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WETTER IN DER SÜDSTADT: Schauspielerin MarenKroymann (rechts) ist unter Ute Schneiders Schirmmit Thermoskanne und Gummistiefeln ausgerüstet.

WETTER IN DER SÜDSTADT: Schauspielerin Maren Kroymann (rechts) ist unter Ute Schneiders Schirm mit Thermoskanne und Gummistiefeln ausgerüstet.

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Szene

Hannover: Multi-Kulti-Trubel in der Südstadt

In diesem Film hat Hannover eine Hauptrolle ergattert: In der Südstadt wird gerade „Familie verpflichtet“ gedreht, eine aufgekratzte Multi-Kulti-Komödie mit Stars wie Maren Kroymann (65) und Max von Pufendorf (39) , die voraussichtlich im Herbst im TV läuft. „Von der Stadt wird viel zu sehen sein“, verspricht Debüt-Regisseur Hanno Olderdissen (38).

Hannover. Die Handlung klingt nach drei Filmen in einem: Der jüdische Galerist David (Max von Pufendorf, 39) will seinem Liebsten, dem arabisch-stämmigen Khaled (Omar El-Saeidi, 34), einen Antrag machen. Doch der hat Angst, sich vor seinem Vater (Ramin Yazdani, 62) zu outen. Dann funkt noch Davids Mutter Lea (Maren Kroymann, 65), dazwischen, die ihre jüdischen Wurzeln gerade erst wiederentdeckt hat. Das reicht noch nicht? Sarah (Franziska Brandmeier) behauptet, von David schwanger zu sein - der will das Baby aber auf keinen Fall adoptieren. Was den kinderverrückten Khaled tief enttäuscht. Der daraufhin Schauspielerin Petra (Nikola Kastner, 32) als „Leihmutter“ vorschiebt. Sie haben den Überblick verloren? Einfach mal tief durchatmen ...

„Familie verpflichtet“ entsteht in der NDR-Reihe „Nordlichter“, gedreht wird noch eine weitere Woche in der Stolzestraße in der Südstadt. Die Anwohner müssen also noch etwas länger mit den vielen Parkverbotsschildern leben. „Aber hier gibt es nicht so böse Blicke wie in anderen Städten“, lobt von Pufendorf die Geduld der Anwohner. Kollegin Maren Kroymann pflichtet ihm bei: Hannover sei in der Hinsicht „nicht so abgefuckt“ wie Köln oder Berlin, wo dauernd Kamerateams herumlaufen würden. Die Gegenleistung des Teams: Als Anneliese Matern (80, „ich wohne seit 33 Jahren gleich ums Eck“) mit einem Karton mit Rosenstöcken durch den Regen marschiert, bietet Gentleman von Pufendorf gleich seinen Schirm an. Und: Hannover wird in Sachen Kunst und Kultur groß in Szene gesetzt.

„Ich hatte gleich ein positives Gefühl zur Stadt“, schwärmt Regisseur Hanno Olderdissen (38), der seinen ersten 90-Minüter mit Förderung der Nordmedia für den NDR dreht. Nur die Suche nach einem geeigneten Drehort für die Galerie gestaltete sich schwierig: „Wir saßen in Linden im Mio Mio, haben dem Wirt von unserem Problem erzählt.“ Kadir Elveren (38) hatte einen Tipp: „Mir fiel als Eckladen gleich das ,Barolo & Friends‘ ein.“ Dort wird in diesen Tagen kein Wein ausgeschenkt, dafür hängen Kunstwerke an den Wänden. „Der Laden hat einen guten Spirit“, schwärmt der Regisseur.

Überhaupt passe die turbulente Handlung der Komödie zu Hannover. „Das Thema der Homosexualität ist da, wo es hingehört - mittendrin“, findet Kroymann. Denn: „Hannover hat dieses Image der Korrektheit.“ In einer Stadt dieser Größe könne man „ein Doppelleben führen“, findet von Pufendorf. Omar El-Saeidi gibt allerdings zu, dass er „erst mal schlucken musste“, als er das Drehbuch gelesen habe: „Es ist ein heikles Thema, ich bin gespannt auf die Reaktionen der muslimischen Communitys.“ Sein Film-Papa Ramin Yazdani wischt die Bedenken beiseite: „Es geht nicht um Religionen, es geht um Kulturkreise!“ Und überhaupt: Mit einem guten Drehbuch und tollen Dialogen dürfe man „jeden durch den Kakao ziehen“, so Kroymann.

Haben die Schauspieler denn auch was von Hannover gesehen? Von Pufendorf liebt die Holländische Kakostube, El-Saeidi hat den Trubel des Lister-Meile-Festes miterlebt. „Ich bin abends eine Runde um den Maschsee gelaufen, das war ziemlich klasse“, sagt Kroymann. Und ihre Augen blitzen.


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