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Kultur

Hannoveraner Filmemacher finanziert Film über Crowdfunding

Eine alleinerziehende Mutter, ihre Tochter, viele Jobs – und jede Menge Humor. Sören Wachsmuth (27) aus Hannover macht mit „Sunshine“ einen Film über das Elternsein – finanziert über Crowdfunding. Mit der NP hat er über seine Pläne gesprochen.

Hannover. Er will wirklich zu den ganz Großen gehören: „Bis zur Berlinale soll es erst mal gehen.“ Sören Wachsmuth (27) hat Ambitionen. Damit diese auch Wirklichkeit werden, studiert er in Salzgitter Mediendesign an der Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften. Der schlaksige, junge Mann aus Linden ist nämlich Regisseur und Drehbuchautor. Fünf Kurzfilme hat er schon gemacht. Für den sechsten, „Sunshine“, den er gleichzeitig als Projekt für einen Kurs in der Uni abdreht, macht er jetzt Crowdfunding. 4500 Euro müssten für eine vollständige Finanzierung zusammenkommen. 730 Euro sind es bisher.

Auf der Internet-Plattform Startnext können Unterstützer ihr Geld noch 53 Tage investieren und bekommen dafür eine Gegenleistung: zum Beispiel einen Download-Code für den Film oder auch ein Logo, das in den Film integriert wird. Der Film ist bereits abgedreht. Das Geld aus dem Crowdfunding benötigt Wachsmuth für die Gehälter der Schauspieler und die Postproduktion: „Den Schnitt mache ich selbst, aber das Tonstudio und den Komponisten brauchen wir auch noch. Außerdem haben die Schauspieler bisher alle ohne Gage gearbeitet.“ Der Film, der Anfang 2017 veröffentlicht wird, dreht sich um eine alleinerziehende Mutter, die mehrere Minijobs gleichzeitig machen muss, um sich und ihr krankes Kind über die Runden zu bringen. Die Inspiration dafür hat der 27-Jährige aus seinem Umfeld, aber auch Vroni Kiefer (41), die die Hauptrolle spielt, ist alleinerziehend. Mit ihr zusammen hat er das Drehbuch geschrieben. Kiefers Tochter Nora (8) ist auch im Film dabei.

Neben dem Crowdfunding finanziert Wachsmuth den Film übrigens aus Eigenmitteln: „Ich arbeite nebenher als Web-Entwickler. Davon zweige ich immer was für das Projekt ab.“ Das war auch sein Beruf, bevor er das Studium aufnahm Seine Leidenschaft ist aber definitiv der Film. In Wachsmuths Wohnung hängen Poster an den Wänden, sein DVD-Regal ist prall gefüllt. „Jeder, der Filme macht, guckt sich irgendwo Schnitttechniken ab oder probiert mal eine Kameraeinstellung aus, die ihm besonders gut gefällt.“ Hat er ein Vorbild? „Schwer zu sagen. Ich habe gerade das gesamte Werk von Michael Haneke durchgesehen. Sein dokumentarischer Stil ist wirklich beeindruckend.“

Dokumentarisch wirkt auch Wachsmuths Kurzfilm „Eins“, der Zivilcourage als Thema hat. In der Stadtbahn wird ein Mann verprügelt, und keiner hilft ihm. Gedreht hat er das Ganze vergangenes Jahr in einem Silberpfeil der Üstra, der auf dem Betriebshof immer im Kreis gefahren ist: „Eine Herausforderung. Man darf ja nicht merken, dass wir immer im Kreis gefahren sind. Und der Ton musste sich echt anhören. Ein Hannoveraner merkt ja sofort, wenn die Bahn gar nicht richtig fährt.“ Hannover ist für den Regisseur eine gute Kulisse. Er möchte aber lieber allgemeingültige Geschichten erzählen, die auch zum Nachdenken anregen. Schon 2012 hatte er den Kurzfilm „Like“ gedreht, der sich kritisch mit dem sozialen Netzwerk Facebook und dem dazugehörigen Geltungsdrang auseinandersetzt. Damals feierte er Premiere im Apollo-Kino in der Limmerstraße.

Auch sein aktuelles Projekt hat kein leichtes Thema. Die Protagonistin heißt auch deswegen Sunshine, weil sich die Mutter nicht unterkriegen lässt. Trotz ihrer schwierigen Situation verliert sie den Sinn für Humor nicht, singt ihrer Tochter Lieder vor und wird von ihr deshalb Sunshine genannt. „Es ist ein ernster Film mit komödiantischen Elementen. Ich würde den wirklich gerne auf Filmfestivals zeigen, aber auch dafür braucht man Geld“, weiß Wachsmuth. Das Crowdfunding könnte seinen Traum wahr machen.

Unterstützen kann man das Projekt bei „www.startnext.com“, wo es auch ein Video zu den Dreharbeiten gibt. Wenn zum Beispiel eine Firma Geld investiert, baut der Filmemacher im Nachhinein digital das Logo auf ein Paket, das Hauptdarstellerin Vroni Kiefer in einem ihrer Jobs austrägt. Außerdem bittet Wachsmuth um Fotos von alleinerziehenden Eltern mit ihren Kindern. Diese sollen im Abspann von „Sunshine“ gezeigt werden.

www.startnext.com/sunshine-kurzfilm

von Jan Heemann


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