Rotterdam verschlungen hat. Er merkte: „Das ist der richtige Weg.“

Doch dieser Weg hatte sich für den heute 35-Jährigen gar nicht so schnell abgezeichnet. Nach dem Abitur studierte er zuerst Wirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) und arbeitete anschließend im Marketing. Bis er merkte: „Ich will mich kreativer ausleben.“ Deswegen mietete er mit seiner heutigen Frau Paula (32) und einer Freundin ein Hausboot in Groningen. „Ein halbes Jahr lebten wir dort, in der Zeit habe ich mich auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet.“ Mit Erfolg: Er begann ein Studium und blieb fünf Jahre mit der heute 32-Jährigen in den Niederlanden: „Das hat uns zusammengeschweißt, wir haben gemeinsam die neue Sprache gelernt, uns an die neue Kultur gewöhnt.“ Die sei nämlich ähnlich und doch überraschend anders. Seine Partnerin stärkte ihm den Rücken: „Gerade ist alles ganz toll, aber man darf nicht vergessen, dass man als Künstler häufig von Selbstzweifeln geplagt ist.“ Das Paar rückte näher zusammen und entschloss sich, nach dem Studium eine Zukunft in Hamburg aufzubauen. Im März erwarten die beiden ihr erstes Kind.

Doch auch wenn er viel unterwegs ist und Hannover früh verlassen hat – die Zelte hat Gäbel nie abgebrochen: „Hannover ist ein Stück Zuhause. Wenn man am Hauptbahnhof ankommt, fühlt es sich wie Heimat an.“ Wer so verbunden mit der Heimatstadt ist, vergisst natürlich auch den Sportverein nicht. „Die HDI-Arena fühlt sich an wie mein zweites Wohnzimmer“, schwärmt der Fußballfan und strahlt vor Vorfreude – er besucht heute das Heimspiel von Hannover 96.

Für die Zukunft wünscht er sich natürlich, dass die Mannschaft wieder aufsteigt. Und wovon träumt er persönlich? „Irgendwann möchte ich einmal auf dem Cover des ,New Yorkers‘ sein.“ Denn für ihn steht fest: Die Dinge, die ihn und die Welt bewegen, möchte er weiterhin mit seinen Illustrationen kommentieren.

Mandy Sarti

NP Visitenkarte

*30. Mai 1981 in Hannover. Im Jahr 2000 macht Gäbel sein Abitur an der IGS Langenhagen. Im Anschluss studierte er Wirtschaft an er FHDW und arbeitete für das Hörgeräteunternehmen Kind. 2009 entschließt er sich, Grafikdesign zu studieren und geht dafür nach Groningen, Rotterdam und New York. Seit 2014 selbstständiger Illustrator in Hamburg. Zu seinen Kunden zählen unter anderem Spiegel Online, ZDF, „Elle France“ und Hapag Lloyd. Die Ausstellung „NYC. Illustrations by Lennart Gäbel“ im „Zurück zum Glück“ in Hannover ist mittlerweile seine fünfte.

www.zurueckzumglueckhannover.com


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