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ECHTE LIEBE: Mit Schauspieler Timothy Peach ist Tiggeler seit 1988 verheiratet.

Interview

„Hänsel“ schließt den Tiggeler-Kreis

In der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ war und ist Schauspielerin Nicola Tiggeler (57) Kult, in die Buchhandlung Decius kommt sie heute (20 Uhr) aber als Stimmlehrerin. Die NP sprach mit der Hannoveranerin über das sagenhafte „Hänsel und  Gretel“-Jubiläum an der Oper, die Hass-Liebe für Barbara von Heidenberg und Baumkuchen. 

Hannover. Der Name Tiggeler könnte vielen Hannoveranern noch ein Begriff sein ...
Mein Vater Steffen war viele Jahre Regisseur und Oberspielleiter an der Staatsoper. Bei meinem ersten Opernbesuch – ich war vier Jahre alt und habe Papas Inszenierung von „Hänsel und Gretel“ gesehen – beschloss ich, dass ich auf dieser Bühne stehen will. Am 2. Dezember gibt es übrigens ein schönes Jubiläum, das Stück wird zum 500. Mal in dieser Fassung gezeigt – es steht mit dieser langen Laufzeit seit 1964 sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Meine Geschwister und ich reisen dafür nach Hannover.

Im „Hänsel“ war dann auch Ihr erster Auftritt?
Ich habe im Kinderchor angefangen, war dann auch relativ bald eines der „Kuchenkinder“ und durfte kleine Solorollen übernehmen. Das hat mich geprägt – die Staatsoper war mein Leben, Schule hat mehr nebenbei stattgefunden. Mein Vater war gelernter Kapellmeister, meine Mutter Geigerin – Musik hat immer eine große Rolle gespielt. Ich habe das auch konsequent durchgezogen, in Hamburg studiert und mein Operndi­plom gemacht – meine Ab­schlussrolle war wieder der „Hänsel“, so schließt sich der Kreis.

Wie kam der Sprung in die Schauspielerei?
Bei meinem Engagement in Augsburg war die Bedingung, dass ich auch Musicalrollen übernehme. Damals war „Linie 1“ der Renner, das war auch mein Einstieg in die Schauspielerei. Ich habe damals 120 Vorstellungen im Jahr in allen Sparten ge­spielt.

Das klingt stressig ...
Es hat Spaß gemacht, ich habe viel gelernt – aber ich war auch am Anschlag. Ich weiß nicht, ob ich diese Maloche noch lange durchgehalten hätte. Das Fernsehen war quasi ein Ausweg, als meine Agentin vorschlug, doch mal zu einem Casting zu gehen. Das war „Der Fahnder“, eine wirklich große Serie in den 90ern. Und deutlich besser bezahlt. Da war ich dann bestechlich (lacht). Ich habe in insgesamt acht Serien durchgehende Hauptrollen gehabt.

Berühmt sind Sie für die Barbara von Heidenberg in „Sturm der Liebe“. Was war das für eine Rolle für Sie?
Was heißt war? Ich bin zwar gerade mal wieder tot, bin aber auch schon dreimal wiedergekommen (lacht). Das ist eine Lebensrolle, mehr Futter kann man als Schauspieler kaum kriegen – ich war Mutter, Geliebte, Ehefrau, Mörderin. Ich bin er­trunken, vom Berg gestürzt, saß im Gefängnis. Ich bin nicht auf dem aktuellen Stand bei „Sturm“, habe aber gehört, dass ich neulich virtuell dabei war, weil Barbaras „Vermächtnis“ zwei andere Hauptfiguren gegeneinander aufgehetzt hat.

Wäre da vielleicht noch eine Tür für Sie offen?
Bestimmt. Weil die Zuschauer die Rolle so gerne mögen. In Umfragen war ich wohl immer die beliebteste Böse. Barbara von Heidenberg liebt oder hasst man, dazwischen gibt es nichts.

Sie haben heute aber noch ein ganz anderes Berufsfeld, oder?
Ich habe damals an der Musikhochschule auch ein Diplom als Gesangslehrerin gemacht, später mit meiner Expertise für Stimme auch mit Kollegen gearbeitet. Ich bin  heute als Stimm- und Sprechcoach viel in Politik und Wirtschaft unterwegs.

Warum engagiert man Sie?
Viele Menschen haben ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer eigenen Stimme – das ist der berühmte Anrufbeantworter-Effekt. Aber ich würde jedem empfehlen, sich damit zu beschäftigen, wie man klingt. Man kann ganz leicht etwas verändern, wenn es nötig ist – zum Beispiel über das Atmen. Man braucht ein gutes, entspanntes Verhältnis zum Atem und zum eigenen Körper. Sprechen darf nicht anstrengen. Man muss seine Resonanzen nutzen, um die Stimme warm und voll klingen zu lassen, Pausen richtig zu setzen, die Lautstärke anzupassen, die richtige Tonlage zu finden. Das ist kein Hexenwerk, das kann man lernen.

Brauchen gerade Frauen Sprechtraining?
Vor allem sollten sie nicht zu hoch sprechen. Es ist ge­mein, aber tiefe Stimmen werden mit Kompetenz gleichgesetzt – da haben Männer einen Vorteil.

Wie geht es Ihnen heute, wenn Sie nach Hannover zurückkehren?
Ich bin in der Maschstraße hinter dem Aegi aufgewachsen, gegenüber war der Turnklubb, die Stadtbücherei war in der Nähe. 1985 habe ich auch mein Debüt als Opernsängerin in die „Hochzeit des Figaro“ an der Staatsoper Hannover gegeben. Danach war ich immer nur sporadisch in der Stadt – aber ich finde, es hat sich viel zum Guten verändert. Die Stadt hat sich hübsch gemacht.

Was steht auf Ihrer Hannover-Agenda?
Ich werde an einer alten Tradition festhalten und in der „Holländischen Ka­kaostube“ Baumkuchen kaufen!
TERMIN: „Mit Stimme zum Erfolg“, 20 Uhr, Decius (Marktstraße 51). Karten: 15 Euro.

Von Andrea Tratner